Um den Namen des Johanniskrautes ranken sich viele Mythen und Legenden. So ließ Herodes die Zunge des Johannes mit Nadeln durchstechen (perforieren), die perforiert erscheinenden Blätter erinnern daran. Aus dem tropfenden Blut soll die Pflanze entstanden sein. Aber auch der Blütebeginn (Sommersonnenwende/ Johannistag am 24. Juni) führten zur Namensgebung.
Reibt man die Blütenblätter des Johanniskrautes zwischen den Fingern, verfärben diese sich rot, was sicherlich auch zur Mythenbildung oder Bedeutung in Hexenprozessen beitrug.
Heilpflanze Johanneskraut
Das Johanniskraut gehört zu den wissenschaftlich am besten untersuchten und am meisten verkauften Heilpflanzen. Neben seiner Wirkung durch Gerbstoffe gegen Durchfallerkrankungen wird Johanniskraut bei Depressionen ebenfalls angewandt. Hierbei geht man davon aus, dass seine Wirkung auf dem Zusammenspiel mehrer Inhaltsstoffe beruht. Ähnlich wie schulmedizinische Antidepressiva wirkt Johanniskraut auf verschiedene Neurotransmitter wie Serotonin. Ein Cochrane Review mit 37 randomisierten, doppelblinden Studien zeigte die Überlegenheit von Johanniskrautpräparaten gegenüber Placebo und gleiche Wirksamkeit gegenüber Standardantidepressiva. Hierfür ist aber die Einnahme von mindestens 900 mg/Tag des Johanniskrautextraktes erforderlich. Wie bei schulmedizinischen Antidepressiva setzt die volle Wirkung des Präparates erst nach mehren Wochen ein.
Johanneskraut bei Depressionen
Nach Beschluss des gemeinsamen Bundesausschusses ist Johanniskraut bei leichten und mittelschweren Depressionsleiden auf Kassenrezept verschreibbar, wobei bei schweren Depressionen man nach wie vor unbedingt auf schulmedizinische Präparate zurückgreifen sollte. Im Gegensatz zu den klassischen (tricyclischen) Antidepressiva führt seine Einnahme aber nicht zu einer Gewichtszunahme. Bei insgesamt guter Verträglichkeit gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen Hautprobleme durch Lichtzufuhr (Photosensibilität) und Verstärkung der Monatsblutung.
Auf keinen Fall aber sollten Johanniskrautextrakte zusammen mit Chemotherapeutika und anderen Antidepressiva eingenommen werden. Auch mit vielen anderen Medikamenten bestehen Wechselwirkungen. Trotz Rezeptfreiheit sollte jeder Patient deswegen vor der ersten Einnahme des Johanniskrautes mit seinem naturheilkundigen Arzt Rücksprache nehmen.
Für die Inhalte dieses Artikels ist der Verfasser: Dr. med. Dietmar Katholnigg verantwortlich.