Geschäftswert beim Notar- was ist das?

Geerbt, geschieden und geheiratet – der Geschäftswert beim Notar dient als Bemessungsgrundlage für die Ermittlung des Notarhonorars.


Um den Geschäftswert beim Notar beglaubigen zu lassen, sollte man vorerst genau definieren, was unter einem Geschäftswert zu verstehen ist. Grundsätzlich spielt dieser bei der Gründung, Umwandlung oder Liquidierung von Unternehmen eine Rolle. Dabei wird der Geschäftswert (genauer Geschäfts oder Firmenwert), weder durch das Handelsgesetzbuch (HGB), noch durch das Einkommensteuergesetz (EstG) definiert. Der Geschäftswert ist der Wert, welcher das Substanzvermögen des Unternehmens abzüglich Schulden übersteigt. Unter dem Substanzvermögen wird das Vermögen verstanden, welches sich auf der Aktivseite des Unternehmens befindet. Dies betrifft das Anlage- und Umlaufvermögen, also greifbares Vermögen von Substanz. Der Geschäfts- oder Firmenwert hingegen ist ein imaginärer Wert. Hier ist von Bedeutung, dass dieser nur als Geschäftswert beim Notar anerkannt werden kann, wenn dieser zuvor käuflich erworben wurde. Ein Geschäftswert, welcher zuvor beispielsweise von einer Unternehmensberatung bestimmt worden ist, darf nicht aktiviert werden. Hier wäre ein zu großer Spielraum gegeben, die Bilanz zu manipulieren. Wurde jedoch ein Kaufpreis für den Geschäftswert bezahlt, kann dieser angesetzt werden.

Der Geschäftswert als Ausdruck von Ertragsaussichten und Gewinnchancen
Um den Geschäftswert zu bestimmen, kommt häufig das Ertragswertverfahren gemäß dem Institut der deutschen Wirtschaftsprüfer (IDWS1) zum Einsatz. Dieses Verfahren ist ein sogenanntes Barwertverfahren, welches zukünftige Einzahlungsüberschüsse, mit einem zu ermittelnden Kalkulationszinsfuß abzinst. Unter Einzahlungsüberschüssen versteht man den Betrag, um welchen die Umsatzerlöse die Aufwendungen übersteigt (beziehungsweise die Kosten die Erlöse, je nach verwendetem Rechnungskreis). Zumeist wird eine Zahlungsreihe von fünf Perioden als angemessen angesehen. Die Zahlungsüberschüsse werden sodann mit dem entsprechendem Kalkulationszinsfuß abgezinst. Der Barwert (beziehungsweise Ertragswert) als Ergebnis der abgezinsten Zahlungsüberschüsse, der fünf Perioden, kann dann als Geschäftswert beim Notar erfasst werden.

Der Geschäftswert zur Bemessung der Gebühr für den Notar
Ein weiterer Kontext, in welchem der Geschäftswert beim Notar steht, ist die Bemessung der Gebühr des Notars, bei Familien- und Erbangelegenheiten. Unter Geschäftswert wird hier der Gegenstandswert der Sache verstanden. Besteht kein geldmäßiger Wert, wird der Wert durch den Notar festgelegt. Hier kann der Geschäftswert beispielsweise den Wert des im Vertrag geregelten Vermögens beider Ehegatten oder den Wert des Vermögens eines Erblassers umfassen. Der Geschäftswert beim Notar gilt so als Bemessungsgrundlage für die Entlohnung des Notars. Je nach Gegenstand des Geschäftswertes, wird die Entlohnung anhand eines Prozentsatzes bestimmt.