Geschlecht bestimmt Gehaltsdurchschnitt

Noch immer liegt der Gehaltsdurchschnitt von Frauen deutlich unter dem von Männern.


Regelmäßig werden Zahlen veröffentlicht, die belegen, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Ihr Gehaltsdurchschnitt liegt nach den letzten Untersuchungen des statistischen Bundesamtes von 2008 rund 25 Prozent unter dem der Männer. Damit scheint sich zu bestätigen, dass Frauen im Arbeitsleben immer noch benachteiligt werden. Trotz formaler Gleichberechtigung der Geschlechter, die zuletzt im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) von 2006 festgeschrieben wurde, haben Frauen es anscheinend nicht nur schwerer, im Berufsleben Fuß zu fassen und Karriere zu machen, sondern sie verdienen auch weniger als ihre männlichen Kollegen.

Gleiche Arbeit für weniger Geld?
Die Antwort auf diese Frage lautet ja und nein. Der Gehaltsdurchschnitt ist ein sehr allgemeiner Wert, der von vielen Faktoren abhängt. Er fasst die durchschnittlichen Gehälter von Putzfrauen, Gebäudereinigern, Personalchefs und Managerinnen zusammen. Mit statistischen Methoden lassen sich aus diesen Daten die durchschnittlichen Gehälter in Ost und West errechnen, die Gehälter von Angestellten denen von Freiberuflern gegenüberstellen oder eben Tatsachen aufdecken, wie den beeindruckenden durchschnittlichen Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen. Diese Zahlen verraten aber nichts darüber, aus welchen Gründen der Gehaltsdurchschnitt von Frauen niedriger ist.

Gründe für Gehaltsunterschiede
Vor allem die Wahl des Berufes trägt zu unterschiedlichen Durchschnittseinkommen bei. Die Zahl der gut ausgebildeten Frauen in höher qualifizierten Berufen nimmt nach wie vor zu, liegt aber immer noch unter der der Männer, was sich auch in niedrigeren Gehältern ausdrückt. Frauen haben zwar oftmals eine sehr gute Schulbildung, steigen aber häufig ohne Fachausbildung in das Berufsleben ein. Sie landen eher in Bürotätigkeiten, die schlechter entlohnt sind als Facharbeitertätigkeiten in Industrie und Handwerk, sodass Männer mit Fachausbildung selbst bei schlechterer Schulbildung mit höheren Gehältern rechnen können.

Arbeitsteilung und Familie
In vielen Familien wird die Arbeit der Frau immer noch als Zuverdienst betrachtet, während der Mann das „große“ Gehalt nach Hause bringt. Das führt dazu, dass sich auch Akademikerinnen und Frauen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung in 400-Euro-Jobs wiederfinden, anstatt eine Arbeit auszuüben, die ihrer Qualifikation entspricht. Auch sind Frauen eher bereit, aus familiären oder anderen Gründen Teilzeit zu arbeiten, und auch die Elternzeit wird in aller Regel von Frauen genommen. Teilzeitarbeit wirkt sich aber nicht nur direkt auf das aktuelle Gehalt aus, sondern trägt auch dazu bei, die Karriere zu verzögern. Damit werden auch die künftigen Gehälter dieser Frauen niedriger ausfallen als diejenigen der männlichen Kollegen, die seit ihrem Berufseinstieg Vollzeit gearbeitet haben.

Alles nur künstliche Aufregung?
Leider nein. Plakative Aussagen wie „Frauen verdienen 25 Prozent weniger als Männer“ werden gerne als Aufmacher in den Medien benutzt. Aber das heißt nicht, dass keine Unterschiede in der Bezahlung von Männern und Frauen bestehen. Es gibt tatsächlich eine Vielzahl von Fällen, in denen Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen. Die Differenz der Durchschnittsgehälter von Männern und Frauen nimmt mit der Zahl der Berufsjahre zu, was nur teilweise mit den oben genannten Faktoren erklärt werden kann. Doch schon beim Berufseinstieg verdienen Frauen im Durchschnitt knapp 19 Prozent weniger als die männlichen Berufsanfänger. Diese Zahlen variieren aber von Branche zu Branche, wobei die Finanzbranche mit Banken und Versicherungen und einem durchschnittlich um gut 21 Prozent niedrigeren Verdienst der Frauen am schlechtesten abschneidet. Neben strukturellen Gründen spielt also nach wie vor das Geschlecht eine entscheidende Rolle, wenn es um Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten geht.