Gewaltfreie Erziehung - Achtung der Individualität

Die Gewalt an Kindern kommt leider in letzter Zeit immer häufiger vor. Wichtig für eine gewaltfreie Erziehung ist die Achtung der individuellen Persönlichkeit und die Boykottierung der Gewalt im Alltag.


Obwohl „die Würde des Menschens“ im erster Artikel des Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland als „unverletzlich“ definiert wird, schien in der Kindererziehung lange Zeit unbachtet. Erziehungsmethoden von harmlos anmutenden Ohrfeigen über die Prügelstrafe bis hin zu seelischer Gewalt wurden als normale Bestrafungen angesehen, wenn ein Kind dem Befehl oder einer Regel der Eltern nicht nachkam.

Neue Gesetzgebung

  • Im November 2000 wurde das Gesetz zur gewaltfreien Erziehung im BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) aufgenommen. Der Paragraph 1631, Absatz 2 zeigt nun körperliche sowie psychische Gewalt als Erziehungsmaßnahme rechtlich als Straftat an. 

Die Achtung der eigenständigen Persönlichkeit

  • Auch ein Kind ist ein Individuum mit einer eigenständigen Persönlichkeit. Dies sollte man als Elternteil nicht vergessen. Vor jeder Handlung einer Erziehungsmaßnahme ist zu überlegen, wie sinnvoll eine Bestrafung umgesetzt werden kann. Um eine entwürdigenden Maßnahme auszuschließen, sollte sich der Erziehungsberechtigte überlegen, wie er sich selbst bei dieser Maßregelung fühlen bzw. reagieren würde. Kinder sind unsere Schutzbefohlenen und nicht unsere Punching-Balls! 

Ächtung der Gewalt in der Erziehung

  • Doch der Alltag sieht anders aus. Nach Befragungen werden 2006 immer noch 16 Prozent der Kinder und Jugendlichen in einem gewaltintensiven Familienhintergrund missbraucht. Das Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung scheint zwar die neueren Elterngenerationen zum Nachdenken zu animieren, bleibt bei überlasteteten Haushalten aber außen vor. Erwachsene, die in ihrer eigenen Kindheit mit Gewalt in der Familie konfrontiert wurden, neigen bei ihren eigenen Kindern zur Wiederholung dieser Erziehungsmittel – dies belegen verschiedene Studien. Auch finanzielle Nöte, Alkohol- oder Drogenprobleme sowie zeitaufwendige Berufe fördern Gewaltausbrüche auf Seiten der Eltern.

 

Hilfe für Jugendliche und Kinder
Missachten Erziehungsberechtigte das Gesetz auf das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung, können sich die Opfer an so genannten Notfall-Hotlines wenden. Diverse Organisationen sind im Telefonbuch zu finden, während öffentliche Verkehrsmittel oft die Nummern der verschiedenen Kinderschutzeinrichtungen in ihren Werbekästen ausschreiben.

Doch für Betroffene gehört viel Mut zur Offenlegung des Missbrauchs. So sollten Kindergärtner, Lehrer, Freunde und Nachbarn auf das Verhalten ihrer Schützlinge achten und gegebenenfalls die Eltern befragen bzw. das Jugendamt einschalten. Ein gesellschaftlicher Schutz ist unabdingbar und wird gebraucht, um das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu wahren.

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