Farbtemperatur in der Fotographie

Wohl mit kaum einer anderen Eigenschaft kann man den perfekten Bildeindruck so schön gestalten wie mit der Farbtemperatur.


Wer das Wort „Farbtemperatur“ lediglich mit einer möglichst korrekten Farbwiedergabe in Verbindung bringt, kennt das Potential dieses stilistischen Mittels nicht. Zugegeben, der Weißabgleich dient in erster Linie dazu, Farbstiche zu vermeiden und Farben möglichst so, wie sie vom menschlichen Auge wahrgenommen werden, wiederzugeben. Damit weitgehend beeinflussbar ist aber auch die Wirkung eines Bildes auf den Betrachter.

 

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Man wird heutzutage kaum noch eine Digitalkamera finden, die nicht auch einen automatischen Weißabgleich (AWB - Automatic White Balance) mit sich bringt. Dabei sucht das Gerät im Allgemeinen den hellsten Punkt im Bild heraus, nimmt diesen als reinweiß an und nimmt dementsprechend den Weißabgleich vor. Lassen Sie dieses Helferlein erst einmal unter den Tisch fallen. Trauen Sie sich, hier selbst Hand anzulegen. Nehmen Sie dasselbe Motiv mit verschiedenen Werten auf, ändern Sie die Perspektive. Sie werden sehen, dass ein und dasselbe Objekt einerseits einladend, entspannend, ruhig und idyllisch wirken, und andererseits aber auch frisch und aufbrausend sein kann. Die Empfindungen des Betrachters lassen sich maßgeblich, alleine durch den Weißabgleich, steuern. Achten Sie besonders auf Ihre eigenen Empfindungen, wenn Sie zum Beispiel zwei Aufnahmen desselben Gewässers oder desselben Waldes ansehen. Meist erscheint "warm" aufgenommenes Wasser schmutzig, trüb, leblos, wobei es bei "kalten" aufnahmen oft spritzig, belebt und vor allem frisch und klar wirkt. Bei der Aufnahme eines dicht begrünten Waldes kann dies oft der gegenteilige Fall sein. Das Grün der Blätter entwickelt bei kalter Einstellung einen Blaustich, was den Wald schnell unnatürlich und leblos erscheinen lässt.

Zeit zu spielen

Nun, nachdem Sie wissen, welche Auswirkungen das bewusste Ändern der Farbtemperatur nach sich zieht, sollten Sie noch über zwei wichtige Änderungsmöglichkeiten Bescheid wissen. Eine sehr naheliegende Variante, die Farbtemperatur anzupassen, ist die Einstellung direkt an der Kamera. Hier kann oftmals die Temperatur in Grad Kelvin angegeben werden – eine sehr schöne Methode, um stufenlos die Änderungen am Bildschirm mitverfolgen zu können, sofern technisch möglich. Daneben gäbe es noch die Möglichkeit der digitalen Nachbearbeitung, wobei hier das RAW-Form zu raten ist, da es einen weit größeren Spielraum der Farbtemperatur-Änderung bietet als ein komprimiertes jpeg-Format.
Worauf warten Sie noch? Die Welt steckt voller unentdeckter Motive.