Den Name Kardinal von Galen ist den meisten Menschen in Deutschland ein Begriff. Fragen zur Person und dem Werk des sogenannten "Löwen von Münster" können allerdings die wenigsten auf Anhieb beantworten. Als elftes von dreizehn Kindern wurde Clemens August Graf von Galen im März 1878 in Dinklage im Oldenburger Münsterland geboren. Seine streng gläubige Familie entstammt dem westfälischen Uradelsgeschlecht von Galen. 1896 beendete er seine Schullaufbahn mit dem Abitur und widmete sich dann dem Studium der Philosophie, Geschichte und Literatur an der Universität Freiburg.
Eine Audienz bei Papst Leo XIII manifestierte Kardinal von Galens Wunsch Priester zu werden
Nach einer Privataudienz bei Papst Leo XIII in Rom entschloss sich Clemens Priester zu werden und trat 1899 in einen Jesuiten Konvikt in Innsbruck ein. Vier Jahre später wechselte er in das Priesterseminar in Münster und beendete dort sein Studium der Philosophie und Theologie. Im Mai 1904 erfolgte seine Priesterweihe. Von 1906 bis 1929 durchlief er mehrere Stationen als Kaplan, Seelsorger und Pfarrer in Berlin. Dort lernte er auch Nuntius Eugenio Pacello, den späteren Papst Pius XII, kennen, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. 1929 verließ er Berlin und kehrte als Pfarrer der St. Lamberti Gemeinde nach Münster zurück. Vier Jahre später erfolgte dort seine Weihe zum Bischof von Münster.
Von Galens Position und Wirken während des zweiten Weltkrieges bleibt umstritten
Obwohl sich Kardinal von Galen während der Reichspräsidentenwahl 1925 bereits für den national Rechten von Hindenburg aussprach, ist seine Haltung gegenüber des Nazi Regimes bis heute nicht eindeutig geklärt. Während er einerseits als ,Löwe von Münster‘ aufgrund seiner öffentlichen Kritik an der NSDAP gefeiert wurde, kritisieren andere seine Polemik gegen das ,entartete Judentum‘ und seine Begeisterung über den Einmarsch der Deutschen in Russland. Fakt ist, dass er sich ab 1941 gegen die kirchenfeindliche Politik und die Euthanasiemaßnahmen der Nationalsozialisten aussprach und sich somit in die Schusslinie der nationalistischen Machthaber brachte. Allerdings sahen diese zunächst von einer Verhaftung und Tötung Kardinal van Galens ab, um einen Auf- und Widerstand im Münsterland gegen die Staatsmacht zu verhindern. Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges sprach sich von Galen für eine humane Behandlung und Nachsicht gegenüber der deutschen Kriegsgefangenen aus und verwirkte so die Sympathie der alliierten Mächte. 1946 wurde der damalige Bischof von Papst Pius XII zum Kardinal ernannt und starb nur vier Wochen später in Münster an einem Blinddarmdurchbruch. Am 9. Oktober 2005 wurde Kardinal von Galen durch Papst Benedikt XVI selig gesprochen.