Inkontinenz - Für betroffene Männer gibt es Hilfe

Die Inkontinenz gilt als Frauenleiden. Aber gut ein Drittel der Betroffenen sind Männer. Viele Patienten leiden nach Prostata-Operationen an Harninkontinenz.


Mehr als drei Millionen Deutsche sind von der Inkontinenz, der Blasenschwäche, betroffen. Zwar gilt die Harninkontinenz als Frauenleiden, doch sind gut ein Drittel der Betroffenen sind Männer. Müssen diese nun zur Frauenärztin? 

 

Inkontinenz nach OP
Viele Patienten leiden nach Prostata-Operationen, z.B. einer Prostatektomie, der operativen Entfernung der Vorsteherdrüse, an Harninkontinenz. Da der Verschlussmechanismus der Harnröhre bei einer Prostatektomie häufig geschädigt wird, kann es zu einem unbeabsichtigten Urinabgang kommen. Leider versäumen es die meisten Urologen, über die häufige Folgeerscheinung aufzuklären. Dabei müsste drei Monate nach der Prostata-Operation mit einem gezielten Beckenbodentraining begonnen werden, um die Blasenschwäche unter Kontrolle zu bekommen.

Muskulaturtraining

Mit der Hilfsmuskulatur des Beckenbodens kann man versuchen, den beschädigten Verschluss zu ersetzen. Bei Männern erstreckt sich die Beckenbodenmuskulatur zwischen dem Scham- und Steißbein sowie den beiden Sitzhöckern. Zunächst muss diese Muskulatur durch Elektostimulationen trainiert werden. Nach einer Weile bekommt der Patient ein Gefühl für seine bisher sehr schwach genutzte Muskulatur und kann sie mit geringem Aufwand ohne Hilfe an- und entspannen. Das hier angewandte Biofeedback (Anzeige der Veränderung bei biologischen Vorgängen) bringt einen genauen Aufschluss über die Fortschritte.

Inkontinenz durch richtige Atmung kontrollieren

Danach gilt es, die Atmung mit Muskelarbeit zu verbinden. Das Einatmen soll die Muskulatur entspannen, beim Ausatmen angespannt werden. Diese Übung wiederholt der Betroffene erst im Liegen, später sitzend. Sie sollte zu Hause in den Alltag eingebaut werden. Richtig praktiziert benötigen die Harninkontinenz-Patienten deutlich weniger Inkontinenzvorlagen als ohne die Muskelübungen. Alternativ dazu gibt es Kondomurinale. Diese werden wie ein Kondom übergezogen und per Schlauch mit einem Reservoir verbunden. Ist dies voll, kann bei Bedarf wieder entleert werden.

Prävention

Möchte man einer Inkontinenz vorbeugen, sind folgende Maßnahmen zu beachten. Ab dem 20. Lebensjahr sollte das Körpergewicht keinen starken Schwankungen mehr ausgesetzt sein. Auch Rauchen ist zu vermeiden, denn das Husten bei chronischer Bronchitis und Asthma belastet den Beckenboden. Ebenso kann ein zu starkes Pressen bei der Darmentleerung eine Harninkontinenz begünstigen.

Auch die Forschung arbeitet an der Harninkontinenz. So werden derzeit Blasenschrittmacher getestet und die Stammzellenforschung bemüht sich mit implantierten Stammzell-Muskelzellen den Schließmuskel wieder funktionstüchtig zu machen.