Goethes Prometheus: Interpretationsansätze

Die Menschen befreien sich in Goethes Prometheus vom Joch ihrer Götter.


Johann Wolfgang von Goethe veröffentlichte sein Gedicht „Prometheus“ im Jahr 1774. Es gehört zur Epoche des Sturm und Drang, welche in der Zeit von 1767–1790 die vorherrschende Literaturepoche in Deutschland darstellte. In dieser Epoche wurden meist Heldensagen aus der griechischen und römischen Mythologie als Thema verwendet, so auch in Goethes Prometheus.

Mythologischer Hintergrund
So bezieht sich Goethes Prometheus auf den in der griechischen Mythologie auftauchenden Titanen Prometheus. Jener beschreibt in seinen Sagen eine schmale Gratwanderung zwischen Gott, Held und Märthyrer. Prometheus ist der Gott, der nach der griechischen Mythologie den Menschen schuf. Er formte ihn aus Ton und Erde und sorgte dafür, dass ihnen Verstand gegeben wurde. Dazu bat er Athene, die Göttin der Weisheit, um Hilfe. Als er allerdings seiner Schöpfung auch das Feuer geben wollte, geriet er in Konflikt mit den anderen olympischen Göttern. Zeus war der Ansicht, dass dieses Geheimnis den Göttern vorbehalten bleiben müsse. Doch entgegen Zeus Willen nahm Prometheus einen Fenchelstengel und entzündete ihn am Sonnenwagen des Helion und brachte so das Feuer zu den Menschen. Diese hatten nun alle Mittel um so mächtig zu werden, wie die Götter. Zeus hatte jedoch einen Plan für den Ausweg. Dazu wandte er sich an Pandora. Aus deren Büchse sandte er Schmerz, Krankheit und Leid zu den Menschen. Als Strafe für seine Anmaßung ließ Zeus Prometheus gefangen nehmen und im Kaukasus an einen Felsen schmieden. Dort wurden ihm Speise, Trank und Schlaf verwehrt und täglich fraß ein Adler seine Leber, die immer wieder nachwuchs.

Interpretationsansätze
Goethes Prometheus beschreibt einen Appell des Titanen an den obersten der olympischen Götter. Zeus, der auch Herrscher über den Himmel ist, wird von Prometheus aufgefordert sich ins eigene Reich hinter die Wolken zurückzuziehen. Seinen Zorn, welcher aus Neid entstanden ist, solle Zeus nicht an der Schöpfung des Titanen auslassen: „Musst mir meine Erde doch lassen stehn“ (Vers 6,7) In der zweiten Strophe distanziert sich das lyrische Ich auch von allen anderen Göttern, die sich „kümmerlich“ von „Opfersteuern und Gebetshauch“ nähren. An dieser Stelle in Goethes Prometheus lassen sich bereits Anspielungen auf die Herrschaftsform zu Goethes Zeiten finden. So könnte mit den Opfersteuern der Zehnte gemeint sein, den die Bauern an den Klerus – einer der beiden herrschenden Stände – entrichten mussten. Die dritte Strophe stellt eine Rückblende in die Kindheit des Lyrischen Ichs dar. Hier wird die Vernachlässigung der Aufgaben thematisiert, für die die Götter beziehungsweise der Klerus die Opfergaben oder den Zehnten bekommen. Folgt man Goethes Prometheus weiter, so findet man noch weitere derartige Parallelen.