Goldmadenfliegen, Blutegel, Maden und Co: Biochirurgie ist im Trend. Die kleinen Helfer finden immer öfter Einsatz, statt klassischer Medikamente oder Skalpell. Die Anwendungsgebiete sind äußerst vielfältig: Von der biologischen Entfernung abgestorbenen Gewebes über die Bekämpfung von Infektionen und der Stärkung des Immunsystems. Die kleinen Helfer wirken oftmals sogar besser als herkömmliche Behandlungen und kommen darüber hinaus auch ohne Nebenwirkungen aus. Wir stellen die wirksamsten Biochirurgen vor.
Fliegenlarven als Wundheiler
Maden und Larven sind besonders beliebte Helfer im Umgang mit Wunden. Vor allem an den Beinen und Füßen von Diabetikern kommt es aufgrund von venösen Störungen und Durchblutungsstörungen zu offenen Beinen und Geschwüren, die nur schlecht abheilen. Fliegenlarven werden hauptsächlich zur Wundreinigung eingesetzt. Die Maden der Goldfliege können beschädigtes oder gar totes Gewebe (Nekrose) sogar abtragen. Da sie zu den sogenannten Außenverdauern gehören, sondern sie ein spezielles Sekret ab, das das Gewebe verflüssigt. Es entsteht eine Nährlösung, die anschließend von den Larven aufgenommen wird. Fliegenlarven haben die Eigenschaft, gesundes von krankem Gewebe zu unterscheiden, was dazu führt, dass lediglich Schadhaftes entfernt wird.
Blutegel als Schmerzstiller
Schon im antiken Ägypten kannte man die heilsamen Wirkungen des Blutegels. Heute ist dieser kein Wunderheiler mehr, denn auch die Schulmedizin weiß um die vielfältigen Wirkungen des kleinen Wurms. Im Speichel des Blutegels lassen sich über 20 verschiedene Substanzen nachweisen, allesamt heilsam für den Menschen. Hirudin und Callin sind Blutgerinnungshemmer, andere Stoffe wirken entzündungshemmend und schmerzstillend. Studien haben gezeigt, dass bei Gelenkschmerzen infolge von Rheuma oder Arthritis Blutegel oft besser helfen als klassische Medikamente. Der Arzt setzt den Wurm einfach auf die betreffende Stelle und der Egel saugt sich fest, ist sein Hunger gestillt, fällt er einfach ab.
Schweinepeitschenwurm
Auch der Schweinepeitschenwurm kann dem Menschen helfen; er gilt als die neue Wunderwaffe gegen entzündliche Darmerkrankungen wie zum Beispiel Morbus Crohn. Die Eier des Wurms werden über eine Nährlösung getrunken. Daraufhin setzen sich die Eier im Darmbereich ab, wo sie bislang unerforschte Wirkungen freisetzen. Bisher wird der Wurm nur bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt, um das Immunsystem positiv zu beeinflussen und so für Linderung zu sorgen.
Ekelgefühle berechtigt?
Aber, obwohl Blutegel und Co. vielversprechende Ergebnisse bringen können, haben auch sie ihre Grenzen. So läuft der Heilungsprozess bei Diabetikern oftmals gestört ab, sodass gereinigte und abgetragene Wunden auch nach dem Einsatz von Biochirurgen nicht abheilen.
Wer befürchtet, es sei unhygienischt und deshalb vor der Biocirurgie zurückschreckt, kann beruhigt werden. Die Tiere werden speziell für medizinische Zwecke unter keimfreien Bedingungen gezüchtet.