Nicht selten geht es rau in der Medizin zu, etwa dann, wenn Patienten und Mediziner es mit einem tödlichen Gegner wie Krebs zu tun haben. Das Hodgkin Lymphom ist eine Form des Lymphdrüsenkrebs, bei der sich die eingesetzten harten Bandagen ausgezahlt haben. Kam vor einigen Jahrzehnten die Diagnose noch mit einem Todesurteil gleich, lässt sich das Hodgkin Lymphom heute bei 80 bis 90 Prozent der Betroffenen mit der gebündelten Kraft von Chemotherapie und Bestrahlung heilen.
Weitreichende Folgen der Therapie
Doch die gute Quote hat ihren Preis. Atemstörungen, Unfruchtbarkeit oder sogar neuer Krebs sind mögliche Folgen der Hodgkin-Lymphom-Therapie. Kölner Mediziner haben untersucht, wie sich die guten Heilungschancen auch mit weniger Nachteilen erzielen lassen. Es kam heraus, dass Patienten in einem frühen Stadium von Hodgkin-Lymphom mit halbierter Strahlendosis eine ebenso wirksame Behandlung erhalten können. Doch der praktische Einsatz der leichten Bestrahlung wird bisher noch nicht empfohlen, da die Beobachtungszeit bislang zu kurz sei, um mögliche Spät-Rückfälle von Hodgkin-Lymphom sicher auszuschließen. Jedoch lässt sich bereits jetzt schon ableiten, dass sich die bestrahlte Fläche kleiner halten lässt als bisher üblich. Dadurch gerät empfindliches Gewebe meist gar nicht mehr ins Strahlenfeld.
Erfolg vs. Nebenwirkungen
Ein erhöhtes Risiko, später Brust- oder Schilddrüsenkrebs zu bekommen, trugen Hodkin-Lymphom-Erkrankte bisher, wenn ihre vom Krebs befallenen Lymphknoten großflächig bestrahlt wurden. Diese Maßnahme bevorzugten noch vor zehn Jahren die Mediziner zumindest im Frühstadium vom Hodgkin Lymphom, wenn erst einzelne Lymphknoten, meist in der Halsregion anschwollen. Die Strahlen zerstörten die bösartigen Immunzellen zwar schnell, doch leidete unter dem Beschuss auch umliegendes gesundes Körpergewebe. Als Folge der Hodgkin-Lymphom-Therapie können daher Entzündungen der Speiseröhre und der Lunge, schlimmstenfalls mit bleibenden Narben oder Tumoren, auch noch nach Jahren auftreten. Daher ist es das größte Ziel der Hodgkin-Lymphom-Forschung ist es, die Nebenwirkungen so weit wie möglich einzudämmen.