Kann Fingerknacken zu Rheuma oder Arthritis führen?

Kann Fingerknacken wirklich Athritis oder Rheuma auslösen?


Jeder wird das Geräusch kennen, es klingt fast wie ein leiser Gewehrschuss. Überraschend, fast schon erschreckend kann es sein, ganz besonders dann, wenn es unerwartet kommt. Vor allem männliche Exemplare scheinen diese lästige Angewohnheit zu einer Art Hobby kultiviert zu haben. Es scheint, als wäre das Fingerknacken die letzte Domäne purer Männlichkeit. Die Geräuschmeister unter ihnen haben ihr Lautrepertoire nun noch um eine weitere Attraktion erweitert- genüsslich wird das Erschrecken der weiblichen Zuhörer ausgekostet. Besorgt sind sie dennoch, kann übermäßiges Knacken womöglich schädlich für die Gelenke sein?

Altersbedingtes Knochenknacken
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen: zum einen das bewusste also absichtliche Knacken, zum anderen das unbewusste Knacken, das unwillkürlich auftritt. Letzteres tritt besonders bei älteren Menschen auf, die Geräusche können auf einen zunehmenden Gelenkverschleiß hindeuten, aber auch Ablagerungen kommen als mögliche Auslöser in Frage. So fern das Knacken nicht mit Schmerzen verbunden ist, muss keine Krankheit vermutet werden, weitere Maßnahmen sind nicht erforderlich.

Was passiert beim Fingerknacken?
Interessant wird es nun mit der zweiten Möglichkeit- dem bewusst ausgeführten Knacken. Zunächst ein kleiner Ausflug in die Anatomie des durchschnittlichen Handgelenks: Gelenke, das sind die Verbindungsstellen zwischen den Knochen, sind vom Prinzip her alle gleich aufgebaut. Da sind die Gelenkkapsel und die Gelenkbänder, die dem Gelenk Halt geben und es vor falschen Bewegungen schützen. Die Gelenksflüssigkeit, die sich im Gelenksspalt befindet sorgt wiederum für die nötige Schmierung des Verbindungsstücks. Sie ist so eine Art Stoßdämpfer für die Knochen und die Knorpel, die zusammen das Gelenk bilden. Wenn man nun also an einem Finger zieht, wird durch diese Bewegung ein Unterdruck in der Gelenksflüssigkeit erzeugt. Die in der Flüssigkeit aufgelösten Gase bilden Blasen, diese platzen, es knallt hörbar. Zusätzlich werden die Seitenbänder der Gelenke in den Gelenkspalt hineingezogen. Wenn das Gelenk nun zwanghaft gedehnt wird, werden die Bänder wieder nach außen gedrückt, ein zweites Knacken entsteht. Da diese beiden Prozesse simultan auftreten, kann das menschliche Ohr aber nur ein Knackgeräusch wahrnehmen, obwohl es in Wirklichkeit zwei sind.

Langzeitfolgen unklar
Was sind nun aber die Auswirkungen des beliebten Zeitvertreibs? Eines vorweg: Rheuma, Gicht oder Arthrose kann selbst eine dauerhafte Belastung der Fingergelenke nicht verursachen. Während die Ursache von Rheuma eine Störung des Immunsystems ist, entsteht Gicht nach einer vermehrten Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken. Dennoch, ganz unbedenklich ist das Fingerknacken nicht. Das ständige Hineinsaugen der Bänder in den Gelenkspalt stellt eine Belastung dar- die Bänder schwellen an und überdehnen sich mit der Zeit. Die Gelenke nutzen viel zu früh ab und verschleißen. Liebhaber des beliebten Knochenjobs sollten sich also nach einem anderen Hobby umsehen, wenn die Gelenke lange ihre Aufgabe erfüllen sollen. Wenn gar Schmerzen auftreten, muss von einer vorzeitigen Degeneration des Gelenks ausgegangen werden.