Fleischfressende Pflanzen - Absurdum der Natur?

Fleischfressende Pflanzen - auch Karnivoren genannt - fangen unter anderem kleine Insekten und Spinnen. Diese Pflanzen findet man nicht nur in tropischen Gebieten. Auch hier gibt es sie.


Normalerweise werden Pflanzen von Tieren als nahrhafte Mahlzeit vertilgt, doch es geht auch andersherum. Fleischfressende Pflanzen sind seit jeher ein faszinierendes Phänomen der Botanik. Denn dass Pflanzen Fleisch fressen, erscheint im ersten Moment absurd. Doch die Welt der fleischfressenden Pflanzen zeigt, sie ist ebenso natürlich wie das herkömmliche Prinzip der pflanzenfressenden Tiere.

 

Bekannteste Pflanze: Venusfliegenfalle

Fleischfressende Pflanzen werden auch Karnivoren genannt und ernähren sich keineswegs nur von Tieren. Sie entnehmen wie andere Pflanzen auch Stickstoff und andere Nährstoffe aus dem Boden, doch zusätzlich fangen sie auch Kleintiere wie Insekten oder Spinnen mit ihren unterschiedlichen Fallen und verdauen ihre Beute. Diese Fallen markieren bereits die Besonderheit der fleischfressenden Pflanzen. Denn Karnivoren stechen bereits durch ihr auffälliges Äußeres ins Auge. Sie unterscheiden sich in 19 verschiedenen Gattungen, von denen die bekannteste wohl die Venusfliegenfalle ist. Jede hat ihre optische Besonderheit, die meist durch den Aufbau ihrer Fallen bedingt ist. Dabei unterscheidet man beispielsweise zwischen Saug-, Klapp- und Reusenfallen, die alle auf unterschiedliche Art und Weise ihre Beute anlocken, zuschnappen und sie dann schließlich mit einem Verdauungssekret zersetzen. 

 

 

Im Moor, Wasser oder Sand

Fleischfressende Pflanzen sind jedoch trotz ihrer Exotik nicht nur in Tropen aufzufinden, sondern können auch in unseren Breitengraden ansiedeln. Sie gedeihen meist in nährstoffarmen und sauren Gebieten wie etwa in Mooren, im Wasser oder auf Sandböden. Eine hohe Sonneneinstrahlung ist ebenso wichtig für fleischfressende Pflanzen wie eine Luftfeuchtigkeit von etwa 75 %. Den Mangel an Nährstoffen, die ihre Umgebung abgibt, gleichen die fleischfressenden Pflanzen durch den Fang von Kleintieren wieder aus. Sie entziehen ihrer Beute Stickstoff, Phosphor und Schwefel, um so ihren eigenen Bedarf an Nährstoffen wieder auszugleichen. Gleichzeitig sind fleischfressende Pflanzen jedoch auch Pflanzen genauso wie andere „vegetarische“ Pflanzen. Sie besitzen Wurzelsysteme und betreiben Photosynthese und können teilweise auch ohne die Zusätzliche Ernährung durch Kleintiere überleben. Allerdings sind ihr Wachstum und ihre Blütedauer dann eingeschränkt.

 

Für Menschen ungefährlich

Wer selbst eine fleischfressende Pflanze sein Eigen nennen möchte, der kann dies ohne Bedenken tun. Denn die Märchen von dem abgebissenen Finger sind tatsächlich nur erfundene Geschichten. Um ein Gliedmaß oder gar den ganzen Menschen zu verschlingen, sind die Fallen der fleischfressenden Pflanzen viel zu schwach. Auch ihr Verdauungssekret ist nicht giftig für den Menschen. Allerdings sollte man, um eine gesunde fleischfressende Pflanze zu züchten, ihre speziellen Bedürfnisse wie Wärme und Feuchtigkeit berücksichtigen, um sie auch in voller Pracht blühen sehen zu können.