Freundschaft am Arbeitsplatz: Wenn aus Kollegen Freunde werden

Egal wie sehr Sie Ihren Kollegen mögen, zeigen Sie Ihre Sympathie nie zu offen. Denn Freundschaft am Arbeitsplatz kann Probleme verursachen.


Der schwedische Möbeldiscounter macht es vor: Die Mitarbeiter sind wie eine riesige Familie, die nicht nur am Arbeitsplatz Spaß hat, sondern auch im Privatleben viele schöne Momente miteinander teilt. Doch was auf den ersten Blick so erstrebenswert scheint, hat auch seine Tücken.

Mehr Motivation und Leistung

  • Eigentlich ist es nicht verwunderlich, dass man gerade im Job viele Bekanntschaften macht und neue Freunde findet. Man teilt dieselben Interessen, hat oft denselben Bildungsstand und hat mit der Wahl des Arbeitgebers ebenfalls eine bedeutende Gemeinsamkeit gewonnen. Da man acht Stunden oder mehr im Büro verbringt, sind gute Beziehungen äußerst wichtig.
  • Die Kollegen als Zweitfamilie erleichtern schwierige Phasen und motivieren sogar zur Mehrarbeit. Studien haben gezeigt, dass es sich im Umfeld von Menschen, die man mag, leichter arbeiten lässt und man eher bereit ist, Überstunden abzuleisten. Sogar Führungskräfte profitieren von Freundschaften, denn sie werden eher Mitarbeiter behalten, mit denen sie auf einer Wellenlänge liegen. Freundschaft am Arbeitsplatz kann noch mehr: Sie ist ein wichtiger Faktor für den Aufstieg, denn bekanntlich helfen soziale Netzwerke im Berufsleben enorm weiter.

Vorsicht Vetternwirtschaft

  • Freundschaften können das Arbeitsklima stark verbessern, aber auch verschlechtern. Dann nämlich, wenn die Job-Freunde sich nicht an die ungeschriebenen Regeln halten. Der Interessenskonflikt zwischen Arbeit und Privatem lauert zwar immer an der Oberfläche, wirklich bedeutsam wird er aber nur selten. Dann etwa, wenn der Eine weiß, dass der Job des Freundes durch Umstrukturierungen in Gefahr ist. Aufgrund der Geheimhaltung darf er diesem nun nichts davon erzählen, das Vertrauen kann irreparabel geschädigt werden, wenn man sich nun für den Beruf entscheidet und nichts sagt. Der Andere fühlt sich hintergangen.
  • Auch Spannungen im Team sind möglich, wenn sich die Freunde von den anderen Mitarbeitern abkapseln. Jetzt wird jede Entscheidung, jede Meinungsäußerung auf die Goldwaage gelegt und als Kungelei ausgelegt. Wer bereits schlechte Erfahrungen mit einer Freundschaft am Arbeitsplatz gesammelt hat, sollte am nächsten Arbeitsplatz vorsichtiger sein.
  • Viele Arbeitnehmer sind dazu übergegangen, Job und Privatleben streng zu trennen und nur oberflächliche Kontakte aufrechtzuerhalten. Wollen Sie ebenso vorgehen, sollten Sie mit den Kollegen nie über allzu Privates – etwa Krankheiten oder Beziehungsprobleme – sprechen. Wichtig ist es auch, mit allen Kollegen gleich viel Zeit zu verbringen.

Regeln für eine Freundschaft am Arbeitsplatz

  • Eigentlich gilt für Freunde dieselbe Regel wie für Verliebte: Hocken Sie nie aufeinander und geben Sie auch anderen Menschen eine Chance, an Ihrem Leben teilhaben zu können. Lassen Sie Ihr persönliches „Bauchbarometer“ entscheiden. Zeigen Sie Ihre Freundschaft zu offen und wirken wie ein eingeschworenes Team, schließen Sie die anderen Kollegen automatisch aus. Sie werden womöglich nicht mehr in alle Betriebsgeheimnisse eingeweiht, was sich wiederum zu Ihrem Nachteil entwickeln kann.
  • Wenn Sie sich neu kennengelernt und festgestellt haben, dass Sie auch im Privatleben gern etwas gemeinsam unternehmen würden, lassen Sie es langsam angehen. Eine Freundschaft am Arbeitsplatz muss langsam wachsen, das Vertrauen zum anderen muss sich entwickeln, schließlich geht es nicht nur um das zwischenmenschliche Auskommen, sondern auch um die eigene berufliche Zukunft.