Die Mode der neunziger Jahre: Alles ist erlaubt!

In den neunziger Jahren verabschiedete man sich endgültig von einer einheitlichen Mode: Trends waren schnelllebig und widersprüchlich.


Schnullerketten, Plateauturnschuhe, Neonfarben, blaue Haarsträhnen: Denkt man an die Neunziger, so erinnert man sich zwangsläufig an kurzlebige Modetrends, die heute so mancher Frau die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte. Denn wer in den neunziger Jahren trendy sein wollte, musste so einige Scharmützel mitmachen. Viele Trends standen nebeneinander und widersprachen sich oft. Häufig waren sie durch Musikstile wie Grunge, Hip Hop oder Techno beeinflusst. Generell war die Mode aber bereits wie in den achtziger Jahren recht markenorientiert. 

Sexy Girliestil

  • Girlies wie Heike Makatsch, Blümchen oder Lucilectric prägten ab 1993 das Frauenbild. Bauchfreie Oberteile, Piercings, enge Jeans, kurze Kleider mit Blumenmotiven waren trendig. 
  • Und auch bodenlange Wickelröcke und Haarspangen mit Sonnenblumenmotiv gehörten für das Neunziger-Girlie einfach dazu. Gleichzeitig selbstbewusst und sexy zu sein, war Girlies wichtig – und das wollten sie auch über ihre Kleidung ausdrücken. 

Grunge: Wider dem Kommerz

  • Auch wenn die neunziger Jahre im Rückblick recht oberflächlich und fast ein wenig zu bunt wirken, gab es auch damals schon eine Gegenbewegung zum grellen Kommerz des Mainstreams. Grunge hatte seinen Ursprung im amerikanischen Seattle und verbreitete sich durch einflussreiche Bands wie Nirvana und Pearl Jam auch in Europa. 
  • Grunge, das übersetzt soviel wie Schmuddeligkeit bedeutet, war aber mehr als eine angesagte Musikrichtung. Perspektivlosigkeit und ein Widerwillen, sich der Leistungsgesellschaft anzupassen, prägte das Denken der Grunger. Typisch für die Mode dieses Stils waren zerrissene Jeans und karierte Flanellhemden, dazu entweder Doc Martens oder Converse-Turnschuhe. Schnell wurde der Grunge-Stil jedoch kommerzialisiert. 

Grelle Techno-Mode

  • Techno breitete sich von den Metropolen auch auf dem Land aus. Die Love-Parade zog Millionen Besucher aus der Provinz nach Berlin. Clubwear, mit der man zu Techno oder House tanzte, musste vor allem auffallen.
  • Plateauschuhe waren ebenso Pflicht wie Schnullerketten und Trillerpfeifen. Darüber hinaus dominierten grelle Neonfarben, Klebetattoos oder mit Reflektoren dekorierte Kleidung. 

Hip Hop: Streetstyle

  • Während es in der Technoszene vor allem bunt und flippig zuging, so war die Hip Hop-Kultur, die ab Mitte der Neunziger Einzug in Deutschland hielt, geprägt durch ein starkes Markenbewusstsein. Baggy Pants, weite T-Shirts, Kapuzenpullover, Baseball-Cap und Turnschuhe waren Pflicht. 
  • Allerdings musste die Marke stimmen, damit man als Träger Street Credibility ausstrahlte. Bereits nach einigen Jahren wurde die Streetwear auch von Leuten getragen, die nichts mit der Hip Hop-Szene zu tun hatten.