Einfach losknipsen: Lomografie

Ein Bild wirkt wie ein experimenteller Schnappschuss? Dann handelt es sich wahrscheinlich um Lomografie.


Die Lomografie bezeichnet eine eigene Stilrichtung innerhalb der Fotografie, die deutlich experimenteller als die klassische Fotografie ist. Der Begriff leitet sich aus dem offiziellen Namen der Kleinbildkamera „LOMO Compact Automat“ (LC-A) der russischen Firma Lomo ab, die von „echten“ Lomografen als das einzige wahre Modell zu Lomografie angesehen wird. 

Das Original: Zwischen Kunst und Kult

  • Die Lomo-Kameras waren die einzigen Sucherkameras mit Innenlichtmessung in den Ostblockländern. Durch oft schlechte Bildqualität und Unzuverlässigkeit waren sie in den Staaten des Ostblocks wenig beliebt. Doch immer mehr Hobbyfotografen in Westeuropa entdeckten die Kamera aus Russland und wagten mit ihnen spezielle Schnappschüsse ohne Planung des Motivs. Die Devise lautete dabei: Einfach abdrücken. Die Art des Fotografierens ist gar so experimentell, dass viele auf Hüftschüsse vertrauen, die Kamera dabei also auf Hüfthöhe halten und dann einfach abdrücken. 
  • Heute ist die Lomografie eine eigenständige Kunstform. Ihren Ursprung hat sie in Wien, wo Studenten Anfang der neunziger Jahre ganze Ausstellungen auf einfachen Stellwänden organisierten, um ihre Bilder zu präsentieren. Heute ist die Kamera Kult: Es haben sich sogar verschiedene lomografische Gesellschaften und Botschaften gebildet, Deutschland hat ebenfalls seine eigene Botschaft. 
  • Fans der Lomografie nehmen ihr Hobby sogar so ernst, dass sie zehn goldene Regeln aufgestellt haben, die unter anderem besagen, dass man seine Lomo überall mit hinnehmen muss, sie tagsüber und nachts nutzen muss, den Sucher so gut wie nie benutzen sollte und die Objekte so nah wie möglich vor die Linse bringen sollte. Auch sollte man schnell sein, nicht nachdenken, sondern einfach abdrücken, und schließlich – sich um keine Regeln scheren.

Die Lomo-Kamera: Ein Erfolgsmodell

  • Zwar ist die Kamera vom technischen Standard her veraltet, findet aber heute immer noch genügend Käufer und wird daher weiterhin hergestellt. Mittlerweile ist die Kamera sogar weiterentwickelt worden, sodass es bereits Exemplare mit Vierfach- und sogar Neunfachsuchern gibt. Das heißt, dass diese Kameras vier, beziehungsweise neun, Bilder in einer Sekunde schießen, die dann alle auf einem Foto erscheinen. 
  • Theoretisch kann Lomografie mit jeder Kamera betrieben werden. Wer dieses Hobby jedoch mit Leidenschaft betreibt, wünscht sich selbstverständlich eine echte Lomo-Kamera, die mit einer 32 Millimeter-Weitwinkeloptik ausgerüstet ist.
  • Das Besondere am Original sind die ungewöhnlichen Perspektiven und die sehr langen Belichtungszeiten. Dadurch sind die Bilder meist sehr bunt und verwackelt, so entsteht schnell eine andere Sicht auf die Dinge. Eine originale Lomo-Kamera mit den vier Objektiven gibt es schon ab dreißig Euro, den Klassiker für etwa 200 Euro.