Die Muppets Weihnachtsgeschichte: Eine Filmkritik

„Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ ist eine sorgfältige und detailreiche Henson-Produktion mit einer gelungenen Mischung aus Späßen, Traurigkeit und Wehmut.


„Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ von 1992 basiert auf der bekannten Erzählung von Charles Dickens: Der reiche Geizhals und Weihnachtsverächter Scrooge findet zur Lebensfreude zurück, nachdem er in der Nacht vorher in drei Geistervisionen das schöne Weihnachten der Vergangenheit, das traurige der Gegenwart und seinen möglichen, baldigen, trostlosen Tod in der Zukunft miterleben muss. Gonzo erklärt sich dabei zu Charles Dickens und doziert seinem Begleiter Rizzo, der Ratte, die Grundlagen der Erzählkunst: Warum weiß er alles? Der Dichter ist allwissend. Warum sieht er durch Mauern? Der Dichter ist omnipräsent. Und warum darf man so schlimme Sachen zeigen? Weil es Kunst ist.

Lustig, traurig, menschlich
Rizzo, der tapfer ständige Stürze aus höchsten Höhen in den Schnee oder in Eiswasser wegsteckt, auch wenn er dabei zu Eis am Stiel gefriert, lockert mit diesen Slapstickeinlagen die traurigen Momente der Muppets Weihnachtsgeschichte auf, genauso wie die singenden Gemüse, die synchronsprechenden Miss Piggy-look-alike-Töchter und die katapultierten Ratten, die nach Ladenschluss die Rollos herunterziehen. Michael Caine spielt Scrooge unaufdringlich und nur ganz zu Anfang richtig böse. Dadurch wird gerade das Erwachen und Erwecken des Menschlichen in ihm glaubhaft. Es gibt keine dramatische Verdammung oder Abwertung, beispielsweise durch abstoßende Hässlichkeit, anders als später in Disneys Weihnachtsgeschichte. Caine bezeichnete seine Rolle als die für ihn selbst bedeutendste seiner Karriere.

Sorgfalt und Liebe in allen Details
Bei der Muppets Weihnachtsgeschichte fällt sofort auf, wie liebevoll und detailliert Drehbuch, Musik, Puppenverkleidungen, Licht und Atmosphäre ausgearbeitet sind. Fast jeder Muppet hat eine Rolle: Statler und Waldorf, die als Geister in Ketten erscheinen oder Animal mit einem wilden Schlagzeugsolo in der Weihnachtstanzkapelle. Selbst die kürzesten Gags sind aufwendig inszeniert, wie Kermits frierende Büromitarbeiter-Ratten, die in Hula-Mädchen-Kostümen „Island in the sun“ singen. Mindestens ebenso wichtig wie Scrooges Schicksal, ist den Zuschauern das des kleinen, kranken, dankbaren und genügsamen (Frosch-)Sohns von Miss Piggy und Kermit, den Cratchits. Wird einem beim Inhalt warm ums Herz, ändert sich auch das Licht: Es wird wärmer, gelblicher, Strahlen erscheinen, die Farben werden bunter und fröhlicher. Eine gelungene Jim Henson-Produktion, die erste nach seinem Tod einen unglaublichen Erfolg verbuchen konnte.