Epiduralhämatom und Subduralhämatom

Blutergüsse sind prinzipielle völlig ungefährlich. Es sei denn, sie liegen unsichtbar hinter der Schädeldecke. Man unterscheidet zwei gefährliche Hämatome: Epiduralhämatom und Subduralhämatom.


Hämatome liegen, da sie meist durch äußere Einwirkungen entstehen, oft dicht unter der Haut und können so früh entdeckt werden. In der Regel sind solche Blutgerinnsel harmlos und bilden sich ohne ärztliche Hilfe zurück. Wesentlich gefährlicher können Hämatome sein, die, aufgrund ihrer Lage, nicht sofort erkennbar sind. Das betrifft zum Beispiel Blutgerinnsel oder Blutergüsse, die hinter dem Schädelknochen liegen.

 

Solche Hämatome sind keine Seltenheit, da sie durch Stöße an den Kopf ausgelöst werden können, wie sie, in einigen Freizeitsportarten und auch im alltäglichen Leben, häufig vorkommen. Solche Stöße können leichte Blutungen der, unter dem Gehirnschädel liegenden, Zellen auslösen. Auch diese Blutergüsse heilen in der Regel schnell ab und verschwinden gänzlich, nachdem der Körper das Blutgerinnsel vollständig zersetzt und abgetragen hat. Deshalb bleiben sie sehr oft unentdeckt. Hämatome im Bereich der Hirnhäute werden meistens erst erkannt, wenn sie Druck auf das Gehirn ausüben und Schmerzen verursachen. Bei den Blutergüssen, die sich zwischen dem Schädelknochen und dem Gehirn befinden, unterscheidet man in der Medizin zwei verschiedene Arten: das Subduralhämatom und das Epiduralhämatom.

 

Subduralhämatom
Als Subduralhämatom (SDH) wird eine Blutansammlung unter der äußeren Hirnhaut bezeichnet. Sub bedeutet unterhalb und die Dura ist die äußere der drei Hirnhäute. Ein SDH befindet sich also zwischen der harten äußeren Hirnhaut und der Oberfläche des Gehirns. Es entsteht meistens durch Kopfverletzungen, bei denen die Brückenvenen gezogen oder gestaucht werden. Brückenvenen sind dünne Venen, die zwischen der Dura und der Oberfläche des Gehirns verlaufen. Bei älteren Menschen kann sich auch ohne Einwirkung von außen ein subdurales Hämatom bilden. Wenn im Alter die Gehirnmasse schrumpft, werden die kleinen Venen gestreckt und können Risse bekommen, aus denen Blut austritt. Ein Subduralhämatom kann, wegen der Empfindlichkeit der Brückenvenen, besonders im hohen Alter, bereits bei kleinsten Erschütterungen entstehen. Auch Alkoholiker und Benutzer von Blut verdünnenden Medikamenten sind gefährdet.

Behandlung des SDH
Bei einem Verdacht auf ein Subduralhämatom ist eine komplexe neurologische Analyse erforderlich, die auch Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen mit einschließt. Wird ein kleines SDH gefunden, so reicht es meistens aus, es weiter sorgfältig zu beobachten, bis es sich durch die körpereigenen Heilungskräfte von selbst zurückbildet. Handelt es sich um ein großes subdurales Hämatom, so muss es in der Regel operativ entfernt werden. Dabei wird der Schädel geöffnet. Danach öffnet der Chirurg die äußere Hirnhaut und entfernt das Subduralhämatom durch Ansaugen oder Ausspülen. Außerdem wird die Ursache des Hämatoms noch einmal untersucht, um zu verhindern, dass sich durch eventuell noch bestehende Risse in einer Brückenvene wieder ein neues SDH bildet. Der Patient wird nach der Operation weiter beobachtet, bis ein Auftreten eines neuen SDH ausgeschlossen werden kann.

Epiduralhämatom
Ein Epiduralhämatom (EDH) ist eine Blutansammlung über der äußeren Hirnhaut. Die griechische Vorsilbe Epi bedeutet darüber. Ein Hämatom wird als EDH bezeichnet, wenn es sich zwischen dem Schädelknochen und der harten äußeren Hirnhaut (Dura) befindet. Ein epidurales Hämatom entsteht meistens durch ein Schädeltrauma mit einer Arterienverletzung. Wegen des hohen Blutverlustes und der schnellen Ansammlung großer Blutmengen in dem Raum zwischen Schädelknochen und Hirnhaut, ist ein EDH sehr gefährlich. Oft fallen Patienten mit einer solchen Verletzung ins Koma. Für 15 bis 20 Prozent der Betroffenen endet ein Epiduralhämatom mit dem Tod.

Behandlung des EDH
Bei einem Verdacht auf ein Epiduralhämatom erfolgen eine Reihe neurologischer und diagnostischer Untersuchungen. Beispielsweise wird ein EKG erstellt und eine Computertomografie vorgenommen. Bei einem kleinen EDH ist meistens nur eine sorgfältige Beobachtung notwendig, weil es sich in der Regel von selbst zurückbildet. Ein größeres epidurales Hämatom muss chirurgisch entfernt werden, um den Patienten vom Druck des EDH auf das Gehirn zu entlasten. Dazu wird der Schädelknochen entweder geöffnet, oder ein Loch hinein gebohrt. Dann kann das Epiduralhämatom, das sich unmittelbar unter dem Schädelknochen befindet, durch Ansaugen ausgeräumt werden.

Wie gefährlich sind EDH und SDH wirklich?
Blutungen in den Zwischenraum von Schädelknochen und Gehirnoberfläche können gefährliche Folgen haben. Der Druck der Hämatome auf das Gehirn kann Antriebslosigkeit, Bewusstlosigkeit und, in selteneren Fällen, epileptische Anfälle verursachen. Große Schädelhämatome können sogar zum Tod führen. Ein subdurales Hämatom kann schon durch kleinste Verletzungen verursacht werden. Weil es sich dabei meist um Venenverletzungen handelt, verliert der Patient weniger Blut, als bei einem Epiduralhämatom. Bei diesem ist in der Regel eine Arterie verletzt. Das schneller fließende arterielle Blut, tritt bei Verletzungen in größeren Mengen aus. Deshalb ist die Gefahr, ins Koma zu fallen, für Patienten mit einem Epiduralhämatom statistisch etwas höher als für Patienten mit einem subduralen Hämatom. Durch den hohen Blutverlust bei epiduralen Verletzungen ist ein Epiduralhämatom oft noch gefährlicher als das näher am Gehirn liegende Subduralhämatom. Eine subdurale Verletzung, durch die sich ein Hämatom gebildet hat, wird oft erst nach Tagen bemerkt. Das langsam austretende Blut übt nicht so schnell Druck auf das Gehirn aus.

Wann muss der Arzt aufgesucht werden?
Dafür, dass sich ein Hämatom hinter dem Schädelknochen befindet, können ständige Übelkeit, Bewusstlosigkeit, Blutarmut, Verwirrtheit oder fehlendes Orientierungsvermögen symptomatisch sein. Bei Auftreten mehrerer dieser Anzeichen kann ein subdurales oder epidurales Hämatom vorliegen. Deshalb sollte man sich sofort in ärztliche Behandlung begeben.