Gestillte Kinder sind schlauer als Flaschenkinder

Mythos oder Wahrheit, haben Flaschenkinder einen niedrigeren Intelligenzqoutienten als Kinder, die gestillt wurden?


Mütter schwören auf die Milch und versorgen ihre Neugeborenen mit der nährstoffreichen Flüssigkeit, vorausgesetzt sie sind dazu in der Lage. Belinda Phipss vom Britischen National Childbirth Trust (NTC) empfiehlt jungen Müttern gar, ihre Kinder bis zum zweiten Lebensjahr zu stillen. Ihr Grundsatz lautet: „Breast is best“ (Brust ist das Beste). Und in der Tat, Gründe für das Stillen gibt es viele, die Beziehung zwischen Mutter und Kind wird gestärkt, das Baby erhält ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe und nicht zuletzt wird auch die körperliche Entwicklung durch die in der Muttermilch enthaltenen Substanzen vorangetrieben. Doch wie ist es mit der Intelligenz- entwickelt sich das Kind zum Einstein, wenn man es möglichst lange stillt?

Studien belegen: Gestillte Kinder sind oft schlauer als Flaschenkinder
Zahlreiche Studien belegen den Zusammenhang zwischen Intelligenz des Kindes und Stillen. So scheint es erwiesen, dass Menschen, die gestillt wurden, über eine höhere Intelligenz verfügen als Flaschenkinder. Eine norwegische Untersuchung der Universität Trondheim an 345 zufällig ausgesuchten Kindern zeigt: Babys, die sechs und mehr Monate gestillt wurden, schnitten in den Intelligenztests deutlich besser ab, als die Kinder, die Ersatznahrung erhalten hatten. Auch die Zeitspanne des Stillens spielt bei der Entwicklung der Intelligenz eine entscheidende Rolle; so die Forscher um den Dänen Erik Lykke Mortensen. Sie untersuchten 3.000 Menschen, die in den Jahren 1959 und 1961 im Kopenhagener Kommunehospitalet geboren worden waren. Kinder, die gar nicht oder nur sehr kurz gestillt wurden, hatten den niedrigsten IQ (durchschnittlich 99,4), während Babys, die über einen Zeitraum von sieben bis neun Monaten natürlich gefüttert wurden, deutlich höhere Durchschnittswerte aufwiesen (106). Interessant auch; umso länger die Stillzeit andauerte, umso geringer war der Unterschied zwischen Flaschenkindern und gestillten Kindern.

Aufbau der Muttermilch
Vor allem die Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Kindes. Forscher machten besonders die Docosahexansäure (DHA) und Arachidonsäure (AA) für spätere Intelligenz verantwortlich. Diese langkettigen Fettsäuren sind hauptsächlich für den Aufbau der Nervenwandzellen verantwortlich. Die Nervenzellen wiederum ermöglichen die Weiterleitung verschiedener Reize im Gehirn. Umso mehr Nervenzellen vorhanden sind, umso schneller und effektiver ist das Umsetzen neuer Aufgaben möglich.

Muttermilch macht nicht alle Babys schlau
Die Ernährung mit der Muttermilch ist aber kein Garant für spätere Intelligenz.
Forscher fanden ein bestimmtes Gen, das sogenannte FADS2. Nur Babys mit diesem genetischen Marker würden von den positiven Stoffen in der Muttermilch profitieren. Die Wissenschaftler des Instituts für Psychiatrie am Kings College London bestätigten den genetischen Vorteil einiger Babys. „Unsere Gene machen uns empfänglich für bestimmte Umweltbedingungen. Also kann die Verweigerung der Muttermilch negative Auswirkungen auf die Intelligenz des Kindes mit dem besonderen genetischen Vorteil haben“, so die Forscher.

Kluge Mütter gebären schlaue Babys
Aber auch andere Faktoren müssten Forschern zufolge stärker ins Kalkül gezogen werden. So sei es nicht erstaunlich, dass intelligente Mütter kluge Babys auf die Welt bringen. Auch der Bildungsstand der Mutter, die häusliche Atmosphäre, die finanziellen Rahmenbedingungen und das Alter der Mutter bei der Geburt sind Kriterien, die als unabhängige Aspekte mit einbezogen werden müssten. Die englischen Psychologen Deary, Der und Batty der Edinburgh Universität untersuchten 5.474 Kinder hinsichtlich ihres Intelligenzgrades. Sie kamen zu dem Schluss, dass, obwohl Muttermilch eine positive Rolle in der Entwicklung des Kindes spielt, sie doch keinerlei Auswirkungen auf die spätere Intelligenz hat.

Stillen als globales Ziel
Dennoch, obwohl eindeutige Ergebnisse noch ausstehen, steht eines doch bereits fest: Selbst, wenn die Muttermilch nicht maßgeblich an der kognitiven Entwicklung beteiligt ist, so stellt sie doch die ideale Form der Ernährung in den so wichtigen ersten Lebensmonaten dar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Unicef formulierten in Anlehnung an dieses Prinzip die sogenannte Innocenti Deklaration, dessen Ziel es ist, ein mindestens sechs Monate langes volles Stillen zum globalen Ziel zu machen. Darüber hinaus soll das Stillen als Teilernährung bis einschließlich des zweiten Lebensjahr fortgeführt werden.