Die Nordsee: Watt und Mee(h)r

Auf Tausenden von Quadratkilometern bildet das Nordsee Watt einen durchgängigen und vor allem wertvollen Lebensraum für Kleinlebewesen und Wasservögel, den es zu schützen gilt.


Nordsee und Watt gehören untrennbar zusammen. Das besonders in der Deutschen Bucht ausgeprägte Wattenmeer geht auf die Nacheiszeit zurück. Sand und Schlick in metertiefen Lagen formten sich zu einem einzigartigen Sedimentkörper, der seinen Lebensatem durch den Rhythmus der Gezeiten erhält. Die Ebbe, die das küstennahe Wasser zurück ins Meer zieht, gibt den Blick frei auf eine trockene Wüste, die landeinwärts in Salzwiesen, Strand und Marschland ausläuft. Scheinbar leblos, enthüllt dieser Lebensraum beim zweiten Blick eine schier unübersehbare Einwohnerzahl aus mikroskopisch kleinsten Wesen wie Algen, Krebsen, Schnecken, Muscheln und Würmern, die sich bei Ebbe nicht wie die größeren Meeresbewohner ins tiefere Wasser zurückziehen, sondern sich im Schlamm vergraben.

Nordsee Watt – ein hochaktiver Lebensraum
Seine biologische Produktivität macht das Nordsee Watt sowohl für durchziehende Watt- und Wasservögel als auch für Nordseefische und -heringe in ihren ersten Lebensmonaten besonders attraktiv. Für den Menschen hat das Watt vielfältige Bedeutung. Im Watt wird die Natur in ihren natürlichen Lebensfunktionen bewahrt, noch stehen die ungehindert wirkenden Naturgesetze einer ausufernden Ausnutzung dieser Naturflächen durch den Mensch entgegen. Ein Raubbau wie er an anderen Stellen der Nordsee durch Energiegewinnung oder Schifffahrt und dem damit verbundenen Schadstoffeintrag bereits weit fortgeschritten ist, findet hier nicht statt.

Führungen durch das Watt – ein Erlebnis, das lange nachwirkt
Umso mehr engagieren sich die Nordseeanrainer für Instandhaltung und Erhalt von Nordsee und Watt zum Beispiel durch die Errichtung und Pflege ihrer Naturparks, obwohl gegensätzliche Interessen von Naturschutz und Tourismus, Küstenschutz und Fischereiwirtschaft die Arbeit nicht leicht gestalten. Besucher der Nordseeküste sollten daher keinesfalls versäumen, sich selbst einmal ein Bild von der Vielfältigkeit und Einzigartigkeit dieses Naturraumes zu machen, sei es bei einer ausführlichen Wattführung oder bei einer küstennahen Kutterfahrt.

Gezeitenwechsel und Wettergott gut beobachten
Allein sollte man sich nicht zu weit ins Watt begeben. Wattführungen in Gruppen werden ausschließlich von amtlich zertifizierten Wattführern durchgeführt, die ihre Sachkunde und ihr Verantwortungsbewusstsein bereits unter Beweis gestellt haben. Sicherheit geht vor – die Gezeiten können für den unerfahrenen Wattgänger tückisch werden. Wattführer kennen die unterschiedlichen Wattformen, Sand-, Schlick- und Mischwatt, Sandbänke und Anlandungen sowie die Schwankungen des Wetters genau. Sicher geführt kann sich der Besucher den Schönheiten des Naturschauspiels "Nordsee und Watt" gänzlich widmen.