Ist ein Glas Rotwein gesund?

Ist der tägliche Genuss von Rotwein gesund oder sind wir hier einem Ernährungsmythos aufgesessen?


Für viele Deutsche gehört es zu einem gewissen Lebensstandard dazu: das abendliche Glas Rotwein. Wahlweise allein oder in gemütlicher Runde werden schnell mehrere Gläser des edlen Getränks geleert. Gedanken ob der möglicherweise negativen Auswirkungen macht sich der durchschnittliche Weinliebhaber in der Regel nicht. Auch, weil sogar Ärzte ihren Patienten raten, statt völliger Abstinenz mal das ein oder andere Gläschen zu genießen. Natürlich aus rein gesundheitlichen Gründen.

Ein Gläschen in Ehren….
Die Legende vom gesunden Rotwein entstand im Jahr 1979, als ein Wissenschaftler in einem Fachartikel den Zusammenhang zwischen dem Konsum von Alkohol und einer geringen Anzahl Herzinfarkte herstellte. Demnach soll der alkoholische Traubensaft nicht nur äußerst schmackhaft sein, sondern auch lebensverlängernd wirken.
Wein, vor allem der rote, enthält eine hohe Anzahl sogenannter sekundärer Pflanzenstoffe. In den Schalen der Trauben finden sich Polyphenole, die als Antioxidanzien ihre Wirkung im Organismus entfalten. Während der diversen Stoffwechselprozesse im Körper entstehen freie Radikale, Abkömmlinge des Sauerstoffs. Diese instabilen hochreaktiven Verbindungen verändern Bestandteile menschlicher Zellen so, dass diese geschädigt oder gar zerstört werden. Die Polyphenole wirken nun als Radikalfänger. Die Thrombozytenaggregation wird gehemmt und die Konzentration der Fibrinogene vermindert, sodass sich die Fließeigenschaften des Blutes verbessern. Die Gefahr einer Thrombose sinkt. Zudem wird das „schlechte“ LDL-Cholesterin gesenkt, gleichzeitig steigt der Spiegel des „guten“ HDL- Cholesterins an. Ablagerungen in den Gefäßen werden verhindert, eine gefährliche Verengung (Arteriosklerose) vermieden. Folglich wirken Polyphenole herz- und gefäßschützend. Das Risiko koronarer Herzerkrankungen beispielsweise, die Gefahr, an einem Herz- oder Schlaganfall zu sterben, sind viel geringer als bei abstinenten Menschen. Zudem weisen die ebenfalls in Rotwein enthaltenen Flavonoide – eine Untergruppe der Polyphenole – eine antimutagene und tumorprophylaktische Wirkung auf, das heißt, die Veränderung des Erbguts, die als Ursache einer Krebserkrankung bekannt ist, kann vermieden werden. Auch die mögliche Ansammlung bösartiger Zellhaufen wird verhindert.

Unzuverlässige Rotwein-Studien
Bisher gingen Forscher und Ärzte gleichermaßen davon aus, dass eine angemessene Menge Alkohol einen hohen gesundheitlichen Nutzen aufweist. Wahr ist, dass Rotwein tatsächlich als Antioxidans wirkende Pflanzenstoffe enthält und so durchaus in der Lage ist, das Gefäßsystem vor gefährlichen Ablagerungen zu schützen. Das Problem ist aber, dass Rotwein eben nicht nur aus guten Inhaltsstoffen besteht. Er enthält auch Alkohol, und der ist als überaus schädliches Zellgift bekannt. Bereits in sehr kleinen Mengen fügt er den Zellen irreparable Schäden zu. Pro Rausch gehen zwischen 100.000 und 10.000.000 Gehirnzellen unwiderruflich verloren, das ist ein Zehntausendstel aller Gehirnzellen. Auch die bei der Vergärung des Traubenmosts entstehenden Sulfite (schweflige Säuren) fügen den Zellen Defekte zu, die unter Umständen nicht wieder repariert werden können. Neuseeländische Forscher werteten nun in einer umfassenden Metastudie viele derjenigen Rotweinstudien aus, die dem Getränk eine positive Wirkung bescheinigten. Demnach ließ eine große Anzahl der untersuchten Studien die nötige wissenschaftliche Objektivität vermissen. So gingen bereits viele Forscher schon vor den ersten Tests von der Prämisse aus, dass Rotwein gesund ist. Damit hätten die Forscher wissenschaftliche Standards verletzt, so die neuseeländischen Wissenschaftler. Auch zeigte sich eine weitere Auffälligkeit: Etliche Versuche, die sich für den Gesund-Effekt von Rotwein ausgesprochen hatten, waren in Weinanbaugebieten durchgeführt worden. Eine weitere Schwierigkeit: die meisten Rotwein-Studien wurden an Zellkulturen und nicht an lebenden Probanden durchgeführt. Aussagekräftig sind sie daher nicht, sie können bestenfalls Hinweise geben.

Gesunde Gefäße
Die gefäßschützende Wirkungen konnten die Forscher sogar beweisen, denn Autopsien an toten Alkoholikern zeigten, dass deren Blutgefäße in einem hervorragenden Zustand waren. Nur der Rest des Körpers war leider nicht so unversehrt. Vor allem die Stoffwechselorgane Leber und Niere waren durch das Zellgift stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Veraltete Empfehlungen
Viele Weintrinker glaubten sich sicher, denn verschiedene Organisationen hatten ja Richtwerte herausgegeben, bei deren Einhaltung keinerlei Gefahr für Leib und Leben bestehen soll. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO dürften Männer gefahrlos einen halben Liter Wein oder ein Viertel Liter Wein täglich konsumieren, ohne negative Konsequenzen für die eigene Gesundheit befürchten zu müssen. Bei Frauen lag dieser Höchstwert entsprechend niedriger; sie durften die Hälfte der angegebenen Menge täglich trinken.

Alkohol erhöht Krebsrisiko
Doch die neuseeländischen Wissenschaftler sprechen diesbezüglich von einer trügerischen Sicherheit, denn für Alkohol könne es keine empfehlenswerten Höchstmengen geben, selbst ein kleiner Schluck Bier kann sich unter Umständen desaströs auf den Organismus auswirken. Eine dieser bekannten Auswirkungen, die Alkohol auf den menschlichen Organismus haben kann, ist die Veränderung der Zelle. Wenn über einen längeren Zeitpunkt toxische Substanzen auf die Zelle einwirken, kann sich diese verändern, das heißt, sie mutiert. Wenn sich solche veränderten Zellen explosionsartig vermehren, spricht man von Krebs. Der WHO zufolge ist jede Form von Alkohol Krebs fördernd. Krebsspezialisten sagen sogar, dass Alkohol zu den zehn häufigsten Krebsrisikofaktoren gehört. Am deutlichsten zeigen sich die Auswirkungen jahrelangen Konsums an den Körperstellen, die hauptsächlich mit Alkohol in Berührung kommen, also die Organe des oberen Verdauungstraktes, das sind im Einzelnen Rachen, Speiseröhre und Magen.

Rotweinbeispiel Frankreich
Als Musterbeispiel für die gesundheitsfördernden Wirkungen von Rotwein werden oft die Franzosen angeführt. Wissenschaftler hatten beobachtet, dass diese trotz einer recht ungesunden Lebens- und Ernährungsweise dennoch weniger Herzerkrankungen aufwiesen als beispielweise Amerikaner oder Deutsche. Franzosen kennen wahrlich kein Morgen, wenn es um lukullische Genüsse geht, viel Weißbrot, gutes fettreiches Essen. Hinzu kommt, dass viele rauchen und zu wenig oder gar keinen Sport treiben. Zwar erkranken die Franzosen deutlich seltener an gefäßbedingten Leiden als andere Bewohner westlicher Industrienationen, für diese Tatsache kann aber nicht allein der Rotweingenuss verantwortlich gemacht werden. So bevorzugen Franzosen beispielsweise Olivenöl statt tierischer Butter, auch kommt bei ihnen vermehrt Fisch – dieser enthält die so wichtigen Omega-3-Fettsäuren – auf den Tisch während in Deutschland und den USA viel rotes Fleisch verzehrt wird. Auch haben die Franzosen generell eine gemächlichere Lebenseinstellung. Die einzelnen Mahlzeiten nehmen viel mehr Zeit in Anspruch als hierzulande, auch wird der Rotwein nicht ausschließlich zu den Mahlzeiten genossen, sondern in vielen Stunden gemütlichen Beisammenseins-

Alkohol steht in Zusammenhang mit Hirnschwund
Ein Versuch an der Psychiatrischen Universitätsklinik Erlangen stellte einen Zusammenhang zwischen alkoholbedingtem Gehirnschwund und der Aminosäure Homocystein her. Diese Säure entsteht als Zwischenprodukt beim Abbau von Methionin, einem lebenswichtigen Eiweißbaustein. Die Wissenschaftler stellten fest, dass auch geringe Mengen Alkohol schädlich sind, wenn diese regelmäßig getrunken werden. So kann bereits ein Glas Rotwein täglich Nervenzellen schädigen oder zerstören. Die Langzeitfolgen sind Gedächtnisstörungen und ein kontinuierlicher Abbau der Hirnleistung. Wenn der Alkoholkonsum komplett eingestellt wurde, bildeten sich in einer Vielzahl der Fälle auch die entstandenen Hirndefekte zurück.

Auf das Gläschen Rotwein verzichten?
Forscher sagen, dass die positiven Inhaltsstoffe keineswegs die negativen Auswirkungen des Alkohols ausgleichen. Im Gegenteil, erst im Alter von 50 würden die gesundheitsfördernden Effekte die Nachteile aufwiegen. Bis zu diesem Alter aber kann der Alkohol verheerende Schäden im Körper anrichten. Zwar schützt er die Gefäße vor Ablagerungen und Verengungen, Organen und Zellen aber kann er Schaden zufügen, der sich ähnlich dramatisch äußert wie ein Herzinfarkt. Wenn die täglich getrunkene Menge von 50 Gramm überschritten wird, sind das Herz und seine Gefäße sogar wieder in Gefahr. Auch die anderen Effekte des Alkohols dürfen nicht unterschätzt werden Ethanol macht die Schleimhäute durchlässiger für Gifte. Auch fördert er die Empfindlichkeit für andere Risikofaktoren.

Gesund mit der Kraft der Traube
Menschen, die in den Genuss der vielen Vorteile eines Gläschens Rotwein kommen möchten, sollten über Rotweinpräparate nachdenken, denn diese führen dem Körper sekundäre Pflanzenstoffe zu, ohne die schädlichen Auswirkungen des Alkohols. Auch ist es ratsam, die Regelmäßigkeit zu durchbrechen, so wird Rotweinliebhabern empfohlen, mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche einzulegen. Und dann erst ist ein Gläschen Rotwein gesund.