Hintergrundwissen: Die Welt der Farben - 10. Teil Leinölfarbe

In Deutschland wenig verbreitet, ist Leinölfarbe in Skandinavien sehr beliebt. Die natürliche Farbe ist ökologisch unbedenklich und recht günstig.


In Skandinavien finden sich viele Holzhäuser, die meist durch besondere Farbtöne und einen leichten Glanz den Touristen ins Auge stechen. Diesen erreicht man mithilfe von Leinölfarbe. Diese spezielle Farbe wird seit Jahrhunderten verwendet, geriet jedoch in Deutschland, anders als im hohen Norden, in Vergessenheit.

Perfekt für draußen
Leinölfarben sind gut geeignet für den Außenbereich: Sie sind zwar wasserabweisend, gleichzeitig aber dampfdiffusionsoffen, Feuchtigkeit kann so ohne Probleme ausdunsten, Fäulnis und Schimmel kann nicht so einfach entstehen. Auch halten sie recht lange. Etwa alle fünf bis acht Jahre müssen sie mit kaltgepresstem, gekochtem Leinöl gepflegt werden. Verblasst die Farbe, kann das Holz ohne Probleme überstrichen werden, die alte Farbe muss dafür nicht entfernt werden. Leinölfarbe weist eine hohe Lichtechtheit und eine hohe Deckkraft auf, was ein sparsames Arbeiten erlaubt, da man nur wenig Farbe verbraucht.

Naturreine Produkte kaufen
Am besten verwenden Sie naturreine Leinölfarben ohne Lösemittel und Aromate. So können die Farben keine Allergien auslösen. Es gibt verschiedene Hersteller der Leinölfarben, die meisten kommen aus Schweden. Doch kann man die Farben auch regulär in Deutschland erwerben.
Es gibt starke Qualitätsunterschiede, Farben der besten Qualität sind lösemittelfrei und weisen eine sehr hohe Pigmentdichte auf, sodass mehrmaliges Überstreichen nicht mehr notwendig ist.

Gut fürs Holz
Leinöl dringt tief in das Holz ein und füllt dessen Poren aus, das Holz kann so weniger arbeiten. Auch Harz kann nicht mehr so leicht durchschlagen, Risse können nicht so leicht entstehen oder werden durch die Leinölfarbe gar gekittet.
Ein Nachteil der Leinölfarbe ist allerdings, dass man sie relativ lang trocknen muss. Ein bis zwei Tage dauert es, bis das Naturprodukt komplett durchgetrocknet ist. Erst dann kann der nächste Anstrich folgen. Durch die langsame Trocknungszeit sind die ökologischen Farben in Deutschland von den industriell hergestellten Lacken verdrängt worden.
Leinölfarben können aber nicht nur auf Holz und Putz, sondern auch auf Metall angewendet werden. Selbst für den Innenraum, zum Beispiel für den Anstrich von Möbeln, sind die Farben geeignet.

So streicht man mit Leinölfarbe
Auf gehobelten Holzoberflächen muss das Holz mit rohem Leinöl imprägniert werden. Wenn das Holz trocken ist, muss zweimal hintereinander die unverdünnte Leinölfarbe aufgetragen werden. Eventuell können Sie ein wenig gekochtes Leinöl dazugeben, um die Farbe geschmeidiger zu machen. Jede Schicht muss komplett getrocknet werden.
Auf rauen oder glatten Holzoberflächen und auf Putz muss zuerst die Grundfarbe aufgetragen werden. Diese muss trocknen. Dann folgen zwei Anstriche mit unverdünnter Leinölfarbe. Beim letzten Anstrich kann auch hier ein wenig gekochtes Leinöl in die Farbe gegeben werden. So verbessert sich die Streichfähigkeit.