Das Wort „Fratzen“ geht auf Martin Luther zurück, der es in seinen Schriften erstmals verwendete und zwar im Sinne von „lächerliches, albernes Gerede“. Die heutige Verwendung als Bezeichnung für ein verzerrtes, hässliches oder auch lustiges Gesicht stellt eine Verkürzung des ursprünglichen Wortes „Fratzengesicht“ dar, mit dem man das Gesicht des Possenreissers auf Jahrmärkten bezeichnete. Das Wort „Fratz“, das vor allem im süddeutschen und österreichischen Raum für ein schlimmes Kind verwendet wird, stammt ebenfalls von diesem Wortstamm.
Geschichte
Fratzen schneiden wurde als hässlich, gar teuflisch, empfunden und so wurden an manchen Häusern im europäischen Raum, vornehmlich an Giebeln oder über den Haustüren, Köpfe mit hässlich verzerrten Gesichtern zur Abschreckung allen Bösen angebracht – sogenannte Fratzen oder Neidköpfe. Ein besonderes Beispiel hiefür ist die Fratzen-Apotheke in Clausthal Zellerfeld oder die Kathedrale von Reims, wo der berühmte „Zungenstrecker“ an der Fassade zu sehen ist.
Gegenwärtige Bedeutungslage
Heute wird das Wort noch im übertragen Sinn für negative Auswirkungen einer Geisteshaltung verwendet. Zum Beispiel „die Fratze des Krieges“ oder „hier zeigt der Kapitalismus unverhüllt seine Fratze“. In der Medizin, insbesondere der Psychopathologie, findet sich das krankhafte Fratzenschneiden vor allem bei der katatonen Schizophrenie als Ergebnis eines sich „selbst nicht mehr sicher Seins“, das seinen Ausdruck im Schneiden von Grimassen auf der Suche nach dem eigenen Ich findet. Heute ist das Grimassieren, von allen teuflischen und negativen Werten befreit, zum Teil des Repertoires von Kabarettisten und Zirkusclowns mutiert, ein Ausdruck von Lebensfreude und dem Spass an der Nachahmung oder dem Hässlichen. Fratzen als Synonym für Masken finden im Karneval ihre Verwendung, ebenso wie bei Krampuss- und Perchtenumläufen in der Alpenregion. Es werden Meisterschaften im Grimassenschneiden ausgetragen und auf diversen Internetseiten finden sich unzählige Videos von Profi- und Amateurfratzenschneidern. Für manche Menschen ist es die Basis Ihrer Existenz geworden – wer kennt nicht den zahnlosen Mann, der auf ungezählten Ansichtskarten die Unterlippe über seine Nase stülpt.