Führerschein in Polen machen - Vor- und Nachteile

Der Führerschein in Polen ist nur unter besonderen Umständen ein Vorteil, er ist bezüglich Schwierigkeit und Kosten mit Deutschland vergleichbar.


Im Gegensatz zur allgemeinen Annahme ist der Führerschein in Polen weder günstiger noch schneller oder einfacher zu erhalten. Nur wer die MPU (medizinisch-psychologische Untersuchung) umgehen möchte, für den kann Polen eine Alternative sein, er geht jedoch ein hohes Risiko ein.

Auslandsführerschein zur Umgehung der MPU

  • Bis vor einigen Jahren war für Autofahrer, die ihre Fahrerlaubnis verloren hatten und die MPU umgehen wollten, der Führerschein in Polen oder Tschechien eine echte Alternative. Ein Urteil des europäischen Gerichts aus dem Jahre 2004 besagte, dass in jedem Mitgliedsstaat der Europäischen Union der Führerschein aus anderen Mitgliedsstaaten anerkannt werden muss. Das Urteil führte zu einem wahren Freudentaumel unter Verkehrssündern, war doch von höchster Stelle die Umgehung der MPU durch die Führerscheinprüfung in einem anderen Land damit legalisiert.
  • Im Jahr 2006 änderte der Europäischen Gerichtshof das Urteil dahin gehend ab, dass dem Erwerb einer Fahrerlaubnis in einem anderen Mitgliedsland eine persönliche Bindung an den Staat zugrunde liegen muss, ansonsten kann die Fahrerlaubnis anerkannt werden, muss sie aber nicht. Hintergrund zu diesem Urteil war die Entwicklung eines Führerscheintourismus nach Polen und Tschechien zur Umgehung der MPU. Wer also seinen Führerschein in Polen machen möchte, um der MPU auszuweichen, geht das Risiko ein, dass ihm die Fahrerlaubnis aberkannt wird und er schlimmstenfalls eine Anzeige wegen Fahrens ohne gültigen Führerschein erhält.

Der polnische Führerschein – Vor- und Nachteile

  • Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist der Führerschein in Polen nicht einfacher zu bekommen als in Deutschland. Um überhaupt zur Führerscheinprüfung zugelassen zu werden, benötigt der Prüfling einen Wohnsitz im Land, was meistens von den Fahrschulen übernommen wird – mit dem Nachteil, dass bei einer Überprüfung weder ein Mietvertrag noch eine Telefonrechnung oder Ähnliches als Beweis vorgelegt werden kann.
  • Das hat schlimmstenfalls die Konsequenz, dass die Prüfung nicht abgelegt werden darf und die gesamte Investition somit umsonst war. Hinzu kommen die hohen Durchfallquoten, nur ungefähr zwölf Prozent der Prüflinge bestehen beim ersten Mal, womit die etwas günstigeren Preise rasch wieder aufgehoben werden. Dies begründet sich unter anderem durch die strenge Prüfungsordnung, aber auch dadurch, dass der Fahrlehrer bei den Prüfungsfahrten nicht dabei sein darf und deshalb seinen Fahrschülern keine Tipps geben kann.
  • Kostenmäßig liegt der Führerschein in Polen ähnlich wie in Deutschland, sodass es eigentlich keinen echten Vorteil gibt. Nur wer die MPU umgehen möchte, auch unter dem Risiko der Nichtanerkennung der Fahrerlaubnis in Deutschland, sollte versuchen, seinen Führerschein in Polen zu machen, für Fahranfänger ist Deutschland mit Sicherheit die bessere Alternative – insbesondere, da es hier genauso wie in Polen Ferienfahrschulen und Schnellkurse gibt.