Essstörungen: Ursachen können Familienprobleme sein

Immer mehr junge Maedchen leiden an Essstörungen, Ursachen dafür sind immer häufiger Familienprobleme. Die Mädchen stehen unter einem enormen Erfolgsdruck der Eltern.


Wenn wir über Essstörungen reden, sollten wird nicht außer acht lassen, dass die Ursachen auch in Familienproblemen liegen können. Junge Mädchen stehen oft unter einem Erfolgsdruck, der ihnen von den Eltern suggeriert wird. Sie fühlen sich überfordert und können mit dem Druck nicht umgehen. Um ein Teilgebiet ihres Lebens in den Griff zu bekommen, versuchen sie ihr Essverhalten beziehungsweise ihren Körper zu kontrollieren. Das wiederum führt zu Essstörungen, Ursachen für diese Erkrankungen sind im Familientyp der Betroffenen zu finden.

Einfluss des Familientyps

Es ist beobachtet worden, dass Mädchen aus einem sehr einheitlichen Familientyp besonders oft an Magersucht leiden. Häufig ist der Vater autoritär und erwartet von seinen Kindern ein tadelloses Benehmen sowie gute schulische Leistungen. Er ist berufstätig, sodass er selten zu Hause ist. Die Entwicklung einer Individualität wird in den Familien nicht gefördert, eine Ablösung von den Eltern wird als Verrat an der Familie gesehen. So bleibt den Betroffenen nur eine stille Rebellion, die sich in einer Essstörung äußert. Es ist ein Weg, die eigene Persönlichkeit zu definieren. Viele Betroffene berichten, dass ihnen von ihren Familien eine Rolle aufgezwungen wurde, die sie, ohne Einwände, zu erfüllen hatten. Eine Persönlichkeit konnte nur im Heimlichen entwickelt werden. Die Mutter hat oft ihre Karriere zugunsten der Familie aufgegeben, um als gute Hausfrau ihrer Familie ein tadelloses, sauberes Heim bieten zu können. Es wird besonders darauf Wert gelegt, dass der Ruf der Familie unter allen Umständen nach Außen gewahrt wird. Die Mutter gibt Vorurteile gegenüber Männern und Sexualität sowie die Erfahrungen einer unbefriedigenden Ehe an ihre Tochter weiter. Probleme werden weder außerhalb noch innerhalb der Familie diskutiert und Emotionen sowie Gefühle werden als Schwäche gedeutet. Die Eltern sind zudem überfürsorglich und lassen durch die große Nähe keine Individualität zu. Grenzüberschreitungen in den Familien sind häufig zu beobachten, indem die Privatsphäre der Betroffenen wenig oder gar nicht geachtet wird. Unbedachte, übertriebene körperliche Nähe des Vaters gegenüber der Tochter, weckt Schuldgefühle bei dieser. Sie versucht, ihre entstehenden Reize zu unterdrücken. Wird die Mutter zur Freundin, die ihre Probleme und Ängste auch in sexueller Hinsicht mit der Tochter teilt, kann auch dies, aufgrund der Überforderung, zu einer Essstörung führen.
Die Krankheit ist ebenfalls ein Weg die Familie zusammenzuhalten. Stehen die Eltern kurz vor einer Scheidung, bringt sie das Problem, sich um ein magersüchtiges Kind kümmern zu müssen, wieder zusammen. Sie haben keine Zeit mehr sich um ihre Probleme und Gefühle zu sorgen. Das Einzige, was zählt, ist die Genesung des Kindes.

 

Familientyp bei Bulimikern
Auch bei Bulimikerinnen kann man einen bestimmten Familientyp ausmachen, der dem der Magersüchtigen ähnelt. Auch hier wird keine Individualität zugelassen und die Probleme werden weder nach Außen getragen noch diskutiert. Die Eltern sind streng und überwachen jeden Schritt der Kinder. Körperliche Bestrafung bei der Verletzung von Regeln kann ebenfalls vorkommen. Von den Betroffenen werden oft früh Selbstständigkeit und Durchsetzungsvermögen erwartet. Dieses wird von ihnen als große Belastung empfunden.

 

Die Eltern als Vorbild
Es sind auch nicht nur Schönheitsideale oder Stress Grund für Essstörungen, Ursachen liegen auch im Essverhalten der Eltern: Die Mutter ist permanent auf Diät, während der Vater eher reichhaltig und kalorienreich isst. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt und der Teller muss vollständig geleert werden, auch wenn man satt ist oder das Essen nicht schmeckt. Von Kindern und Jugendlichen wird dieses Essverhalten erlernt, was später zu einem höheren Risiko führt, eine Essstörung zu entwickeln.