Dreißiger Jahre: Mode zurück zur Weiblichkeit

Nach den zwanziger Jahren, die durch einen androgynen Stil geprägt waren, wurde die Mode in den dreißiger Jahren wieder deutlich weiblicher.


Die dreißiger Jahre kommen wieder, und das mit Recht. Der Retrotrend überzeugt durch weibliche Linien und edle Eleganz. Die Rocklänge war jedoch in diesem Jahrzehnt einigen Veränderungen ausgesetzt.

Stilvorbild Marlene Dietrich

  • Die Mode zum Beginn des Jahrzehnts ist noch stark geprägt vom androgynen Stil Marlene Dietrichs, die sowohl den Hosenanzug für Damen wie die nach ihr benannte Marlenehose populär machte. Auch die sehr schmal gezupften Augenbrauen machten ihr viele Frauen nach. 
  • Theorien besagen, dass insbesondere in Krisenzeiten eher männlich wirkende Frauen anziehend wirken, was die Beliebtheit der Dietrich erklärt. Und geschüttelt von Krisen waren die dreißiger Jahre ungemein. Die Weltwirtschaftskrise 1929 sorgte allein in Deutschland für sechs Millionen Arbeitslose. Die schlechte Wirtschaftslage begünstigte den Aufstieg der Nationalsozialisten ab 1933. Im Jahr 1939 brach schließlich der Zweite Weltkrieg aus. 

Die Abhängigkeit der Rocklänge von der Wirtschaftslage 

  • Laut dem Hemline-Index, auch Saumhöhenindex genannt und von George Taylor im Jahre 1920 entwickelt, gibt es eine Verbindung zwischen der Saumhöhe und der Wirtschaftslage: Geht es den Leuten wirtschaftlich gut, tragen Frauen Miniröcke, in düsteren Zeiten dagegen eher lange Röcke. Taylor erklärte das damit, das in wirtschaftlich prosperierenden Zeiten Frauen gern Geld für Nylonstrümpfe ausgeben, in schlechteren Zeiten dagegen nicht. Blickt man auf die dreißiger Jahre zurück, scheint sich Taylors These zu bestätigen. Die Röcke wurden nämlich wieder deutlich länger, insbesondere die Abendkleider trug man nun knöchellang. 
  • Insgesamt wurde der Stil Mitte der dreißiger Jahre deutlich weiblicher und damenhafter. Die Taille wanderte wieder an die übliche Stelle. Die Frauen nahmen von der androgynen Mode der zwanziger Jahre Abstand und wollten stattdessen wieder mehr ihre weiblichen Kurven betonen. Die Damenkleidung war oft enggeschnitten und fiel fließend am Körper entlang. Die Taille wurde mit einem Gürtel betont, durch sehr schmal geschnittene Röcke und eine hohe Taille wurden die Beine lang geschummelt. Während die damalige Abendkleidung in schwarzweiß gehalten war, ging es tagsüber deutlich bunter zu.

Kostüm, Hosenrock und Bolero

  • Typisch für die Mode der dreißiger Jahre ist das Kostüm. Der Rock ist möglichst schmal geschnitten, reicht etwa bis zur Wade und ist tailliert. Der lange Godet-Rock ist ebenfalls eine Erfindung der Dreißiger. Er fällt in Wellen und hat einen eher glockigen Schnitt. 
  • Auch das lange, schmal geschnittene Prinzess-Kleid ist repräsentativ für die dreißiger Jahre. Boleros kamen ebenso das erste Mal in den Dreißigern auf. Dem Wunsch nach zweckmäßiger, aber doch jugendlicher Kleidung wurde beispielsweise mit dem Hosenrock nachgekommen. Typische Stoffe, insbesondere für die Abendmode, sind Satin, Seide und Chiffon.

Auch heute en vogue

  • Wer sich für den Stil der dreißiger Jahre interessiert, kann sich neben Marlene Dietrich auch an den Schauspielerinnen Greta Garbo, Katherine Hepburn und Ginger Rogers orientieren. Modern umgesetzt wird er beispielsweise von der Burlesquetänzerin Dita von Teese. 
  • Die Haare werden möglichst halblang und als Wasserwelle getragen. Ein Revival erlebt derzeit übrigens die weitgeschnittene Marlenehose, die schlicht, aber doch elegant wirkt.