Ist destilliertes Wasser gesundheitsschädlich?

Ist destilliertes Wasser gesundheitsschädlich und kann sogar zum Tod führen?


Mit runder Nickelbrille und der neuesten Versuchsanordnung stand er vor uns. Unser Chemielehrer. In leisem aber ernstem Ton wies er auf die Gefahren der diversen Chemikalien hin und beeindruckte uns jedes Mal wieder aufs Neue mit seinem Sachverstand. Eine dieser Warnungen ist uns bis heute im Gedächtnis geblieben: destilliertes Wasser sollt ihr nicht trinken, weil es dazu führen könnte, dass die Zellen platzen oder euch gar fürchterliches Magenbluten quält.

Das Wunder des osmotischen Transfers
Der biologische Hintergrund ist folgender: Nährstoffaustausch zwischen dem Inneren und Äußeren einer Zelle erfolgt mittels des Prinzips der Osmose. In geschlossenen Systemen, wie auch der Mensch eines ist, erfolgt dieser Transfer immer so lange, bis das chemische Reservoir auf beiden Seiten der Membran ausgeglichen ist. Da Zellen halbdurchlässig (semipermeabel) sind, kann nur Wasser durch den Zellmembran gelangen. Wenn nun destilliertes Wasser, das naturgemäß frei von jeglichen Mineralien ist, in das Innere der Zelle – in dem eine hohe Konzentration an Salzen und Mineralien herrscht – gelangt, versuchen die Zellen diesen Mengenunterschied auszugleichen. Sie saugen sich mit Wasser voll und infolge diesen osmotischen Drucks platzen die Körperzellen schließlich.

Destilliertes Wasser nicht gesundheitsschädlich
Die Wirklichkeit unterscheidet sich aber von der grauen Theorie, denn nur sehr wenige Körperzellen kommen in direkten Kontakt mit unserer Nahrung. In den Schleimhäuten des Magens und der Speiseröhre finden sich zu jeder Zeit feste Nahrungsbestandteile, darunter auch verschiedene Mineralien und Salze. Wenn das destillierte Wasser nun den Weg durch die Verdauungsorgane antritt, vermischt sich die mineralienfreie Flüssigkeit mit diesen wichtigen Elektrolyten. Erst jetzt kommt es zu einem Kontakt mit den Körperzellen.

Langzeitkonsum gefährlich
Obwohl der Konsum destillierten Wassers völlig ungefährlich ist, warnt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) dennoch vor einem Langzeitkonsum. Denn gerade bei einer einseitigen Mangelernährung werden dem Organismus nicht genügend Salze und Mineralien zugeführt. Zudem entzieht das destillierte Wasser den Zellen auf Dauer Kalzium- und Natriumionen. Da aber gerade diese wichtigen Mineralien eine bedeutende Rolle bei den verschiedenen Stoffwechselprozessen spielen, werden essenzielle Abläufe im Körper gestört. Erste Symptome eines Mineralienmangels sind nächtliche Wadenkrämpfe, verursacht durch ein Magnesium-Defizit. Später treten Knochenwachstumsstörungen, Herz-Rhythmusstörungen und hoher Blutdruck hinzu. Auch Osteoporose ist eine mögliche Folge einer langen Mineralien-Unterversorgung. Destilliertes Wasser ist also doch gesundheitsschädlich, aber nur, wenn es über einen längeren Zeitraum eingenommen wird.

Stoppt destilliertes Wasser den Alterungsprozess?
Gesundheitsbewusste schwören eben deshalb auf destilliertes Wasser, weil es in der Lage ist, den Organismus zu reinigen. Es ist in der Tat die reinste Form des Wassers. Nachdem es durch Kochen in Wasserdampf umgewandelt und anschließend durch Kühlung aufgefangen wurde, enthält es keinerlei potenziell bedenklichen Stoffe mehr. Denn trotz intensiver Hygienevorschriften und umfangreicher Filterprozesse finden sich in normalem Leitungswasser Blei-, Arsen-, und Cadmiumverbindungen, die bei angeschlagenen Menschen durchaus Erkrankungen hervorrufen können.
Destilliertes Wasser führt nun nicht nur dem Körper keine weiteren Gifte mehr zu, sondern spült auch bereits aufgenommene Schadstoffe wieder aus dem Körper heraus. Menschen in der ganzen Welt wollen so nicht nur ihre Gesundheit aktiv fördern, sondern auch den Alterungsprozess aufhalten und das Entstehen von Krankheiten verhindern. Denn laut Theorie führt der über die Jahre angesammelte „Abfall“, auch freie Radikale genannt, in den Zellen zu Krankheit. Besonders degenerative Leiden wie Osteoporose und Alzheimer sollen durch den Konsum von destilliertem Wasser aufgehalten werden können.