Ist Perfektionismus eine Krankheit?

Ob Perfektionismus eine Krankheit ist, ist eine schwer zu beantwortende Frage, bei der man sich nicht zu vorschnellen Urteilen verleiten lassen sollte.


Perfektion wird vom lateinischen Wort „perfektio“ abgeleitet, welches „Vollkommenheit“ bedeutet. Wenn man vor der Frage steht, ob Perfektionismus eine Krankheit ist, sollte man erst einmal klären, was Perfektion auszeichnet. Als Perfektion bezeichnet man das Anstreben eines Zustands, der sich nicht weiter verbessern lässt. Perfektion ist im Normalfall eine positive Eigenschaft, die man in allen Lebensbereichen anstreben kann, um seine Lebensumstände, Lebensgewohnheiten, seine Arbeitsbedingungen oder seine Gesundheit zu verbessern.

Doch ab wann ist Perfektionismus eine Krankheit?
Als Krankheit bezeichnet man den Perfektionismus erst, wenn das ständige Streben nach Vollkommenheit zu zwanghaften Persönlichkeitsstörungen führt, die den Betroffenen durch seine selbstgesetzten übertrieben strengen Normen in seinem Alltagsleben behindert. Der Betroffene ist mit seinen eigenen Leistungen nie zufrieden und strebt ein Ideal an, das er niemals erreichen kann.

Wie erkennt man zwanghafte Persönlichkeitsstörungen?

Wenn Perfektionismus eine Krankheit wird, kann es zu Kontrollzwängen und Zwangshandlungen kommen. Der sogenannte Schönheitswahn, der Wahn ein Leben lang eine perfekte Figur oder ein jugendlich frisches Gesicht zu haben und sich dafür immer wieder gefährlichen Schönheitsoperationen zu unterziehen, ist eine Form davon, wenn Perfektionismus eine Krankheit wird.

Eine weitere ist das zwanghafte, permanente Händewaschen um sich perfekt zu säubern und somit vor angeblich krankmachenden Bakterien zu schützen. Auch ist der Zwang, alles unter Kontrolle zu behalten, um einen perfekten reibungslosen Ablauf eines Arbeitsganges, einer Veranstaltung oder des eigenen Lebens zu sichern, ist der Ausdruck einer Krankheit. Der Betroffene setzt sich kaum lösbaren Konflikten aus, wichtige Dinge werden zugunsten der Zwänge vernachlässigt und oft bis zum letzten Moment hinausgezögert.

Zwischenmenschliche Beziehungen leiden häufig, wenn Perfektionismus eine Krankheit geworden ist. Der Betroffene beschäftigt sich mehr mit Regeln, Listen, Details, Ordnungen, Plänen oder Organisationen, sodass wichtige Gesichtspunkt dadurch verloren gehen. Oft erkennt der Betroffene das wahre Problem gar nicht und ist sich nicht bewusst, dass es sich hierbei um eine Krankheitsstörung handelt, die durch ärztliche Hilfe behandelt werden kann. Oftmals weisen den Betroffenen erst Freunde oder Familie auf sein Problem hin und es bedarf eine lange Zeit des Erkennens und Akzeptieren, bevor eine Behandlung angestrebt werden kann.

Ob Perfektionismus eine Krankheit ist, hängt jedoch immer von vielen verschiedenen Faktoren ab und lässt sich nur im Einzelfall entscheiden. Keinesfalls sollte eine vorschnelle unfachgemäße Diagnose gestellt werden, ohne alle Merkmale in Betracht zu ziehen.