Kann man den Nachbar wegen Ruhestörung verklagen?

Wer sich immer wieder durch Lärm wie Musik, Geschrei oder einen eifrigen Klavierschüler gestört sieht, dem drängt sich die Idee auf, den Nachbar wegen Ruhestörung verklagen zu wollen.


Der Garten nebenan verwandelt sich jedes Wochenende in eine Partyzone mit Freiluftdisko, seit die Tochter der Obermieter ein Klavier geschenkt bekommen hat, übt sie Tag und Nacht und die Flurnachbarn streiten sich bevorzugt um Mitternacht, während der Teenager-Sohn illegalerweise das Motorrad vom Vater aufheulen lässt. Zugegeben, in dieser Häufung tritt Ruhestörung selten auf, jeder einzelne Tatbestand ist jedoch schon Grund genug, darüber nachzudenken den Nachbar wegen Ruhestörung verklagen zu wollen.

 

Rahmenrichtlinien zur Ruhe im Haus

  • Ob nun lautes Geschrei, aufgedrehte Musikanlagen, selbst gespielte Musikinstrumente oder aufheulende Motoren - dies alles ist laut der jeweiligen Landes-Immissionsschutzgesetze (LImschG) von 22.00 bis 06.00 Uhr verboten, insoweit es die Nachtruhe anderer Mitmenschen stören kann.

 

  • In Räumlichkeiten, die keine Einfamilienhäuser, sondern Mehr- oder Reihenhäuser sind, gilt außerdem dass zwischen 22.00 und 08.00 Uhr sowie zwischen 13.00. und 15.00 Uhr nicht musiziert werden sollte. Besonders durchdringende Instrumente wie Klarinette oder Posaune sollten aus Rücksichtnahme auf die Nachbarn werktags nicht mehr als zwei und sonntags sogar nur eine Stunde benutzt werden.

 

Die Klage als letzter Weg

  • Egal unter welcher Lärmbelästigung Sie leiden, sollten Sie aber, bevor Sie Ihren Nachbar wegen Ruhestörung verklagen, versuchen einen friedlicheren Weg zu finden. Am besten suchen Sie zunächst das Gespräch mit Ihrem Nachbarn. Bleiben Sie hierbei freundlich und sachlich und schimpfen Sie nicht.

 

  • Erklären Sie vielmehr, wie Sie die Situation empfinden und warum diese für Sie belastend ist. Erst wenn Ihr Nachbar nicht reagiert, sollten Sie im nächsten Schritt die Polizei einschalten. Diese wird den Fall als Ordnungswidrigkeit behandeln und untersuchen. Hilft auch dies nicht, ist es verständlich, dass Sie darüber nachdenken, Ihren Nachbar wegen Ruhestörung verklagen zu wollen.

 

  • Um in einem streitigen Verfahren vor dem Verwaltungs- oder Amtsgericht und in einem, diesem häufig vorangehenden Schlichtungsverfahren bessere Beweise zu haben, sollten Sie ein Lärmprotokoll führen, in dem genau verzeichnet ist, wann welcher Lärm aufgetreten ist.

 

  • Auch ein von Ihnen in Auftrag gegebenes privates Lärmgutachten macht Ihren Standpunkt unmissverständlich klar. Bedenken Sie aber immer, dass es immer die letzte Möglichkeit sein sollte, den Nachbar wegen Ruhestörung verklagen zu müssen, denn gute Nachbarschaft erreicht man nur durch Toleranz, Aufgeschlossenheit und Gelassenheit.