Die Marke Fred Perry im Konsens der Jugend- und Musikbewegung

Hinter der sportlich-authentischen Marke Fred Perry steckt viel mehr als nur ein T-Shirt. So wurde das Polo Shirt zum Sinnbild für Mods und Skinheads.


Fred Perry, der Schöpfer der bekannten, gleichnamigen Polo Shirts, war nicht nur ein talentierter Tennisspieler, sondern stand auch für die doch überwindbare Grenze zwischen der Arbeiterklasse und der höheren Gesellschaft in England Anfang des 20. Jahrhunderts. Fred Perry schaffte es damals, von eben dieser niedrigen Arbeitergesellschaft durch sein Tennisspiel einen Fuß in die Tür der High Society zu bekommen. Er war ein Vorbild für viele Menschen und inspirierte sie dazu, ihre Träume ehrgeiziger denn je zu verfolgen und nie aufzugeben. Für dies und vieles mehr stand auch die Marke Fred Perry zu Beginn der 50er Jahre, weshalb sie zum Dresscode einiger Jugendbewegungen und später auch in Musikströmungen als Visitenkarte aufgegriffen wurde. Aber nicht nur Positives ist unwiderruflich mit Fred Perry verbunden.

Die Mods

  • Den Aufstieg zur Weltmarke schaffte Fred Perry durch die Jugendbewegung der Modernisten. Die „Mods“, wie sie sich selbst auch nannten, bildeten sich in den späten 50er Jahren als Gruppierungen. Sie sahen sich selbst als moderne Jugend und proklamierten den Ausbruch aus der Arbeiterklasse, waren gegen die ständige Arbeiterei, gegen Unterwerfung und Bescheidenheit – kurzum gegen alles, wofür ihre Eltern standen. 
  • Die Modernisten zeigten ihre neuartige Einstellung zum Leben vor allen Dingen durch ihr äußeres Erscheinungsbild, welches sich durch maßgeschneiderte Anzüge, Designer-Teile und eben Fred Perry-Polos auszeichnete. Ein Mod versuchte, aus der Arbeitergesellschaft auszubrechen, indem er sich avantgardistisch kleidete und verhielt. Mods rebellierten in feinen Anzügen, tanzten auf Amphetaminpillen die Nächte durch, kämpften mit den Rockern und schwärmten für französische Filme.

Polo von Fred Perry in Kombination mit Melone und Ska

  • Sie zitierten Oscar Wilde auf den Straßen und liebten den amerikanischen Dandy. Diese Jugendbewegung wird heute als Keimzelle britischer Männermode angesehen. Fred Perry Shirts dienten innerhalb dieser Gruppierungen und nach Außen hin als Erkennungszeichen. Ein junger Mann mit Melone und Polo von Fred Perry war ein Mod – ein Anhänger der anti-britischen Avantgarde. 
  • Ende der 60er Jahre allerdings verbündeten sich einige Mods mit Einwanderen aus der Karibik, hörten ihre Musik – Ska und Reggea – und übernahmen deren raspelkurze Haarschnitte. So wurden viele Mods zu den früheren „Skinheads“, die (noch) nichts mit unseren heutigen rechtsradikalen Skinheads zu tun hatten. Auch hier fand man das Fred Perry-Hemd als Symbol, denn es war die Visitenkarte des Idols einer ganzen Generation – in England ebenso wie in Deutschland.

Die Skinheads

  • Anfang der 70er Jahre veränderte Fred Perry das Erscheinungsbild der Polos. Wo es sie bislang nur einfarbig gegeben hatte, bekam man sie nun auch in mehreren Farben, mit Streifen, unterschiedlich gefärbten Kragen und Bündchen. Man konnte sich die Fred Perrys also jetzt auch in bestimmten Farbzusammenstellungen holen – wie zum Beispiel in der Farbgebung des Lieblingsfußballvereins, weswegen Fred Perry unfreiwillig zur Marke der ersten Fußballhooligans wurde. Mitte der 70er Jahre dann schlossen sich Teile der vorher friedlichen Skinheadbewegungen rechtsradikalen Organisationen oder Parteien wie der National Front oder der British National Party an. 
  • Auch hier ging das Fred Perry-Shirt als Erkennungsmarke mit und wurde in den Farben der deutschen Reichskriegsflagge, der Hakenkreuzfahne oder in schwarz-rot-weiß getragen. Skinheads in solch farbigen Fred Perry-Polos waren zu dieser Zeit ein häufiges Erscheinungsbild in den Straßen Englands und rissen die Marke Fred Perry mit sich. Auch in Deutschland wurden diese Marke, sowie Ben Sherma und Lonsdale, zu neonazistisch belasteter Bekleidung in den 80er und 90er Jahren. Natürlich versuchte Fred Perry, diesem schlechten Image zu entkommen, sponserte die ursprüngliche Skinhead-Bewegung mit Reggea- und Ska-Konzerten, hatte damit aber nur bedingt Erfolg.