Bei der Familienaufstellung nach Hellinger sucht die aufstellende Person unter den Anwesenden Stellvertreter für Familienmitglieder aus und ordnet sie räumlich entsprechend der subjektiv wahrgenommenen Familiensituation an.
Ergebnisse der Forschungen
Es lässt sich beobachten, dass die Stellvertreter instinktiv in ihre Rollen hineinwachsen und entsprechend agieren. Sie wissen recht genau über das Befinden der Originalpersonen Bescheid und können relativ detailliert erkennen, wie das Familiensystem funktioniert und welchen Regeln es folgt – selbst, wenn ihnen die aufstellende Person und deren Familiensituation davor nicht bekannt war.
Durch das Fehlen von Manipulation und (bewusstem) Hintergrundwissen bezweckt die Familienaufstellung nach Hellinger insofern, dass Tabus gebrochen und ohne Rücksicht auf mögliche (unausgesprochene) Dogmen aus dem toten Winkel geholt werden können.
Familiendynamiken kritisch zu hinterfragen und die eigene Sichtweise zu ändern
Das Offenlegen ineinander verstrickter Beziehungsgeflechte kann Verborgenes ans Licht bringen, wodurch sich für die aufstellende Person Lösungen ergeben können.
Ursprünglich beabsichtigte die Familienaufstellung nach Hellinger lediglich, die Beziehungsmuster und deren Wirkungen innerhalb einer Familie zu verstehen. Es ging in erster Linie nicht um eine Lösung für die aufstellende Person, sondern um eine für die gesamte Familie, woraus folgt, dass sich auch Lösungen für die Klienten ergeben können.
Selbstliebe und Selbstachtung
Die Familienaufstellung nach Hellinger zielte anfangs nicht auf eine mögliche Loslösung aus destruktiven Familiensystemen ab, sondern versuchte vielmehr, diese zu heilen und eine Versöhnung mit den Angehörigen, vor allem den Eltern – und somit auch mit der eigenen Vergangenheit – herbeizuführen. Hat ein Elternteil beispielsweise eine große Schuld auf sich geladen, besteht das Ziel darin, diese zwar bei ihm zu lassen, ihm aber trotzdem zu verzeihen – unabhängig von der Größe und Tragweite des Vergehens. Unter anderem aus diesem Grund ist die Familienaufstellung nach Hellinger sehr umstritten. Dennoch wird sie in ihren Grundzügen von vielen systemischen Familientherapeut angewendet, da sie eine Chance bietet, Zugriff auf eigene (unbewusste) Verhaltensweisen und Mechanismen zu erlangen und diese zu durchbrechen.