Kalilauge: umstrittene Bestattungsmethode

Die Kalilaugenbestattung als eine günstige und umweltschonende Alternative zur Erdbestattung. Kritiker fragen nach der Menschenwürde.


Die menschliche Geschichte hat schon viele Bestattungsmethoden durchlaufen müssen, die heute noch häufigst praktizierten sind: Erdbestattung, Seebestattung und Verbrennung. Nun fügt unsere postmoderne Gesellschaft eine neue ungewöhnliche Bestattungsmethode hinzu: Das Auflösen des menschlichen Leichnams mittels Kalilauge. Das Verfahren heißt „alkalische Hydrolyse“ und funktioniert folgendermaßen: Die Leiche wird in einem Druckbehälter aus Edelstahl, der mit Kalilauge gefüllt ist, gelegt. Dieser erhitzt sich, wie ein „Schnellkochtopf“ auf Temperaturen von circa 160 Grad Celsius. Der Leichnam zersetzt sich in zwei bis drei Stunden in eine braune Flüssigkeit, die aus Aminosäuren (organische Verbindungen), kurzen Peptiden (kleines Protein), Zucker und Salzen besteht. Außerdem sind in der Flüssigkeit noch wenige poröse Knochenreste zu finden (Calciumphosphat). Am Ende der „alkalischen Hydrolyse“ wird die braune Flüssigkeit weg gegossen und die Knochenreste zerkleinert, diese können bei Verlangen von den Angehörigen bestattet werden. Es ist bislang die günstigste Bestattungsmethode, die Kosten liegen ungefähr bei 600 Dollar, beziehungsweise 500 Euro. Eine Feuerbestattung kostet vergleichsweise circa 1.500 Euro.

Umweltschonende Bestattungsmethode
Die Kalilaugenbestattung soll das Klima schützen und weniger Energie verbrauchen im Vergleich zu den Bestattungsmethoden Verbrennung (es wird viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt) und Erdbestattung, welche den Erdboden dauerhaft schädigt. Die braune Flüssigkeit kann ohne Umweltschäden zu hinterlassen in den Ausguss gegossen werden.

Eine kritisch-ethisch umstrittene Bestattungsmethode
Einige Länder, wie Kanada oder US-Bundesstaaten Minnesota und New Hampshire praktizieren schon seit etwa 2008 die Bestattung des menschlichen Leichnams anhand von Kalilauge. Kalifornien und New York prüfen den Gesetzesentwurf „Leichenzersetzung mittels Kalilauge“. In New York hat der Gesetzesentwurf den Namen „Hannibal Lecters Bill“ (Anlehnung an den verfilmten Roman "Schweigen der Lämmer" von Thomas Harris) bekommen, weil es für einige als Menschenunwürdig betrachtet wird und an die Vernichtungspraktiken der Mafia erinnert. Der Mensch ist kein Entsorgungsmaterial, gibt der deutsche Bestatterverband kund. Die EU-Kommission sieht die Infragestellung der menschlichen Würde bei der Bestattungsmethode „Kalilauge“ nicht. Sie stellen hauptsächlich die Vorteile in den Vordergrund: niedrige Kosten und Umweltfreundlichkeit. Nun versuchen auch die EU-Länder Belgien und Schottland den Gesetzesentwurf: „Leichenzersetzung mittels Kalilauge“ in Europa einzuführen. Bislang steht der Verabschiedung des Gesetzes nichts im Weg.