Frührente wegen Krankheit - rechtliche Vorgaben

Das Verfahren zur Frührente wegen Krankheit ist ein langwieriges, über dessen behördliche Schritte man sich bewusst sein sollte.


Das Mindestalter, um in Rente gehen zu können, steigt in den letzten Jahren immer weiter nach oben. Vielen wird dadurch die Freude auf die wohlverdiente Ruhezeit genommen. Die Pensionskassen sind leer – ein weiterer Umstand, der die Freude auf die Zeit in Rente mildern lässt. Für all jene, die in Frührente wegen Krankheit gehen müssen, sahen die Möglichkeiten hierfür auch schon einmal besser aus. Ihnen bleibt oft aber keine andere Wahl, da sich starke Abnutzungserscheinungen bemerkbar machen, die es den Arbeitnehmern unvorstellbar erscheinen lassen, bis zum gesetzlichen Rentenalter durchzuarbeiten. Nun stellt sich aber die Frage, wer denn eigentlich Anspruch auf Frührente hat und wie man sie am besten beantragt.

Rechtliche Vorgaben im Falle einer Krankheit
Einen Antrag auf Frührente wegen Krankheit kann prinzipiell jeder Arbeitnehmer stellen, der sich durch körperliche oder seelische Beeinträchtigung nicht in der Lage sieht, seinem aktuellen Beruf in dem bisherigen Ausmaß nachzugehen. Hinzu kommt, dass nicht nur die Ausübung der Tätigkiet im Rahmen des erlernten Berufes gemeint ist, sondern ebenfalls zum Beispiel eine beliebige Arbeit im Rahmen der Freizeit. Somit betrifft es also alle (körperlichen und psychischen) Beschäftigungen, die nach drei Stunden durchgehender Ausübung, zu unüblichen Erschöpfungszuständen führen. Von einer Erwerbsminderung ist dann die Rede, wenn der Arbeitnehmer zwar mehr als drei Stunden, aber weniger als sechs Stunden durchgehend arbeiten kann. Unterschieden wird zwischen voller und teilweiser Erwerbsminderung, die hauptsächlich vom Gesundheitszustand des Betroffenen abhängig ist. Der Unterschied zwischen diesen beiden Formen der Rente ist, dass bei einer teilweisen Erwerbsminderungsrente zwar ein gewisser Rentenbetrag ausgezahlt wird, der Rentenempfänger aber weiterhin in einem geringen Ausmaß erwerbstätig ist. Dadurch kann verhindert werden, dass der „Rententopf“ zu schnell aufgebraucht ist. Bei teilweiser Erwerbsminderungn können zusätzlich zur ausbezahlten Rente bis zu 350 Euro monatlich verdient werden.

Was die Wenigsten wissen, ist, dass auch arbeitslose Personen einen Antrag auf Frührente wegen Krankheit stellen können. Dies muss aber auf jeden Fall innerhalb von zwei Jahren passieren, da Anträge andernfalls meist aufgrund der Verletzungen von Beitragsregelungen abgelehnt werden. Die Höhe der Frührente wegen Krankheit hängt von der Höhe der bereits bezahlten Rentenbeiträgen ab. Auf jeden Fall müssen Rentenbeiträge über einen Zeitraum von drei Jahren bezahlt worden sein, um Anspruch darauf erheben zu können. Auch muss der Antragsteller mindestens fünf Jahre bei der Rentenkasse versichert gewesen sein. Andernfalls sieht es für Betroffene eher schlecht aus, um zu ihrem Geld zu kommen. Bei akuten Arbeitsunfällen wird dieser Umstand entsprechend gemildert und Betroffene haben sofort Anspruch auf Zahlung der Frührente, auch dann, wenn ein Rentenbeitrag zum Beispiel nur einmalig eingezahlt wurde.

All diese Argumente sollten den Betroffenen natürlich Mut machen, um zur ihrer Frührente wegen Krankheit zu kommen. Fairerweise muss aber auch angemerkt werden, dass 50 Prozent der Anträge leider abgelehnt werden. Diebezüglich sollte man sich aber nicht entmutigen lassen und auf keinen Fall voreilig aufgeben. Anträge auf krankheitsbedingte Frührente können nicht nur einmalig gestellt werden, im Gegenteil: Gegen eine Antragsablehnung kann man Einspruch erheben, sodass das Verfahren erneut aufgerollt werden wird.

Wichtiges vor der Antragstellung
Wer beabsichtigt, einen Antrag auf Frührente wegen Krankheit zu stellen, sollte dabei einige Schritte beachten. Zunächst sollte die Krankheit mit dem Hausarzt beziehungsweise mit einem Facharzt besprochen werden. Von ihm wird man dann auch ein gültiges Attest benötigen, in dem genaue Auskunft über die zugrundeliegenden Krankheitserscheinungen gegeben wird. Des Weiteren sollte man sich beim Arbeitgeber und beim Arbeitsamt über die unterschiedlichen Möglichkeiten erkundigen. Einen Antrag auf Frührente wegen Krankheit im Alleingang zu stellen, ist keine gute Ideen, weil man meist auf Stellen und Behörden angewiesen ist, die die nötigen Kommunikationspfade darstellen. Manchmal ist es auch nicht falsch, mit einem Rentenberater seine Vorstellungen und Wünsche und das weitere Vorgehen zu besprechen, er kennt die Gesetzeslage sehr gut und kann einem bei diesem Anliegen optimal zur Seite stehen.

Der Frührentenantrag
Der Antrag auf Frührente wegen Krankheit muss auf jeden Fall eine Kopie des Ausweises sowie des Verdienstnachweises enthalten, wobei die zuletzt durchgeführten Tätigkeiten im Rahmen einer Anstellung genau beschrieben werden müssen. Dem Antrag muss ein Lebenslauf, inklusive des beruflichen Werdegangs, beigelegt werden, sowie ausführliche Atteste des Arztes. Aus diesen Attesten muss genau hervorgehen, zu welchen körperlichen Tätigkeiten der Antragsteller fähig ist und zu welchen nicht. Im Zweifelsfall wird die Rentenkasse selbst einen Arzt beauftragen, der die detaillierte Untersuchung des Betroffenen vornimmt. Sobald das Verfahren ins Rollen gekommen ist, muss man sich einige Zeit gedulden und man kann nur hoffen, dass man den Antrag bewilligt bekommt.

Letzter Ausweg Frührente
Wird der Antrag eines Frührentners zu seinen Gunsten bewilligt, so wird er unter Bekannten mit vielen Vorurteilen zu kämpfen haben. Oftmals werden Betroffene als Sozialschmarotzer dargestellt, die sich vor der harten Arbeit regelrecht „drücken“. Dass sich hinter dem Bezug einer Frührente wegen Krankheit meist jahrelanges Leid verbirgt, daran denken die Wenigsten. Der Druck an Arbeitnehmer steigt von Tag zu Tag. Deshalb stellen immer mehr Menschen einen Antrag auf Frührente wegen Krankheit, die meist durch psychologische Faktoren ausgelöst wurde. Beachtlich ist auch, dass die Betroffenen immer jünger werden. Viele zwischen 45 und 55 Jahren können mit der beruflichen Belastung einfach nicht mehr umgehen und fallen in ein „psychisches Loch“ – Depressionen und Burn-Out können die Folge sein. Deshalb wird ein breiteres Spektrum an psychosozialen Angeboten für Arbeitnehmer gefordert, um psychischer Krankheit vorzubeugen beziehungsweise den Wiedereinstieg ins Berufsleben nach einer Auszeit zu erleichtern. Was die psychologische Versorgung betrifft, so gibt es einfach viel zu wenig Angebote, die finanziell von der Kasse übernommen werden. Schon vor diesem Hintergrund müssen sich Firmenbosse mehr und vor allem schnell überlegen, wie die Arbeitsbedingungen wieder halbwegs erträglich gemacht werden können. Es darf grundsätzlich nicht sein, dass das (Privat-)Leben von Arbeitsnehmern durch das Ausüben ihres Berufes regelrecht zerstört wird. Problematisch ist vor allem auch der potentielle Weg zurück, denn jeder Cent, der im Rahmen einer Erwerbsminderungsrente dazu verdient wird, wird auf der Pensionsseite von der Ausgleichszulage wieder abgezogen. Diese Tatsache stellt keine Motivation dar, im Gegenteil: Unter diesen Umständen wird man den Mut und die Kraft am Wiedereinstieg ins Arbeitsleben verlieren.

Rehabilitation
Zu den rechtlichen Vorgaben, eine Frührente betreffend, gilt: Rehabilitation vor Rente! Wenn also ein Antrag auf Frührente gestellt wird, so wird im Rahmen des Bewilligungsverfahrens geprüft, ob durch eine gezielte zumutbare berufliche Rehabilitation, die Berufsunfähigkeit vermieden beziehungsgweise die Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt werden kann. Außerdem wird ab einem bestimmten Alter geprüft, wie hoch die Chancen für einen Wiedereinstieg ins Berufsleben sind. Da ab Mitte 40 Schwieriegkeiten bei der Jobsuche bestehen, wird dieser Punkt genau zu prüfen sein. Grundsätzlich gilt aber, dass der Umstand, keinen Arbeitsplatz zu finden, kein Grund für eine Pensionierung ist. Was zählt ist, ob der Arbeitnehmer mit seinem Gesundheitszustand noch in einem Beruf arbeiten kann oder nicht. Wer einen Antrag auf Frührente wegen Krankheit stellt, der hat damit zu rechnen, einem entsprechendem Rehabilitationsprogramm zugeordnet zu werden, bevor er Frührente beziehen wird. Erst wenn dieses oder mehrere Programme fehlschlagen, steigen die Chancen auf Bezug von Frührente. Sich dem vorgeschlagenem Programm zu widersetzten bedeutet nicht sofort, keine Frührente zu bekommen, die Chancen sinken jedoch deutlich. Wichtig ist: Entschieden wird stets über den Einzelfall!

Frührente – wie geht’s weiter?
Ist der Antrag auf Frührente wegen Krankheit bewilligt, hat man die vorerst größte Hürde gemeistert. Doch viele fragen sich, wie es dann eigentlich weitergeht. Während der ganzen Behördengänge im Rahmen der Antragstellung, versteht man vermutlich noch nicht, was mit einem passiert. Man ist sozusagen noch voll und ganz in dem „Alltagsrad“, das sich immer weiter und weiter dreht, verankert. Was in der ersten Zeit der Frührente mit den Betroffenen passiert, kann recht unterschliedlich ausfallen. Die einen sind extrem erleichtert, blühen förmlich auf und verspüren wieder neue Lebensfreude. Zudem tritt eine Schmerzmilderung ein und der harte Weg, hin zum Bezug der Frührente hat sich gelohnt. Es kann einem aber auch ganz anderes ergehen. Viele Betroffene beschreiben die erste Zeit in Frührente problematischer, gekennzeichnet durch totalen Rückzug und emotionale Selbstaufgabe. Vor allem bei Frührenten, die durch psychische Probleme beantragt wurden, hat der Schrecken kein schnelles Ende. Viele Frührentner müssen sich auch weiterhin in psychologische oder psychotherapeutische Betreuung begeben und zum Beispiel mit Schlafstörungen und sozialen Ängsten rechnen. Für sie ist es regelrecht ein harter Kampf zurück ins Leben, der durch den emotionalen und sozialen Rückzug erschwert wird. Es fehlen vor allen die sozialen Kontakte, die die Arbeitswelt nun einmal mit sich bringt. Auch wenn es jeden Tag die gleiche Beschäftigung ist und gewisse Routinen mit sich bringt, so sind diese Routinen auch äußerst wichtig für den Menschen. Frührentner können zu einer besonders „isolierten“ Menschengruppe werden und dadurch aus dem ewigen Teufelskreis „Unglück“ nicht mehr herausfinden.

Frührente wegen Krankheit – kurz und knapp
Hier werden die wichtigsten Infos zur Frührente wegen Krankheit nun noch einmal zusammengefasst: Einen Antrag auf Frührente wegen Krankheit kann prinzipiell jeder Arbeitnehmer stellen, der sich durch körperliche oder seelische Beeinträchtigung nicht in der Lage sieht, seinem aktuellen Beruf in dem bisherigen Ausmaß nachzugehen. Von einer Erwerbsminderung ist dann die Rede, wenn der Arbeitnehmer zwar mehr als drei Stunden, aber weniger als sechs Stunden durchgehend arbeiten kann. Bei teilweiser Erwerbsminderungn können zusätzlich zur ausbezahlten Rente bis zu 350 Euro monatlich verdient werden. Die Höhe der Frührente wegen Krankheit hängt von der Höhe der bereits bezahlten Rentenbeiträgen ab. Gegen eine Antragsablehnung kann man Einspruch erheben, sodass das Verfahren erneut aufgerollt werden kann.