Gesundheit durch Entschlackung?

Gesundheit durch Entschlackung? Sind Entschlackungstees und Säfte wirklich gesund für den Körper?


Bereits vor mehr als 1.000 Jahren vertraute der einfache Mann auf die verschiedenen Formen der Körperreinigung. Im Mittelalter übernahm der Bader – eine Art Arzt des gemeinen Volkes – die Behandlung leichter Krankheiten, auch die Körperreinigung gehörte zu seinen Aufgaben. Der Aderlass – die vielleicht erste Methode der Entschlackung überhaupt – war als ausleitendes Verfahren hoch angesehen, um Giftstoffe aus dem Körper zu spülen. Wenn man ein leichtes Zwicken in den Gelenken oder ein allgemeines Unwohlsein verspürte, suchte man seinen Bader auf. Dieser entnahm dem Kranken eine bestimmte Menge Blut um einerseits das Säfteverhältnis im Körper wieder herzustellen und auf der anderen Seite das „schlechte“ Blut zu entfernen.

Schlacken aus Sicht der Alternativmedizin
Das Verfahren der Entschlackung existiert in vielen Kulturen. Nach Ansicht vieler Naturheilkundler handelt es sich bei den Schlacken um Stoffwechselprodukte, die vom Körper nicht restlos abgebaut werden können und so im Körper verbleiben. Das sind vor allem veränderte Einweiße mit zu vielen Zuckermolekülen. Auch die sogenannten Neutralisierungsschlacken sind bei Wellness-Experten bekannt. Diese entstehen, wenn der Körper aufgrund einer falschen Ernährung übersäuert ist. Das übersäuerte Gewebe kann seiner Aufgabe der Zellversorgung nicht mehr nachkommen und kapituliert schließlich vor dem Überangebot an Nährstoffen. In vielen Fällen werden den Betroffenen entsprechende Medikamente verschrieben, die diesem Zustand entgegen wirken sollen.

Schlacken als Krankheitsursache
Was passiert nun bei einer massiven Ablagerung von Schlackenstoffen im Körper? Schlacken lagern sich vornehmlich in bestimmten (passiven) Gebieten des Körpers an. Das sind die verschiedenen Gewebe, die Blutgefäße, die Organe und die Gelenke. Je nach dem Ort der Ablagerung kann es zu verschiedenen Krankheiten kommen, sind die Darmzotten mit Giftstoffen verstopft, funktioniert die Verdauung nicht mehr ordnungsgemäß, sind es die Bindegewebe entstehen Hautunreinheiten oder gar entzündliche Prozesse auf der Haut. Sammeln sich vermehrt schädliche Substanzen in den Gelenken, leiden die Betroffenen unter Rheuma oder Gicht.

Überbelastung des Stoffwechsels
Im Normalfall gelingt es dem Körper alle durch die diversen Stoffwechselvorgänge anfallenden Produkte zu entsorgen, manchmal aber ist das nicht möglich. Zum Beispiel dann, wenn die Kapazität der Organe durch zusätzlich zugeführte Giftstoffe, etwa Alkohol oder Nikotin, überschritten wird. Auch Umweltgifte können die Belastbarkeit der Organe an ihre Grenzen führen. Die heutigen Ernährungsgewohnheiten spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. So nehmen viele Menschen zu viele Fette, zu viele zuckerreiche Lebensmittel zu sich, die nur wenig verwertbare Nährstoffe enthalten. Besonders übergewichtige Menschen belasten ihren Körper und ihre Gesundheit mit einer Vielzahl unnötiger Substanzen. Stark eiweißreiche Nahrung führt auf Dauer zu einem Überschuss an Harnstoff, Harnsäure und Schwefel. Die Nieren müssen Höchstleitungen vollbringen, um dieses Zuviel zu verwerten und auszuscheiden. So bleiben sie länger als nötig im Organismus und können beispielsweise Osteoporose verursachen, so einige Ernährungswissenschaftler. Diese schwefelhaltigen Abbauprodukte des Eiweißstoffwechsels könnte man aus schulmedizinischer Sicht durchaus als Schlacken bezeichnen. Auch Bewegungsmangel ist häufig ein Grund für eine starke Verschlackung des Körpers.

Der Stoffwechsel des Menschen
Die naturheilkundliche Ansichtsweise des menschlichen Stoffwechsels ist nicht völlig falsch. In den Grundsätzen stimmt sie mit der althergebrachten schulmedizinischen Lehre überein. Der auch als Metabolismus bezeichnete Vorgang dient der Aufnahme, dem Transport und der chemischen Umwandlung von Stoffen im Organismus. Wenn der Mensch über seine Ernährung bestimmte Nährstoffe aufnimmt, werden diese den Zellen und den Organen zur Verfügung gestellt. Sie dienen beispielsweise der Erhaltung der Körpersubstanz, der Energiegewinnung und der Aufrechterhaltung der Körperfunktionen. Bei diesem komplexen Prozess entstehen regelmäßig Stoffwechselendprodukte, die auf verschiedenen Wegen aus dem Körper heraus befördert werden. Unerwünschte Substanzen werden zunächst vom Dünndarm in die Leber befördert und dort unschädlich gemacht. Diese Stoffe können nun abtransportiert werden. Das geschieht entweder über die Niere, die Leber, den Darm oder die Blase. Unverdauliche Ballaststoffe verbleiben im Darm und werden schließlich über die Niere oder die Blase als Urin abgesondert. Auch die Lunge und die Haut fungieren als Ausscheidungsorgane. Die beim Stoffwechsel anfallenden Gase, etwa Kohlendioxid, werden einfach über die Lunge oder die Haut ausgeatmet. Wasser, Harnsäure oder Ammoniak landen in der Toilette. Der menschliche Organismus hat sich im Laufe der Evolution- über einen Zeitraum von fünf Milliarden hinweg- zu einem komplexen Wesen entwickelt, der Stoffwechsel ist ein Anzeichen dieser Komplexität. Schulmediziner sind der Ansicht, dass im Normalfall der Körper die notwendigen Prozesse selbst ausführt. Verbesserungen des bestehenden Systems wären lediglich in Ausnahmefällen notwendig.

Ja, wo sind sie denn?
Verschiedenen Berufsgruppen ist der Begriff der Schlacken durchaus geläufig. So spricht man beispielsweise im Straßenbau von Schlacken, wenn man sich auf die Verbrennungsprodukte bezieht. Auch bei der Verbrennung von Eisen im Hochofen bleiben Schlacken als Reste zurück. Obwohl Mediziner immer wieder versucht haben, die Existenz der Schlacken auch im menschlichen Organismus nachzuweisen, sind sie bisher unauffindbar geblieben. Die Stiftung Warentest aber auch viele andere unabhängige Stellen sagen, dass die Schlacken nur in theoretischer Form existieren. Unter keinem Mikroskop konnte man sie bislang aufspüren.

Anatomiestunde für Anfänger
Mit dem Begriff Entschlackung wird normalerweise ein innerer Reinigungsvorgang beschrieben, der die Organe, aber vor allem den Darm und die Blutgefäße von überflüssigen, sogar schädigenden Substanzen befreien soll. Dieser Vorgang soll sich ähnlich einer umfassenden Säuberung im Haushalt gestalten. Genauso wie ein mit Haaren und Fremdkörpern verstopftes Abflussrohr von Ablagerungen befreit werden kann, soll nun auch der Darm gesäubert werden. Doch so ein Entschlackungsvorgang ist schon aus anatomischer Sicht ausgeschlossen, wie ein näherer Blick auf den menschlichen Darm zeigt. Der Verdauungskanal besteht aus Abermillionen von Schleimhautausstülpungen – Zotten genannt. Diese sind für die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme notwendig. Auch die im Darm angesiedelten Bakterien spielen eine wichtige Rolle bei der Verstoffwechslung von Nahrungsbestandteilen. Würde man dem Prinzip der Entschlackung folgen, müsste man theoretisch die Zotten und die Bakterien entfernen. Doch ohne diese strukturellen Bestandteile des Darms wäre eine Aufnahme (Resorption) der Nahrung nicht mehr möglich, eine geregelte Verdauung ausgeschlossen.

Ablagerungen führen zu Arteriosklerose
Ebenso verhält es sich mit den Blutgefäßen. Diese setzen sich aus verschiedenen Muskelschichten sowie einer Gefäßinnenhaut zusammen. Da sie ihre Weite selbstständig regulieren müssen, um den Blutfluss zu steuern, sind sie sehr elastisch. Es ist auch so, dass sich in den röhrenförmigen Gebilden Ablagerungen (Plaque) festsetzen können. Bestimmte Substanzen (Lipoproteine), allen voran abgestorbene Hautzellen oder Cholesterinkristalle lagern sich an der Gefäßwand ab. Hauptsächlich das schädliche LDL-Cholesterin gelangt so aufgrund einer erhöhten Durchlässigkeit in die Gefäßwand. Die eingelagerten Substanzen können sich durch verschiedene Prozesse verändern und entzünden. Als Folge besiedeln nun auch weiße Blutkörperchen die Gefäßwände. Einige dieser Blutzellen verbinden sich mit den an den Wänden vorhandenen Fetten und modifizieren sich zu Schaumzellen. Das Innere der Arterien wird durch weitere Ablagerungen immer enger, zudem versteifen Kalkablagerungen die Wand der Blutgefäße, die Elastizität geht zunehmend verloren. Im Normallfall sorgt der Körper dafür, dass kleinere Verengungen ausgeglichen werden, doch bei fortschreitender Arteriosklerose kann der Körper dieser wichtigen Aufgabe nicht mehr nachkommen, es kommt zu einer ungenügenden Blut- und Nährstoffversorgung der Organe, die folglich nur noch eingeschränkt arbeiten können. Im weiteren Verlauf bilden sich durch die massiven Ablagerungen lokale Verschlüsse, die im Ernstfall zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen können.

Ablagerungen nur operativ entfernbar
Bisher sind der Schulmedizin keine Verfahren bekannt, solche schädlichen Rückstände wieder aus dem Körper zu entfernen. Bei lebensbedrohlichen Verschlüssen tragen operative Verfahren dafür Sorge, dass der Blutfluss wieder gewährleistet ist. Dies geschieht entweder per manueller Erweiterung der betroffenen Arterien mittels eines Katheters oder eine Umleitung zu gesunden Blutgefäßen, die nun die Aufgaben der geschädigten Arterien übernehmen müssen.

Mit einer Entschlackung zu einem neuen Ich

Entschlackung ist aber aus medizinischer Sicht gar kein so großes Unwort, wie man nun meinen möchte. Die verschiedenen Verfahren der Körperreinigung haben im Rahmen der Schulmedizin durchaus ihre Berechtigung. So wird auch heute noch der Aderlass eingesetzt, wenn bestimmte Erkrankungen vorliegen. Leidet ein Patient beispielsweise unter einer Hämochromatose – einer Erkrankung des Eisenstoffwechsels – wird ihm lebenslang regelmäßig eine gewisse Menge Blut abgenommen, um eine Senkung des Eisengehaltes im Körper zu erreichen.
Doch den meisten der auch in der konservativen medizinischen Praxis angewendeten Verfahren wird eine über die wissenschaftliche Beweisbarkeit hinausgehende Wirkung abgesprochen. Dabei ist die Erfahrung vieler (Alternativ-) Mediziner mit diesen Behandlungen überaus positiv.

Fastenkur – Gesundheit durch Entschlacken
Am Beispiel der beliebten Fastenkur lässt sich verdeutlichen, welche Auswirkungen ein solches ausleitendes Verfahren nicht nur auf den Körper sondern auch auf den Geist des Anwenders hat. Mithilfe einer mehrwöchigen Therapie beispielsweise in einem Wellnesshotel, wird nicht nur der Körper auf einen neuen gesunden Weg gebracht, auch die Seele erfährt einen Schub neuer Kraft. In dieser Funktion fungiert die Entschlackung als eine Art Psychotherapie. In einer reinigenden Fastenkur befreit man sich nicht nur von den Substanzen, die den Körper (scheinbar) in seiner Funktionalität einschränken, auch die seelischen Altlasten werden entsorgt. Für viele Menschen ist eine Fastenkur ein Schritt in ein neues, bewusstes Leben, ein weniger beladenes Leben, was sowohl die Pfunde als auch den psychischen „Abfall“ betrifft. Die Erkenntnis, die einer Fastenkur vorausgeht, dass die bisherige Lebensweise ungesund war, führt meist zu einer langfristigen Änderung der bisherigen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten. Eine Entschlackung, aus dieser Perspektive betrachtet, übernimmt sehr wichtige Aufgaben. Sie ermöglicht eine Reise in das eigene Ich, dort können bisherige Lebensmodelle überdacht und einer gesunden Lebensphilosophie angepasst werden. Außerdem sorgt sie für eine bewusstere Ernährung, was letztendlich ja auch dem Stoffwechsel und der Funktionalität des Organismus zugute kommt.