Die erste Führungsposition: Hinter der unsichtbaren Linie

Man sagt, dass man eine unsichtbare Linie überschreitet, wenn man in eine Führungsposition aufsteigt. Plötzlich sind die Kollegen keine Freunde mehr, sondern Mitarbeiter.


Für viele kommt der Anruf aus der Personalabteilung oder das Gespräch mit dem Vorgesetzten überraschend. Plötzlich soll man selbst die Abteilungsleitung, die Führung eines großes Projekts oder gar einer kleinen Firma übernehmen. Neben der Freude über das Angebot wird bei den meisten Angst vorherrschen. Denn egal, wie viel Fachwissen man sich angeeignet hat, wie viele Jahre Berufserfahrung man vorzuweisen hat, auf die Arbeit in einer Führungsposition kann man nicht vorbereitet werden. Für Führungskompetenzen – anders als für fachliche Kompetenzen – gibt es keinen Schnellkurs, in dem alles Nötige gelehrt wird.

Gewinn-Verlust-Rechnung

  • Wenn ein Angebot auf eine Führungsposition hereinschneit, heißt es zugreifen, schließlich kann es schon am nächsten Tag nicht mehr aktuell sein. Denn trotz aller Nachteile überwiegen die Vorteile, die sich mit diesem Karrieresprung ergeben. Sie gewinnen an Prestige und Status – nicht nur im eigenen Unternehmen – haben ein höheres Einkommen und vielleicht auch größere Entscheidungsfreiheiten und bessere Arbeitsbedingungen. Zudem gewinnen Sie viele neue Erfahrungen, auch in Gebieten, in denen Sie bisher kein Experte waren.
  • Als Nachteil kann man die doppelte Arbeitsbelastung betrachten, denn für Ihre bisherige Position wurde ja kein neuer Mitarbeiter eingestellt. Auch die sozialen Beziehungen in der Firma können sich negativ verändern, ein Chef hat einfach anders aufzutreten als ein Kollege, um sich den nötigen Respekt zu erarbeiten.

Vom Kollegen zum Chef

  • Das wichtigste neue Aufgabengebiet heißt Mitarbeiterführung. Neben der eigenen Arbeit ist man nun auch für die Leistungen seiner „Untergebenen“ verantwortlich. Um auch die Ziele zu erreichen, die man sich selbst gesetzt hat, ist es nötig, die Aufgaben zeitlich, quantitativ und qualitativ zu bestimmen.
  • Nach der Strategie „Management by objectives“ kann jeder nun individuell so arbeiten, wie es seiner Intelligenz und Persönlichkeit am ehesten entspricht, um diese geforderten Ziele zu erreichen. Wichtig ist auch, dass der Neu-Chef lernt, seine Mitarbeiter einzuschätzen, um sie entsprechend ihrer Stärken und Schwächen einzusetzen.

Fair sein

  • Ungerechtigkeit kommt gar nicht gut an und wird mit Leistungsverweigerung bestraft. Anerkennung und Lob sollten gleichwertig verteilt sein. Dasselbe gilt für Kritik, die immer sachlich und konstruktiv sein sollte. Auch Feedback ist im Umgang mit den Mitarbeitern ein wichtiges Element, um Rückmeldungen über Geleistetes und Verbesserungsbedarf zu geben und so jedem das Gefühl zu geben, dass seine Arbeit geschätzt wird.
  • Wenn Sie sich eine „Eins“ in Mitarbeiterführung verdient haben, werden Sie das auch an den Gesichtern Ihrer Mitarbeiter ablesen können. Gut geführte Arbeitnehmer kommen gern zur Arbeit, schlecht geführte hingegen leisten Dienst nach Vorschrift ab.

Neue Führungsposition: Im Hier und Jetzt leben

  • Chef sein heißt aber nicht, dass man sich zurücklehnen und andere die Arbeit für sich machen lassen kann. Sie müssen weiter an sich arbeiten, damit der Erfolg dauerhaft bleibt. Experten empfehlen, sich nach dem „Laser-Prinzip“ zu richten, oder anders ausgedrückt: Arbeite im Hier und Jetzt. Konzentrieren Sie sich auf eine Aufgabe und unterlassen Sie es, ständig über vergangene Fehler nachzudenken oder über zukünftigen Entscheidungen zu grübeln.