Gewalt gegen Kinder hat viele Ursachen. Gerade im Säuglingsalter überträgt sich Gewalt, die ihre Wurzeln in sozialen Umständen wie Not, Mangel und Armut haben kann, sehr schnell auf das heranwachsende Kind. Damit sind sowohl Kleinkinder als auch Säuglinge von den unmittelbaren Folgen von Gewalt direkt betroffen. Es entsteht ein Risikofaktor für das spätere Leben, der in keinster Weise zu unterschätzen ist.
Kinder und Säuglinge, die sehr früh mit Gewalt konfrontiert wurden, können emotionale Defizite in ihrer weiteren Persönlichkeitsentwicklung erleiden. Damit hat die Gewalt einen erheblichen Einfluss auf die körperliche, kognitive und emotionale Entwicklung des Kleinkindes. Sie ist damit als existenziell bedrohlich einzustufen. Besonders dann, wenn die Gewalt von einer nahestehenden Person, einem Familienangehörigen oder sogar Vater oder Mutter vollzogen wird. Dann ist es auch ganz schwierig für das Kind an therapeutische Maßnahmen heranzukommen.
Aggression kann in einem Betrachter früher entstehen als im Individuum selbst. Damit ist gemeint, dass ein erwachsener Mensch beim Anschauen eines Babys aggressive Gefühle bei sich selbst spüren kann, ohne dass der Säugling aggressives Verhalten, zum Beispiel durch Schreien geäußert hätte. Ab dem 6.bis 8. Lebensmonat verändert sich das sogenannte "Ich bin bei Dir Ich"-Gefühl in eine "ich bin ich und bin unabhängig von Dir"-Einstellung. Die Individuation des heranwachsenden Säuglings erfolgt. Diese Erkenntnis wird vom Kind als Triumph empfunden und es genießt die Liebe und Anerkennung, die ihm die Mutter dafür vermittelt. Danach erfolgt aber sehr schnell die Phase der Erkenntnis, dass dem expandierendem kindlichen „Ich“ auch ein deutlich elterliches „Du“ gegenübersteht.
Das Kind lernt, im Gesichtsausdruck der Mutter zu lesen, welches Verhalten als richtig und als falsch zu werten ist. Echte Wut oder ein humorvolles Schmunzeln in dieser Phase ist ein unterschiedlich häufig vorgelebtes Gefühl der Betreuungsperson, wenn das Kind die ihm gesetzten Grenzen von Raum und Zeit nicht anerkennt.
Erfolgen in diesen sensiblen Lernprozessen des Säuglings schon Eingriffe von äußerlicher Gewalt, hat dies enorme Auswirkungen auf das spätere Leben. Jede Entwicklungsphase des Kindes hat daher direkten Einfluss auf die Entwicklung des Kindes und ausgeübte Gewalt kann daher eine Aggression und Gegengewalt vonseiten des Kindes, die sich in massiven Schreien, geballten Fäusten oder sonstigen aggressiven Reaktionen äußern kann.
Gewalt gegen Kinder ist daher in keiner Weise tolerabel, da sie direkte Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes hat und Störungen hervorrufen kann.