Donauschwaben: Eine geschichtsträchtige Region

Von der „Kornkammer der Donaumonarchie“ zu Elend und Vertreibung: Die eindrucksvolle Geschichte einer Volksgruppe aus dem östlichen Europa.


Als im Jahre 1683 das osmanische Heer am Kahlenberg bei Wien erfolgreich geschlagen und zurückgedrängt werden konnte, begann eine neue Epoche in der europäischen Geschichte. Denn unter der kaiserlichen österreichisch-ungarischen Regierung entstand der Plan, das durch die lange Türkenherrschaft weithin verödete Gebiet um die mittlere Donau neu zu besiedeln.

Die ersten Donauschwaben

  • Die ersten Siedler der damaligen ungarischen Region stammten überwiegend aus dem südwestlichen Deutschland. Obwohl sie vorwiegend aus Rheinpfalz, Elsass, Lothringen, Baden oder Württemberg kamen und sich unter ihnen auch österreichische sowie böhmische Bergleute befanden, wurden sie allgemein als „Schwaben“ bezeichnet.
  • Erst nach dem Ersten Weltkrieg bürgerte sich dann der Name Donauschwaben für die Siedler ein. Ihnen gelang es, die häufig versumpften und vernachlässigten Landstriche im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts in eine fruchtbare und ertragreiche Kulturlandschaft zu verwandeln.

Schwere Zeiten durch Kriege und neue Staatsgrenzen

  • Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurde das Siedlungsgebiet der Donauschwaben durch die Neuaufteilung von Staatsgebieten auseinandergerissen und auf drei Länder verteilt. Dabei blieb nur ein Drittel bei Ungarn und der Rest wurde Rumänien und Jugoslawien zugesprochen. Doch viele der vor allem dörflichen Gemeinden von Donauschwaben blieben sowohl ihrer Sprache, der Kultur und ihrem ursprünglichen Glauben treu.
  • Durch den Zweiten Weltkrieg begann eine schwere Leidenszeit, deren Spuren bis heute nicht vollständig getilgt werden konnten. So wurden mit dem Beginn des Krieges Männer in die jeweiligen nationalen, aber auch in deutsche Wehrverbände eingezogen. Ab 1944 begann Stalin mit einer weitgreifenden Zwangsdeportation von Donauschwaben in sowjetische Arbeitsheere. Die rumänische Regierung entzog den Siedlern praktisch alle staatsbürgerlichen Rechte und beschlagnahmte ihr Vermögen, auch in Ungarn und Jugoslawien wartete ein ähnliches Schicksal auf sie.
  • Viele der Menschen wurden getötet, in Arbeitslager verschleppt oder als Gefangene zwangsinterniert. Die meisten Donauschwaben versuchten ihrer verzweifelten Lage zu entkommen und flohen nach Deutschland oder Österreich, um sich dort niederzulassen und eine neue Heimat zu finden. Erst ab Mitte der 1980er Jahre gelang es den in den ursprünglichen Gebieten verbliebenen Donauschwaben, allmählich ihre Rechte auf die eigene Identität und Kultur wieder geltend machen zu können und anerkannt zu werden.