Frühjahrskur für Leber und Galle

Nach den langen Wintermonaten bringt eine Frühjahrskur für Leber und Galle den Stoffwechsel wieder in Schwung.


Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) findet jetzt im Frühling im Holzelement seine Entsprechung. Dem Holzelement ist der Funktionskreis Leber und Gallenblase zugeordnet. Deshalb ist jetzt der ideale Zeitpunkt, diesen beiden wichtigen Strukturen unsere Aufmerksamkeit zu schenken und sie ein wenig zu pflegen. Naturheilkundliche Hilfsmittel wie zum Beispiel eine Rettich- oder Ölkur können die Organe entlasten und sie bei ihrer Arbeit unterstützen.

Leber und Galle – ein wichtiger Organkomplex
Die Leber (Hepar), unsere größte Anhangsdrüse des Darms, hat vielfältige Aufgaben. Die wohl bekannteste Funktion ist die Entgiftung des Körpers (Medikamente, Alkohol, etc.). Aber auch der Abbau von Hormonen und roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die Speicherung von Eisen und fettlöslichen Vitaminen sowie Zucker (Glykogen) gehört zu ihren Tätigkeiten. Sie hat im Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel eine zentrale Bedeutung. Nicht zuletzt wird in ihr auch täglich ca. 0,5 – 1 Liter Galle gebildet, die über die Gallengänge in den Zwölffingerdarm (Duodenum) fließt. Wird keine Galle benötigt, staut diese sich zurück, wird in der Gallenblase (Vesica fellea) gespeichert und bei Bedarf abgegeben.

Häufiges Problem: Gallensteine
Die Galle hat eine wichtige Aufgabe bei der Fettverdauung. Sie besteht neben Wasser und weiteren Bestandteilen insbesondere auch aus Cholesterin, Gallensäuren und dem Gallenfarbstoff (Bilirubin, das beim Abbau von Erythrozyten entsteht). Das Verhältnis der einzelnen Stoffe zueinander kann gestört sein, z.B. durch eine unausgewogene Ernährung, rasche Fastenkuren oder Flüssigkeitsmangel. Dann können sich kleine Kristalle bilden, die zu Gallensteinen (Cholesterin-, Pigment- oder Calciumbilirubinatsteinen) anwachsen können. Sie sind in unserer Bevölkerung häufig anzutreffen, meist bei Frauen. Gallensteine sind zu 80 Prozent symptomlos („stumme Steine“). Häufig entdeckt man sie als Zufallsbefund z.B. bei einer Ultraschalluntersuchung. Sie können jedoch auch Koliken auslösen oder Ursache für Entzündungen sein. 

Alternative Heilmethoden  bei Gallen- und Leberleiden

Frühjahrskur mit Rettich
Rettich, ein schon im alten Ägypten und Griechenland bekanntes altes Volksheilmittel, wirkt nicht nur als Hustensaft bei Bronchitis schleim- und krampflösend. Bekannt ist auch seine anregende Wirkung auf die Leber- und Gallentätigkeit, er fördert den Gallenfluss, baut Gallengrieß und Entzündungen ab, sorgt für eine gesunde Darmflora, fördert den Stuhlgang und reguliert den Cholesterinhaushalt. Neben vielen Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Enzymen enthält die gehaltvolle Wurzel insbesondere Senföle, welche die ungewünschten Konglomerate in der Galle auflösen können.

Man kann den Rettich und auch Radieschen (die ähnliche Wirkstoffe in einer geringeren Konzentration enthalten) einfach regelmäßig in den Speiseplan einbauen (gut kauen oder fein raspeln/schneiden!) oder eine richtige Rettichkur durchführen. Diese wird über einen Zeitraum von 4-6 Wochen durchgeführt. Der Rettich wird fein gerieben und ausgepresst. Ein mittelgroßer Rettich ergibt etwa einen Viertelliter Saft. Zur besseren Verträglichkeit und um dem Rettich die Schärfe zu nehmen, wird der Saft vor der Einnahme einige Stunden in den Kühlschrank gestellt.

Zur Einnahmemenge gibt es verschiedene Alternativen. Die bekanntesten beiden sind die Intervallkur und eine an- und absteigende Kur. Bei der ersten Variante werden für 4-5 Tage täglich 1/4 Liter Rettichsaft in zwei Portionen über den Tag verteilt getrunken, danach wird eine Pause von 2-3 Tagen vor dem nächsten Intervall eingelegt. Die zweite Möglichkeit besteht darin, mit 100 ml täglich zu beginnen und allmählich auf 400 ml zu steigern, um diese Menge dann wieder langsam auf 100 ml zu reduzieren.

Übrigens: Salz zerstört die ätherischen Öle, die einen erheblichen Teil der Heilwirkung haben. Bei empfindlichem Magen oder Darm ist die Rettichkur aufgrund der Schärfe durch die Senfölglykoside nicht geeignet und kann zu leichtem Sodbrennen und Aufstoßen führen.

Frühjahrskur mit Öl
Bei Gallengrieß oder kleinen Steinen kann auch eine Ölkur eine eindrucksvolle Wirkung zeigen. Hierbei werden nach einem fettfreien Tag in einem festgelegten Zeitablauf diverse Zutaten eingenommen, um die Ausleitung der Leber und Gallenblase zu unterstützen. Wichtigste Bestandteile hierbei sind üblicherweise Olivenöl und teilweise auch Eigelb, um die Leber und Gallenblase zur Ausschüttung der fettverdauenden Galle anzuregen. Erforderlich ist die Kombination mit Bittersalz zur Öffnung der Gallenwege und der Einsatz von säureintensiven Fruchtsäften wie zum Beispiel Zitrone oder Grapefruit. Diese sorgen dafür, dass das Öl schwieriger zu verdauen ist und mehr Gallenflüssigkeit produziert werden muss. Denn eine vermehrte Gallenproduktion und –ausscheidung sorgt für die verbesserte Ausleitung von Giftstoffen sowie kleinerer Gallenverklumpungen.

Für eine Ölkur gibt es verschiedene Rezepte. Sie sollte vorzugsweise im Rahmen einer generellen Ausleitungskur durchgeführt werden. Zu beachten ist hierbei, dass bei allen Reinigungskuren Schadstoffe gelöst werden, die sich kurzfristig im Körper anhäufen, bevor sie ausgeschieden werden können. Dies kann zu Unbehagen führen. Darüber hinaus kann bei größeren Steinen eine zwar geringe, aber zu erwähnende Gefahr von Gallenkoliken bestehen. Deswegen sollte eine Ölkur nach sorgfältiger Untersuchung und Diagnose unter Anleitung und Begleitung eines entsprechenden Therapeuten, wie einem Heilpraktiker oder naturheilkundlichen Arzt durchgeführt werden.

Heilpflanzen und Lebensführung
Begleitend bei einer Leber- und Gallenkur haben sich Mariendistel- und Artischockenpräparate als hilfreich erwiesen. Gute Unterstützung bieten auch Heilpflanzen wie Löwenzahn, Schafgarbe oder Pfefferminze.

Am Besten ist jedoch immer noch eine vorbeugende Lebensweise mit einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Ernährung inklusive ausreichender Flüssigkeitszufuhr und Bewegung. Aufgrund der engen Verknüpfung von Körper, Seele und Geist darf auch die berühmte Laus, die einem über die Leber läuft oder die oft zitierte Galle, die einem hoch kommt nicht vergessen werden: Deswegen ist auch die Vermeidung oder zumindest der Abbau von Ärger und Stress wichtig, was durch entspannende und gesundheitsfördernde Übungen wie z.B. Qi Gong erreicht werden kann. Und im Alltag? Versuchen Sie, Ihre Wut nach ein paar tiefen Atemzügen (welche die Bauchorgane und damit auch die Leber massieren) einfach weg zu lächeln – dies tut neben Ihrer Psyche auch Ihrem ganzen Körper gut. Ihre dadurch entspannte Leber wird es Ihnen danken.

Ihre
Gabriele Klein
Heilpraktikerin

 

Für die Inhalte dieses Artikels ist die Verfasserin Gabriele Klein verantwortlich.