Glykoside: Die vielseitige Wirkstofffamilie von Heilpflanzen

Die auch in Heilpflanzen enthaltenen Glykoside sind die größte Stoffgruppe der alternativen Heilkunde.


Zu Glykosiden werden all diejenigen organischen Stoffe gezählt, die chemisch gesehen mindestens einen Zuckeranteil besitzen und einen Alkohol als die Stoffbasis. Da die Stoffzusammensetzung ansonsten stark variiert, gibt es eine große Vielfalt an Glykosiden. Sie gehören zu den Stoffen, die sehr zahlreich in der Pflanzenwelt vorkommen, natürlich auch bei Heilpflanzen. Doch nicht nur die Vielfältigkeit in der Struktur dieses Stoffes ist besonders, sondern auch die Wirkungsweisen sind jeweils spezifisch und unterschiedlich. Jede Glykosidart besitzt ihren eigenen Wirkstoff mit eigenen speziellen Eigenschaften. Mittlerweile hat diese Stoffgruppe einen festen Platz in der Heilkunde inne.

Vorkommen
In der Natur sind die Glykoside in den verschiedensten Bereichen verbreitet. So findet man sie zum Beispiel als einen wichtigen Bestandteil bei dem Aufbau des genetischen Materials oder auch als Endprodukt von Entgiftungsreaktionen in den Pflanzen. Glykoside hängen durch eine chemische Reaktion Zucker an sonst fettlösliche Stoffe, wodurch sie wasserlöslich werden und als Stoffwechselendprodukt ausgeschieden werden können.

Wirkung und Anwendung
Eine verbreitete Anwendung finden die Glykoside zur Therapie des Herzens. Diese sogenannten Steroidglykoside werden meistens nur „herzwirksame“ Glykoside genannt. Zu dieser Glykosidgruppe zählen ebenfalls eine Menge unterschiedlich strukturierter Glykoside, die in ganzen 15 verschiedenen Pflanzenfamilien vorkommen. Sie alle zeigen eine Wirkung auf das Herz, wobei sich mit der unterschiedlichen Stoffstruktur auch quantitative Unterschiede ergeben. Sie werden angewendet um die Kontraktion (das Zusammenziehen) des Herzmuskels zu verstärken, ohne das Schlagvolumen zu vergrößern. Die Glykoside, die für das Herz verwendet werden, gehören zu den hochwirksamen und man findet sie unter anderem im Fingerhut. Andere hingegen sind weniger wirksam, zu denen auch Saponine und Flavone zählen. Weitere bekannte Glykoside sind Blausäure und Salicin, welches als der Vorläufer des Aspirins bekannt ist.

Breite Auswahl an Anwendungsgebieten
Da diese Stoffgruppe sehr heterogen ist, kann man kaum über allgemeine Wirkungsweisen von Glykosiden sprechen. Es gibt allerdings etwa acht Glykoside, die am bekanntesten sind und am häufigsten angewendet werden. So gibt es die Senfölglykoside, die für eine bessere Durchblutung sorgen und eine starke lokale Hautreizung verursachen. Man findet sie zum Beispiel in Senf und Meerrettich. Anthocyanglykoside wiederum sind Farbstoffe, die man in Beeren findet. Sie können Wehen auslösen und werden ebenfalls zur Wundheilungsunterstützung angewendet. Die Anwendungsvielfalt lässt sich meist für jeden Glykosidtyp nochmals ausführlich ausweiten.