Einheitskurs: Der gerechnete Börsenpreis

Gegen Mittag schlägt für die Wertpapiere des nicht variablen Handels die Stunde der Wahrheit in Form des Einheitskurses.


Jeden Tag fasst ein Kursmakler in der Mittagszeit an der deutschen Börse alle vorliegenden Aufträge für Wertpapiere des nicht variablen Handels zusammen und errechnet daraus den Einheitskurs. Dieser, so die Auflage, soll dem bestmöglichen Marktausgleich entsprechen. Dies bedeutet faktisch: Der ermittelte Wert soll den höchstmöglichen Umsatz garantieren. Ein Marktausgleich kommt dann zustande, wenn Kaufaufträge, die zum errechneten Wert oder höher limitiert sind, ebenso ausgeführt werden können, wie Verkaufsaufträge, die zum Einheitskurs oder geringer limitiert sind.

Wann gehört ein Wertpapier zum variablen Handel?
Der Einheitskurs betrifft in der Regel die Wertpapiere des nicht variablen Handels. Papiere des variablen Handels werden fortlaufend notiert und unterliegen einer stetigen Kursveränderung (errechnet über jeden zustande gekommenen Umsatz) bis zum Handelsschluss. Wertpapiere werden dann nicht zum variablen Handel zugelassen, wenn ihr Volumen zu gering ist. Diese Papiere werden meist aufgrund mangelnder Liquidität nicht fortlaufend notiert.

Wie wird der Einheitskurs genau berechnet?
In die Berechnung fließen alle Aufträge mit ein, die nicht dem Börsenschluss (der Mindeststückgröße im variablen Handel) beziehungsweise dessen Vielfachem entsprechen. Der auf diese Weise ermittelte Wert wird als amtlicher Kassakurs bezeichnet. Unter Kassageschäften versteht man die Geschäfte, die sofort oder zeitnah (kurzfristig) nach Abschluss erfüllt werden müssen. Ihr Widerpart sind die Termingeschäfte.

Der Zweck des Kassakurses
Hintergrund dieser Berechnungen ist der Wunsch, auf einfache Weise alle Wertpapiere sammeln und handeln zu können, die in zu kleiner Stückzahl vorhanden sind, um auf dem variablen Markt zugelassen zu werden. In früheren Tagen wurden auch Wertpapiere dieses Marktes mit dem Einheitskurs gehandelt. Dies war dann der Fall, wenn vorliegende Aufträge auf dem variablen Markt aufgrund eines fehlenden Geschäftspartners bis zur Berechnung des Kassakurses nicht ausgeführt werden konnten. Seit Juni 1999 spielt dieser Kurs allerdings so gut wie keine Rolle mehr im variablen Handel der deutschen Börse. Damals wurde die Mindestschlussgröße Eins eingeführt. Dies bedeutet, von diesem Tag an konnte auch ein einziges Papier auf dem variablen Markt gehandelt werden, was es den Maklern deutlich erleichterte, einen Geschäftspartner zu finden. Der Einheitskurs richtet sich deshalb vornehmlich an die Papiere mit kleinem Volumen.