Die Hauptindikation sind Erkrankungen, die mit T-lymphozytären sekundären Immundefizienzen gekennzeichnet sind. Da sekundäre T-lymphozytäre Immundefizienzen mit dem Lebensalter ab 45 Jahren zunehmend bei zahlreichen chronischen und malignen Krankheiten nachgewiesen werden, können zahlreiche Erkrankungen günstig mit Thymusextrakt-Präparaten behandelt werden.
Wirkung
Thymusextrakte regen im Knochenmark die Bildung von Abwehrzellen an und regulieren die Aktivitäten der peripheren Thymus-Lymphozyten-Subpopulationen; sie aktivieren die körpereigene Produktion von Interleukin-2, Interferon gamma und von Kolonie-stimulierenden Faktoren (CSF). Der IL-2-Spiegel steigt nach Verabfolgungen von Thymusextrakten um das Siebenfache an, die Interferon-gamma-Spiegel werden verdreifacht. Thymusextrakte aktivieren die T-zytotoxischen Lymphozyten, natürlichen Killerzellen (NKZ), neutrophilen Granulozyten (PNG) und Monozyten-Makrophagen. Verbesserungen der Phagozytose und der Impfreaktionen (z.B. nach Hepatitis-B-, Influenza-Impfungen) sind messbar.
Thymusextrakte regulieren die Balance zwischen TH1, und TH2-Lymphozyten mit Veränderungen der Zytokin-Produktionen in den Thymus-Lymphozyten-Subpopulationen. Der US-amerikanische Immunologe T.D. LUCKEY konstatierte, dass sich die Beschaffenheit der T-Lyymphozyten-Rezeptoren je nach Erfordernis und Notwendigkeit unter dem Einfluss von Thymuspeptiden modulierend verändert. Dadurch bleibt die Balance zwischen der Toleranz gegenüber körpereigenem Gewebe und der Förderung der Beseitigung von Erregern und Schädlichkeiten gewahrt.
Die Schutzwirkung bei intensivmedizinischen Maßnahmen, chirurgischen Eingriffen und Strahleneinflüssen sowie die restituierenden Einwirkungen auf das Knochenmark nach Chemotherapie werden in den wissenschaftlichen Berichten gleichlaufend mit positiven Bemerkungen über geringe Nebenwirkungs-Quoten und Verbesserungen der Lebensqualität hervorgehoben.
Thymusextrakt-Injektionen werden mit Maßnahmen der integrativen Medizin begleitet. Thymusextrakt-Peptide wurden von dem Immunologen A. L. Goldstein) als Goldmoleküle der Immunabwehr bezeichnet, jedoch können sie nur dann zur vollen Wirkung gelangen, wenn der Organismus mit allen notwendigen Lebensstoffen ausgerüstet ist. Ohne optimale Versorgung mit ausreichender protein-kalorischer Ernährung, Mineral- und Spurenstoffen (Zink, Selen und Magnesium-Kalzium) sowie Vitaminen und anderen Maßnahmen der bewährten integrativen Medizin bleiben Versuche, die geschwächte Immunabwehr zu fördern, weniger erfolgreich.
Therapieplanung für Thymusextrakt-Injektions-Serien
Die Hauptaufgabe der Thymusextrakte ist die Widerherstellung der Fähigkeit des Organismus, adäquat auf immunogene Reize mit einer gesteuerten zellulären und humoralen Immunantwort zu reagieren.. Die Immunantworten sollen weder übertrieben heftig, noch unzureichend schwach ausfallen. Thymusextrakt-Injektionen wirken bei regelmäßig wiederholter Anwendung deutlich regulierend-modulierend auf das gesamte Immunabwehr-System ein. Die praktischen und klinischen Erfahrungen zeigen seit vielen Jahrzehnten, dass anfangs häufigere Injektionen in kürzeren zeitlichen Abständen erfolgen sollten, um das Immunsystem entsprechend einzuregulieren. Je nach individuell unterschiedlichen Reaktionen können die Thymusextrakt-Injektionen dann auseinandergezogen werden. Die Dauertherapie richtet sich einerseits nach dem Befinden der Patienten und andererseits nach den Ergebnissen der funktionellen Labortests.
Thymusextrakt-Injektionen sind besonders bei subkutaner Applikation sehr gut verträglich. Injektionen verursachen sehr selten blande allergische Reaktionen, denn Thymuspeptide helfen dabei, allergische Reaktionen zu verhindern. Ein bewährtes Therapieschema ist die dreimalige Gabe pro Woche bis zum Erreichen von 20 Injektionen. Danach wird nach Klinik und Laborbefunde die weitere Dauergabe festgelegt.
Für die Inhalte dieses Artikels ist der Verfasser Dr. med. Torsten-U. Niecke verantwortlich.