Jens Bjørneboe: Umstrittener Schriftsteller aus Norwegen

Der bekannte und polarisierende norwegische Schriftsteller Jens Bjørneboe hätte am 9. Oktober 2010 seinen 90. Geburtstag feiern können. Hinter seinen Werken steht ein bewegtes Leben.


Jens Bjørneboe wurde am 9. Oktober 1920 als jüngstes Kind des Konsuls und Reeders Ingvald Bjørneboe in Kristianssand, der größten Stadt Südnorwegens, geboren. Er wurde leider lediglich 55 Jahre alt, da er sich am 9. Mai 1976 das Leben nahm. Dieses Ereignis ist bezeichnend für seinen gesamten Lebenslauf. Bereits mit 13 Jahren wollte er sich erhängen, weil er schon seit seiner frühesten Kindheit an Depressionen und Angstzuständen litt.

Jens Bjørneboes Lebensgeschichte

  • Nicht nur seine psychische Angeschlagenheit, auch der Alkohol war schon in jungen Jahren ein problematisches Thema im Leben des Norwegers. Dies sollte sich auch bis zu seinem Lebensende nicht ändern. Seine Jugendjahre waren geprägt von Autoritätsproblemen. Er schloss seine Schulausbildung an einer Privatschule mit dem Abitur ab und begann 1940 eine Malerausbildung. 
  • Beeinflusst durch seinen Freund Karl Brodersen machte Jens Bjørneboe Bekanntschaft mit der Anthroposophie. 1943 gelang ihnen gemeinsam die Flucht nach Schweden. Dort lernte Bjørneboe seine zukünftige Frau Lisel Funk kennen. Sie war eine jüdische Emigrantin und stammte aus Berlin. 1945 heiratete er sie. 
  • Nach verschiedenen Auslandsaufenthalten wurde Bjørneboe 1951 Lehrer an einer Waldorfschule in Oslo. Gleichzeitig arbeitete er an seiner Schriftstellerkarriere, was letztendlich in einem Fiasko endete. Die Doppelbelastung durch das Lehramt und das Schreiben mündete 1957 in einem Nervenzusammenbruch. Folglich gab er seine Lehrertätigkeit auf und reichte seine Scheidung ein. Aus seiner neuen Ehe mit Tone Tveteraas gingen drei Töchter hervor.

Jens Bjørneboes „böse“ Werke

  • Nach seiner Rückkehr nach Oslo gab Jens Bjørneboe 1947 die Malerei auf und verschrieb sich zusehends der Schriftstellerei. Sein Sinneswandel rührte daher, dass ihn 1946 ein Buch über das Konzentrationslager Oranienburg stark beeinflusste, was sich auch in späteren Werken widerspiegelte.
  • Das dreibändige Werk „Geschichte der Bestialitäten“ ist Bjørneboes bekannteste Hinterlassenschaft. Seine Beschäftigung mit der „alles beherrschenden Ungerechtigkeit“ spiegelte sich auch in Werken wie „Ehe der Hahn kräht“ wider. Sein Buch „Nackt im Hemd“ wurde in Norwegen sogar als pornografisch deklariert und verboten. Durch seine sozialkritischen Werke stieß Jens Bjørneboe immer wieder auf öffentlichen Widerstand und löste Skandale aus.