Gefäßerkrankungen stellen auch beim weiblichen Geschlecht eine immer ernst zu nehmendere Gefahr dar. Da im Zuge der allgemein gestiegenen Lebenserwartung auch Frauen immer älter werden, erhöht sich bei ihnen die Herzinfarktrate ebenfalls stetig. In den letzten 30 Jahren ist das Risiko zum Herzinfarkt bei Frauen deutlich in die Höhe gegangen. Mittlerweile bilden Gefäßerkrankungen und durch sie verursachte Komplikationen auch bei Frauen die häufigste Todesursache. Die Gründe für diese besorgniserregende Entwicklung sind vielfältig. Zum einen steht auch das weibliche Geschlecht vermehrt unter Stress und Leistungsdruck. Bei Frauen kommt erschwerend hinzu, dass sie häufig eine Doppelbelastung – Kindeserziehung und Karriere – meistern müssen.
Fehlendes Grundlagenwissen
Der Herzinfarkt bei Frauen gehört zu den am meisten unterschätzten Problemen der Medizin. Obwohl sich verschiedene Initiativen seit vielen Jahren für die Herzgesundheit von Frauen verstärkt einsetzen, steckt die Erforschung des weiblichen Herzinfarkts noch in den Kinderschuhen. Lange Zeit waren Wissenschaftler und Ärzte davon ausgegangen, dass Frauen nicht wesentlich anders funktionieren würden als Männer, folglich übertrug man einfach die Forschungsergebnisse auch auf weibliche Patienten. Mit teils fatalen Folgen; denn Frauen haben bei einem Herzinfarkt grundsätzlich geringere Chancen diesen zu überleben als das männliche Geschlecht.
In der Medizin ist allgemein zu beobachten, dass Frauen sowohl in der Forschung als auch bei der Behandlung von Krankheiten sträflich vernachlässigt werden. Dieses Phänomen hat sogar einen eigenen Namen – Yentle-Syndrom.
Frauenherzen sind anders
Inzwischen ist bekannt, dass es grundlegende Unterschiede in der Anatomie und Physiologie des männlichen und weiblichen Herzens gibt. Diese sind jedoch noch kaum erforscht. So weist beispielsweise der weibliche Myokard – der Herzmuskel – quantitative Abweichungen zu dem der Männer auf. Frauen haben auch unabhängig vom hormonellen Status und Alter einen schnelleren Herzschlag als Männer. Dies wird mit der geringeren körperlichen Aktivität erklärt.