Die Spanische Grippe - mysteriöses Massensterben

Zwischen 1918 und 1920 forderte die weltweit wütende Spanische Grippe 25 bis 70 Millionen Todesopfer. Heutzutage weiße man, dass diese verheerende Pandemie ihren Ursprung in den USA fand.


Unmittelbar nach dem Schrecken des Ersten Weltkriegs, in dem etwa 17 Millionen Menschen ums Leben kamen, suchte in den Jahren zwischen 1918 und 1920 eine zweite globale Todeswelle die Menschheit heim. Von dieser „Spanische Grippe“ genannten Influenza-Pandemie waren wahrscheinlich mindestens 500 Millionen Menschen, der damals etwa 1,5 Milliarden Menschen zählenden Weltbevölkerung, betroffen.

Charakterisierung der Spanischen Grippe
Die Spanische Grippe stellte eine besonders aggressive Ausformung, der seit den 30er Jahren als „Schweinegrippe“ bezeichneten, durch das Virus A/H1N1 verbreiteten Influenza-Variante dar. Erkrankte Menschen hatten einige Tage nach der Ansteckung erste Symptome, wie von hohem Fieber begleitete Hals- und Kopfschmerzen sowie Verfärbungen der Haut. In den meisten Fällen klangen die Schmerz- und Fieberzustände nach wenigen Tagen wieder ab. Allerdings erholten sich die durchweg äußerst geschwächten Patienten in der Regel nur sehr langsam und es konnten bis zur vollständigen Genesung Monate vergehen. In vielen Fällen aber trat keine Besserung ein und die Spanische Grippe nahm einen tödlichen Verlauf. Es wird heute von einer Mortalitätsrate von 5 bis 20 % ausgegangen. Die meisten Todesfälle traten als Folge von grippal ausgelösten Lungenentzündungen und -blutungen auf. Merkwürdigerweise waren die meisten der Todesopfer zwischen 20 und 40 Jahren alt. Todesfälle, in den typischerweise bei Massenerkrankungen von Mortalität eher betroffenen jüngeren und älteren Altersgruppen, waren dagegen relativ gering.

Ursprungsland USA und nicht Spanien
Im Frühsommer 1918 wurde Spanien von einer ersten, vergleichsweise harmlos verlaufenden Grippewelle erfasst. Die meisten Experten unterschätzten zunächst die Gefährlichkeit dieser nach dem Land ihres ersten Massenauftretens benannten Grippe. Ursprungsort der Epidemie war aber höchstwahrscheinlich nicht die iberische Halbinsel, sondern ein Armeelager in Kansas. A/H1N1-infizierte US-Soldaten, die wenig später im Rahmen eines Truppenbesuchs nach Spanien kamen, haben mit ziemlicher Sicherheit den Virus nach Europa eingeschleppt. Von dort aus breitete sich die hochgefährliche Grippe, der die damalige medizinische Fachwelt nahezu hilflos gegenüber stand, in zwei Hauptwellen im Herbst 1918 und im Frühjahr 1919 über Europa und den restlichen Globus aus. 1920 klang die Spanische Grippe ab und verschwand schließlich ganz. Erst Jahre später konnten Forscher ihre Ursache abschließend erklären.