Kann man durch's Rauchen abnehmen?

Ist es tatsächlich möglich durch's Rauchen abzunehmen? Wir klären Sie auf.


Es ist eine der bestplatzierten Marketingaussage aller Zeiten. Rauchen mache schlank, behauptet die Tabakindustrie seit jeher. Markenbezeichnungen wie „thin“ oder „slim“ wecken unbewusste Assoziationen, sie sind aber auch ein Fingerzeig; sie sollen die Sehnsucht nach dem ewigen Wunsch ein Leben lang rank und schlank zu bleiben schüren, den Traum in greifbare Nähe rücken lassen. Übergewichtigen wird gar geraten, mit dem Rauchen anzufangen, um die Herz- und Kreislauf schädigenden Kilos zu reduzieren. Doch was ist tatsächlich dran an dem Gedanken, dass man mit Rauchen abnehmen kann?

Widersprüchliche Studien
Wie das mit klinischen Studien manchmal so ist, eindeutige Aussagen erlauben sie in ihrer Gesamtheit nicht. So existieren Untersuchungen, die keinerlei Zusammenhang zwischen Gewicht und Rauchverhalten feststellen können. Auf der anderen Seite sprechen sich Forscher für den schlankmachenden Effekt der Zigarette aus.

Kein Zusammenhang zwischen Rauchen und Gewicht
Eine im Jahr 1998 in den USA durchgeführte Studie an über 4.000 Menschen fand heraus, dass kein Zusammenhang zwischen Rauchverhalten und Gewicht besteht. Lediglich einige farbige Probanden hätten insignifikant an Gewicht verloren, berichten die Forscher in der Dezember Ausgabe der Zeitung des Amerikanischen Psychologenverbandes (APA) "Journal of Consulting and Clinical Psychology". Die Gruppe, angeführt von dem Wissenschaftler Robert C. Klesges der Universität Memphis, kam zu dem Ergebnis, dass bei den untersuchten jungen Erwachsenen - die Probanden waren in dem Alter 18- 30 - keinerlei Verhältnis zwischen Rauchverhalten und Gewicht festzustellen sei.

Diätgeheimnis Nikotin?
Eine Studie der Harvard Medical School kam zu anderen Ergebnissen, sie belegte, dass Nikotin in der Tat einen appetitzügelnden Effekt hat. Zigaretten sorgen aufgrund der starken Gefäßverengung für eine verminderte Durchblutung, infolgedessen besteht ein erhöhter Kohlendioxidbedarf im Blut. Dieser wiederum führt zu einer chronischen Reizung der Schleimhaut in Lunge und Magen. Der daraufhin auftretende chronische Entzündungsreiz führt zu einem erhöhten Energieverbrauch, oder auch Grundumsatz des Körpers. Dieser macht etwa 200 Kalorien aus, das bedeutet, ein Raucher darf täglich diese Menge mehr aufnehmen, ohne eine Gewichtszunahme zu befürchten. Eine weitere Studie aus den 1970er Jahren bestätigt den Schlank-Effekt. Die umfangreiche Metastudie sammelte Daten von mehr als 12.000 Menschen. So wogen Nichtraucher im Schnitt 72,5 Kilogramm, während ihre rauchenden Mitstreiter nur circa 68,9 Kilogramm auf die Waage brachten.

Ewig schlank bleiben im blauen Dunst
Eine neue Kampagne, die „EU- Helpe- Campagne für ein rauchfreies Leben“ deckt nun auf, dass der Wunsch, ewig schlank zu bleiben, der Hauptgrund ist, warum junge Mädchen mit dem Rauchen beginnen. So sind es vor allem junge Frauen aus unteren Gesellschaftsschichten, die sich dem Einfluss der Medien und der Tabakwerbung nicht entziehen können und annehmen, dass sie durchs Rauchen abnehmen können. Diese Mädchen sind es auch, die es später nicht schaffen, die Sucht aufzugeben.

Rauchen macht dick
Während eindeutige Ergebnisse, die den Schlank-Effekt der Zigarette belegen, noch ausstehen, ist eines unbestritten: Raucher, die sich von dem Laster verabschieden, nehmen im Schnitt vier bis sechs Kilo zu. Erklärungen für dieses Phänomen gibt es viele: Nachdem die Nikotin-Blausäure-Teer-Dämpfe im Mundraum nun fehlen, haben die Geschmacksnerven Gelegenheit, sich zu regenerieren. Die aufgenommene Nahrung ist nun wesentlich schmackhafter, mit sichtbaren Folgen für die Ex-Raucher. Ein anderer plausibler Grund liegt im Fehlen des sensorischen Reizes im Mundraum, der orale Lustgewinn wird nun an anderer Stelle- dem Essen- gesucht.