Gelenkschutz im Alltag

Entzündete Gelenke sollten zum einen geschont, zum anderen aber auch belastet werden, denn nur so werden sie geschmiert. Gelenkschutz bedeutet also einen gesunden Mittelweg zu gehen.


Rheumatiker sollten gesteigerten Wert auf Gelenkschutz legen. Und das nicht nur in belastenden Situationen, sondern bei jedem Schritt, jeder Bewegung, jeder Anstrengung. Gelenkschutz bedeutet, dass der Körper möglichst schonend und kraftsparend eingesetzt wird. Belastet ein Rheumatiker seine ohnehin schon lädierten Gelenke falsch, fördert das deren Abnutzung und sorgt für weitere/größere Schmerzen. Mit einigen wenigen Maßnahmen hingegen kann der Alltag so gestaltet werden, dass sowohl die Gelenke als auch der Rest des Körpers fit bleiben und noch lange für Wohlbefinden sorgen. So können Betroffene beispielsweise verschiedene Alltags- und Funktionshilfen nutzen, oder sich physikalische Gesetzmäßigkeiten zunutze machen, etwa die Hebelkraft. Zudem sollten häufig benutzte Gegenstände leicht erreichbar sein, um unnötige Bewegungen zu vermeiden.

Die einzelnen Maßnahmen im Überblick:

  • Lange Hebel benutzen, damit der Kraftaufwand verringert wird
  • Große Griffe benutzen, diese sind leichter zu halten
  • Auf die Körperhaltung achten
  • Belastungen verringern
  • Bei gleichbleibenden Arbeiten (lesen) häufig die Sitzposition wechseln
  • Regelmäßig Pausen einlegen
  • Arbeitsabläufe gut strukturieren
  • Erschütterungen vermeiden (zum Beispiel Bett nur lüften, anstatt es auszuschütteln)
  • Belastung des Handgelenks in Überstreckung vermeiden
  • Gelenke bei Arbeiten erst in die Mittelstellung bringen

Bewegung und Sport
Die Erkenntnis, dass sich Rheumatiker bewegen sollen, anstatt sich und ihre Gelenke zu schonen, ist noch relativ neu. Bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrtausends hinein glaubten Mediziner, dass Schonung und Ruhe für entzündete und schmerzende Gelenke genau das Richtige sei. Heute hingegen weiß man, dass Bewegung wichtig ist, um die Gelenke gesund zu erhalten. Denn durch jegliche Form der sportlichen Betätigung wird im Gelenk die Gelenkschmiere – die sogenannte Synovialflüssigkeit – produziert. Diese Flüssigkeit wird auf der Gelenkinnenhaut gebildet und wirkt im Inneren des Gelenks als natürliche Dämpfung. Die Bewegung des Gelenks verbessert die Durchblutung und somit den Nährstofftransport zum Knorpel und folglich auch den Knorpelstoffwechsel. Die gelenkumgebende Muskulatur wird bei sportlicher Aktivität, wenn sie regelmäßig stattfindet, gekräftigt: je besser diese entwickelt sind, umso mehr wird das Gelenk entlastet. Denn Muskeln fungieren als natürliche Stoßdämpfer. Zu viel Ruhe auf der anderen Seite kann zu steifen Gelenken führen.

Sport ist auch bei Rheuma kein Mord
Bevor Rheumatiker jedoch mit Sport beginnen, sollten Sie einen Physiotherapeuten aufsuchen und mit ihm die Bewegungsabläufe trainieren. Der Fachmann erkennt falsche Bewegungen und korrigiert sie umgehend, gelenkschädigende Übungen werden so umgangen. Betroffene müssen lernen, genau das richtige Maß zwischen Spannung und Entspannung zu finden. Die Anzeichen rheumatischer Beschwerden, wie beispielsweise leichte Ermüdbarkeit, müssen erkannt und ernst genommen werden. Jegliche Sportarten, bei denen gleichmäßige rhythmische Bewegungen ausgeführt werden, sind ideal für Rheumatiker. Hierzu zählen etwa Radfahren, Schwimmen, Gymnastik oder Reiten. Es sollte außerdem darauf geachtet werden, dass keine extremen, ruckhaften Bewegungen ausgeführt werden oder große Sprungbelastungen auftreten. Wichtig ist auch das passende Schuhwerk, so müssen Rheumatiker auf weiche Sohlen Wert legen, damit harte Erschütterungen und somit Stöße auf das Gelenk vermieden werden.

Gelenkschutz durch Sport
Aber Sport ist nicht nur für den Körper eine Wohltat, auch die Seele profitiert von regelmäßiger Bewegung. Da bei längerer Aktivität sogenannte „Glückshormone“ (Endorphine) ausgeschüttet werden, hebt sich die Stimmung. Außerdem steigt das Selbstvertrauen, Ängste werden weniger. Studien haben festgestellt, dass trainierte Rheumatiker weniger häufig unter Müdigkeit und Antriebslosigkeit leiden als Unsportliche.