Die Mutter Tochter Beziehung besser verstehen

Am Anfang ist noch alles in Ordnung. Voller Bewunderung blicken wir zur Mama auf. Aber irgendwann ändert sich die Mutter Tochter Beziehung


Das Idealbild einer Mutter Tochter Beziehung sind die Serienfiguren Lorelai und Rory Gilmore, die beste Freundinnen, Vertraute und Seelenverwandte sind. Jedes Gefühl, jede Befindlichkeit, jedes Problem wird ausdiskutiert und vertrauensvoll gegenseitige Hilfe angeboten. Spannungen gibt es, wenn überhaupt, nur kurzzeitig. Diese Beziehung könnte man mit Harmonie pur überschreiben, aber so perfekt sie ist, so unrealistisch ist eine solche Verbindung in der Realität.

Wie die Mama werden
Die Beziehung zu der Frau, die uns unter Schmerzen auf die Welt gebracht hat, ist fast noch komplexer und schwieriger als die zwischen Tochter und Vater. Psychologen bezeichnen sie auch als Mutter aller Beziehungen.
Unsere Mutter ist unsere erste große Liebe. Als kleines Mädchen verehren wir sie, wollen so aussehen und sein wie sie. Wir ahmen ihre Verhaltensweisen nach, bedienen uns aus ihrem Kosmetikvorrat oder leihen uns Kleidung von ihr. Natürlich geht es auch darum, von der Mutter zurückgeliebt zu werden. Umso weniger andere Bezugspersonen es in der frühen Kindheit gibt, umso wahrscheinlicher sind Ähnlichkeiten zur Mutter. Verhalten in der Partnerschaft, der Umgang mit Autoritätspersonen oder der Wahl des Berufs – Mütter und Töchter sind sich später besonders ähnlich, wenn beispielsweise die Mutter alleinerziehend war.

Die weibliche Identität finden
Doch unsere Mutter ist nicht nur unser Vorbild, sondern auch Reibungspunkt. In Studien kam heraus, dass ein Großteil der Töchter nicht so werden möchte wie die Mutter. Und das auch, wenn die Mutter Tochter Beziehung sehr innig und liebevoll war. Für diese Angst kennt die Psychologie sogar einen Namen – Matrophobie bezeichnet die Furcht der Mutter zu ähnlich zu werden. Ab einem gewissen Punkt, spätestens in der Pubertät, müssen Töchter gegen ihre Mütter rebellieren, um zu einer eigenen Identität zu finden. Abgrenzung ist sehr wichtig, um seinen eigenen Platz im Leben zu finden. Regeln und Grenzen werden bewusst missachtet, der Ausbruch ist meist heftig.

Der Elektrakomplex: Spannungen zwischen Mama und Tochter
Gegenüber diesen Konflikten, die ein völlig normaler Bestandteil der Entwicklung der Tochter sind, gibt es aber auch schwerwiegendere Probleme. Ein interessantes Phänomen ist der sogenannte Elektrakomplex, angelehnt an den Ödipuskomplex. Er wurde von Freuds Schüler Jung weitergeführt und bezeichnet die übermäßig starke Bindung der Tochter zum Vater. Die Mutter wird zur Konkurrentin in der Liebe des Vaters. In der griechischen Mythologie geht das sogar soweit, dass Elektra – die Tochter des Agamemnon – den Mord an der Mutter plant, um den getöteten Vater zu rächen.

Mutter will nur das Beste
Nur wenige Töchter haben ein ungetrübtes und inniges Verhältnis zur Mutter. Oft schwelen unausgetragene Konflikte unter der Oberfläche, die selbst ein Telefongespräch oder einen Besuch in einen heftigen Streit enden lassen. Die Mutter versteht mich nicht, mischt sich in mein Leben ein oder hat mir nie Unterstützung zukommen lassen, die ich gebraucht hätte – das sind die häufigsten Vorwürfe der Töchter. Mütter hingegen verteidigen sich, dass sie nur das Beste für Ihren Schatz wollen.