Generation Praktikum: Von einem Probe-Job zum nächsten

Nach der Generation Golf kommt die Generation Praktikum: Akademiker, die sich für einen Hungerlohn abschuften.


Mehr als ein Drittel aller Hochschulabsolventen wird nach dem Studium erst einmal Praktikant. Man spricht mittlerweile von der "Generation Praktikum". Statt eines hoch bezahlten Jobs, den man sich nun doch eigentlich verdient hätte, wird erst einmal für wenig oder gar kein Geld gearbeitet. Ziel: Festanstellung. Doch die bekommen nur wenige, der Großteil tingelt von Firma zu Firma und befindet sich in einer Art „Übergangsarbeitslosigkeit“.

Generation Praktikum: Erfahrungen sammeln

  • Die ursprüngliche Idee eines Praktikums ist es, die persönlichen Neigungen herauszufinden, seine charakterlichen Stärken herauszuarbeiten und Berufserfahrung zu sammeln. Auch das Erlernen einer gewissen Arbeitsroutine gehört dazu, schließlich gehören dauerhaft diszipliniertes Arbeiten und ein geregelter Tagesablauf nicht unbedingt zu den Hauptqualifikationen für ein Studium. Daneben geht es darum, praktische Erfahrungen zu sammeln, da Ausbildungen meist sehr theoriefixiert sind.
  • Für die berufliche Karriere ist Auslandserfahrung äußerst wichtig, was böte sich da also eher an als ein Auslandspraktikum? Es signalisiert dem späteren Arbeitgeber, dass man flexibel, motiviert und bereit ist, sich auf neue Situationen einzustellen. Hinzu kommen umfangreiche Sprachkenntnisse, die als Zusatzqualifikation in einem international tätigen Unternehmen sicher auch gut bewertet werden. Auch der persönliche Bildungswert darf nicht unterschätzt werden, man lernt neue Menschen, neue Kulturen kennen, dies wiederum eröffnet jungen Menschen neue Sichtweisen auf die Welt.
  • Wer sich um ein Praktikum im Ausland bewerben will, sollte sich genau informieren, ob es auch um den Bildungsauftrag geht. Denn in vielen Ländern ist das Prinzip des Praktikums nicht bekannt, oder es bedeutet einfach etwas anderes, etwa einen Ferienjob oder eine befristetete Arbeit.

Ausbildung oder billige Arbeitskraft?

  • Die größte Gefahr bei der Generation Praktikum – neben der Langeweile – besteht darin, ausgebeutet zu werden. Wer eine vollwertige Arbeitsstelle besetzt, lernt nichts, sondern wird als billige Arbeitskraft missbraucht. Leider wissen viel zu Viele nicht, dass auch ein Praktikant Rechte hat, etwa den Anspruch auf Urlaub. Wenn ein Praktikum in Stress, Überstunden und Wochenendarbeit ausartet, sollte man sich wehren, anstatt sich weiterhin zurückzuhalten. Wenn kein Betriebsrat existiert oder der Chef nicht an einem klärenden Gespräch interessiert ist, sollte man das Praktikum abbrechen.
  • Praktika sind an sich zwar eine gute Sache, wenn man nicht gerade an einen ausbeuterischen Arbeitgeber gerät, aber diese Möglichkeit sollte auch nicht schonungslos ausgenutzt werden. Wer eine Ausbildung genossen hat, sollte nicht von einem Praktikum zum nächsten gehen. Wenn Sie bereits wissen, wo Sie hinwollen, sollte ein Praktikum nur als Übergangslösung gesehen werden. Schon während dieser Zeit sollten Sie sich weiterhin auf eine Festanstellung bewerben. Verkaufen Sie sich nicht unter Wert, dann tun es Ihre Arbeitgeber auch nicht.