Haben Dicke und Kinder wirklich eine höhere Anfälligkeit für die Erkälktung?

Sind Kinder und Dicke wirklich anfälliger für eine Erkältung und ist ein grippaler Infekt immer harmlos? In unserem Erkältungsspecial klären wir über die beliebtesten Mythen auf.


Kinder anfälliger für eine Erkältung?
Kaum auf der Welt und schon krank. Dieses Phänomen kennen viele Eltern aus leidlicher Erfahrung. Die kleinen Backen röten sich, die Nase läuft und aus dem Mund kommt ein erbärmlicher Husten.

Es ist eine Tatsache, dass Kleinkinder und Säuglinge sehr oft erkranken. Doch diese schwierige Zeit ist durchaus vonnöten, um den kleinen Menschen auf das spätere Leben vorzubereiten.

Bereits als kleiner Fötus verfügen wir über Antikörper, diese sind in diesem frühen Entwicklungsstadium noch nicht vollständig funktionstüchtig. Um den kleinen Körper dennoch vor Infekten zu schützen, erhält er über die Plazenta der Mutter Antikörper. In den ersten Wochen nach der Geburt ist das Baby so optimal geschützt. Auch in der Muttermilch sind wertvolle Antikörper enthalten, die einen effektiven Schutz besonders gegen Mikroorganismen bieten, welche Schleimhäute befallen können. Dieser natürliche Schutz hält allerdings nur für etwa drei Monate an. Nach dieser Zeit ist der kleine Organismus auf sich alleine gestellt. Damit sich das noch unterentwickelte Immunsystem voll ausbilden kann, benötigt es Training. Dieses wiederum geschieht in Form ständig auftretender Erkältungen. Nach jedem Kontakt mit einem neuen Erreger entstehen sogenannte Gedächtniszellen. Zu einem späteren Zeitpunkt, beispielsweise in der Pubertät, wenn es erneut zu einem Aufeinandertreffen mit diesem speziellen Erreger kommt, erinnern sich diese Zellen an den Eindringling, vermehren sich und vernichten den Fremdkörper. Nach und nach lernt das kindliche Immunsystem die häufigsten Erreger kennen und wappnet sich gegen sie.

Damit das Training so erfolgreich wie möglich absolviert werden kann, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. So ist es günstiger, wenn das Kind frühzeitig mit allen möglichen Erreger-Quellen und potenziellen Krankheitsursachen zusammentrifft. Studien haben gezeigt, dass der Kontakt mit anderen Kindern – etwa im Kindergarten – Tieren und Dreck ein hervorragend ausgebildetes Immunsystem fördert. Von jeglichen Reizen abgeschottete Kinder haben demnach keine Gelegenheit, ihr Immunsystem auf die Herausforderungen des späteren Lebens vorzubereiten.

Dicke anfälliger für eine Erkältung?
Obwohl es wie ein verletzendes Vorurteil erscheint, ist in dieser Aussage durchaus ein Körnchen Wahrheit enthalten. Grundsätzlich ist ein normalgewichtiger Mensch widerstandsfähiger. Somit ist auch das Risiko, den Viren wehrlos ausgeliefert zu sein, geringer. Menschen ohne Extrakilos ernähren sich in der Regel gesünder und bewusster, nehmen also auch mehr immunstärkende Substanzen zu sich. Wer jetzt aber denkt, bei einer beginnenden Erkältung noch schnell ein paar Pfunde loswerden zu müssen, liegt falsch. Denn eine Radikal-Hungerkur stellt den Körper vor enorme Belastungen. Der Stoffwechsel stellt auf Sparflamme um, was auch auf das Immunsystem Auswirkungen zeigt. Es wird geschwächt und Erreger und Keime haben wieder die Gelegenheit, sich an den Schleimhäuten festzusetzen.

 

Eine Erkältung immer harmlos?
Keineswegs, denn aus einer simplen Erkältung kann sich auch eine ernsthaftere Erkrankung entwickeln. Wenn ein sogenannter Etagenwechsel stattfindet, dringen die an sich harmlosen Erreger in die unteren Atemwege vor und setzen sich dort in den Schleimhäuten fest. Neben harmlosen Viren können nun auch gefährlichere Bakterien die bereits geschwächten Gewebe besetzen. Die Symptome werden schlimmer. Geschieht dies, entwickelt sich beispielsweise eine Lungenentzündung. Diese kann, wenn sie unbehandelt bleibt, sogar bis zum Tod führen. Auch andere Folgeerkrankungen sind möglich, die ohne ärztliche Therapie zu schweren Komplikationen führen können.