Hilfe für Angehörige: Kinder leiden besonders

Kinder leiden besonders, wenn Familienmitglieder von einer Essstörung betroffen sind. Achten Sie darauf, dass sie ebenfalls genug Beachtung finden.


Wenn wir von Hilfe für Angehörige sprechen, dürfen wir vor allem nicht die Kinder vergessen, deren Geschwister oder Eltern an Essstörungen erkrankt sind. Kinder leiden besonders stark, wenn ein Familienmitglied unter einer Essstörung leidet. Handelt es sich bei dem Betroffenen, um einen Elternteil, kann das besonders große Auswirkungen auf das spätere Leben des Kindes nach sich ziehen. Oft herrschen in den Familien viele Streitigkeiten, die teilweise sehr lautstark ausgefochten werden, auch wenn es sich nur um Kleinigkeiten handelt. Kinder verstehen die Ursachen und Hintergründe solcher Konflikte noch nicht. Sehr oft beziehen sie Streitgespräche auf sich, zweifeln an sich.

Betroffener Elternteil
Es wurden Beobachtungen angestellt, dass essgestörte Mütter ihre Babys anders füttern als gesunde. Die erkrankten Mütter haben zumeist Hunger- oder Sättigungsgefühle verloren, daher können sie schlechter die Bedürfnisse ihrer Kinder erkennen und können nicht so gut auf diese eingehen. Sie ernähren ihre Kinder zwar im Regelfall ausreichend, jedoch halten sie sich eher an Vorgaben vom Arzt oder Verpackungsangaben. Andere Mütter hingegen erkennen sofort, wenn ihr Kind Hunger verspürt und füttern es.
Sind die Kinder älter, achten die erkrankten oder ehemals erkrankten Mütter sehr stark auf die Figur der Kinder. Das Körpergewicht nimmt einen hohen Stellenwert ein, sehr häufig drängen sie ihren Nachwuchs zu Abmagerungskuren. Diese, in jungen Jahren oft durchgeführt, führen häufig zu Essstörungen. Hinzu kommt, dass Kinder von ihren Eltern ständig lernen. Auch ein falsches Essverhalten beziehungsweise Problembewältigung durch Essen wird von ihnen übernommen. Sie lernen schlecht, wie sie mit Stress, Angst oder Wut umgehen sollen. So werden mehr Kinder von Essgestörten suchtkrank, als Nachkommen von gesunden Eltern. Dies kann sich in Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Essstörungen und Depressionen äußern.

Wenn Geschwister erkrankt sind
Ist ein Geschwisterteil erkrankt, erfährt dieses zumeist die ganze Aufmerksamkeit der Eltern. Das gesunde Kind ist nicht akut gefährdet, also wird ihm weniger Beachtung geschenkt. Dies führt zu einem verminderten Selbstbewusstsein, was wiederum eine Essstörung auslösen kann. Die Kinder lernen, dass dies ein Weg ist, die Eltern für sich zu beanspruchen. Hilfe für Angehörige, in diesem Fall den Geschwistern der Betroffenen, sollte so aussehen, dass sie die Möglichkeit haben ebenfalls an den Familientherapien teilzunehmen und in Selbsthilfegruppen über ihre Probleme zu reden. Man muss allen Kindern die Aufmerksamkeit zuteil werden lassen, die sie benötigen, indem man mit ihnen Gespräche über ihre Wünsche und Sorgen führt oder am Wochenende einen Tag nur mit ihnen verbringt, beispielsweise verbunden mit einem Ausflug.