Aller medizinischer Fortschritte in der Erforschung und Behandlung sogenannter primärer Kopfschmerzen zum Trotz, gehen die Diagnosen einzelner Kopfschmerztypen nicht auf deren Ursachen, sondern auf die Symptome der Kopfschmerzen zurück. Mediziner stützen sich also bei der Bestimmung unterschiedlicher Kopfschmerzarten auf deren Äußerungsformen, die es für Ärzte und Patienten in einem nächsten Schritt therapeutisch zu bekämpfen gilt. Die Ursache der Kopfschmerzen bleibt mehr oder weniger unbekannt wie auch leider unbehandelt, wobei eine Beschränkung auf die Symptombehandlung von Kopfschmerzen nicht vollständig der Unwissenheit in der Medizin zuzuschreiben ist. Mittlerweile liegen durchaus Theorien und Informationen vor, die zumindest in Teilen als bewiesen gelten können.
Kopfschmerzrisiko bereits angeboren
Eine der wahrscheinlichsten Theorien geht davon aus, dass Kopfschmerzpatienten von Geburt an mit einer erhöhten Reaktionsbereitschaft auf Reizänderungen (ausgelöst durch innere Reize, wie beispielsweise Hormone, Hunger oder unregelmäßige Schlaf- und Wachrhythmus sowie durch äußere Reize, wie zum Beispiel Lärm, Licht oder Alkohol) ausgestattet sind. In Bezug auf spezielle Kopfschmerzformen bestehen weitere Annahmen über die Ursache, welche sich ebenfalls nur teilweise mit gängigen wissenschaftlichen Kriterien prüfen lassen.
Leben mit Kopschmerzen
Eingestehen müssen sich Mediziner, dass das Wissen zum Beispiel über eine angeborene erhöhte Reaktionsbereitschaft des Gehirns nicht ausreicht, als dass man etwa durch einen chirurgischen Eingriff am Gehirn diese Anlage verändern könnte oder wollte. Mit der Ursache für ihre Kopfschmerzen müssen Patienten demnach leben lernen, und einigen gelingt das mittels medizinischer Aufklärung, Erfahrungswissen und bewusstem Leben erstaunlich gut. Eine konsequente Selbstbeobachtung des Patienten, die Aufschluss gibt über die verschiedenen, von Patient zu Patient variierenden Trigger (Auslöser) für diverse Kopfschmerzformen ist dafür unerlässlich.
Die Diagnose und Symptome
Bei der für die Diagnose eines bestimmten Kopfschmerztypus’ so wichtigen Selbstbeobachtung des Patienten kommt es immer wieder zu einer Verwechslung zwischen „Ursache“ und „Auslöser“ der Kopfschmerzen. So berichten Patienten ihrem Arzt beispielsweise, sie hätten kurz vor dem Erleiden einer Migräneattacke ihrem Heißhunger auf Süßes nachgegeben und beinahe eine ganze Tafel Schokolade verzehrt. Viele Patienten ziehen aus dieser an und für sich wertvollen Beobachtung einen falschen Schluss und sitzen dem Irrglauben auf, dass Schokolade ihre Kopfschmerzattacke verursacht hätte. Vielmehr kann der Heißhunger auf Süßes aber als ein Anzeigesymptom einer nahenden Migräneattacke aufgefasst werden. Etwa ein Drittel aller Migränepatienten beobachten und kennen verschiedene Anzeigesymptome, die bis zu 24 Stunden vor einer Migräneattacke auftauchen können. Weitere bekannte Anzeigesymptome sind unter anderem gesteigerter Appetit, Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Unruhe, ungewöhnlich große Müdigkeit oder sehr häufiges Gähnen.
Da die Ursachen einer Migräneattacke im Körper verborgen liegen und für Patienten weder spürbar noch greifbar sind, sollten sich Migränepatienten zur Vermeidung, Verringerung und Linderung der Migräneattacken in erster Line auf die Auslöser anstelle der Ursachen ihrer Migräne konzentrieren.